Rusalka – Die Meerjungfrau

Film von Anna Melikian (Russland)

Verleih: Trigon-Film

Unbedingt sehenswerter Film.

Die Reklame zielt auf das „Märchenhafte“ und „Magische“ des Films ab. Aber eigentlich ist es ein Film über ein Mädchen auf ihrem schwierigen Weg zur jungen Erwachsenen in einer Erwachsenenwelt, deren knallharte Realität geradezu surrealistische Züge trägt — wenn wir nicht wüssten, dass ja nichts irriger ist als die Realität.

Abgewertet und kaum unterstützt von ihrer Umgebung, reagiert sie zuerst mit konsequentem Mutismus (psychogenem Schweigen) und nimmt dabei die Einschulung in eine Behindertenschule in kauf. Auch ihre aggressiven, zerstörerischen Gedanken gegenüber ihrer trostlosen Umgebung sind für ein Kind in ihrer Situation keineswegs anormal.

Gleichzeitig entdeckt sie aber die Kraft des Wünschens und die Möglichkeit, eine bessere Zukunft im Traum zu visualisieren.

Als Zuschauer/innen hoffen alle, dass es ihr gelingt, ihre Fähigkeit zu Wünschen mit ihren Traumvorstellungen zu verbinden, also ihre schönen Träume (Vater finden, Ballerina werden, Liebe/Geborgenheit) zu verwirklichen. Diese Träume beinhalten übrigens ganz normale und berechtigte Bedürfnisse eines Mädchens (eines jungen Menschen): den unbekannten Vater finden, sich verwirklichen (Ballett-Ballerina werden), Liebe geben und geliebt werden.

Aber gerade das Realisieren ihrer Träume mit Hilfe ihrer Wunschkräfte will nicht so recht gelingen. Meistens endet ihr Wünschen in kleineren oder sogar grösseren Katastrophen für sich und ihre Umgebung. Sie schützt ihren lebensmüden Geliebten mit ihrer Kraft; aber sich selber „vergisst“ sie zu schützen. Und das Märchen endet für sie nicht mit einem erfolgreich durchlaufenen Lebensweg, nicht mit der Heilung ihrer Verletzungen, also nicht mit einem märchentypischen Happy End.

Der Vollständigkeit halber müsste man nch erwähnen, dass die „Rusalkas“ in der ukrainischen Tradition (und wohl auch anderswo) Frauenseelen sind, die sich nach dem Tod nicht richtig von der physischen Welt lösen konnten. Sie suchen deshalb immer wieder den Kontakt mit den Lebenden und erhoffen sich von ihnen Hilfe, um zurück zu kommen.

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