Kategorie-Archiv: Lebenslauf

Märchen im Demenz-Heim

Nur durch Tun gewinnt man Erfahrungen.

Ich hatte vor 2 Jahren einen entsprechenden Wochenend-Kurs der Europäischen Märchengesellschaft besucht. Aber wie setzt man das im konkreten Fall um?

Der 90. Geburtstag meiner Schwiegermutter war ein Anlass, es im „St. Martin“ in Olten zu versuchen. Ich wählte natürlich kurze Geschichten mit nicht zu komplexem „Personal“. Es sollte auch ein Bezug zur Erlebniswelt der Bewohnerinnen und Bewohner bestehen, obwohl ich mir nicht einbildete, sie auf der kognitiven Ebene zu erreichen, sondern am ehesten auf der emotionalen und assoziativen Ebene. Solche Anknüpfungspunkte könnten „Stricken“, „Christbaum“, „Blumen“, aber auch bekannte Tiere wie „Katzen“ und „Mäuse“ sein.

Ich wählte als Geschichten „Die zwei Wiesenmäuse“, „Die drei Bäume an der Krippe“, „Die Christrose“ und „Das Kätzchen mit dem Wunderknäuel“. Ingrid umrahmte musikalisch mit Polychord und Erdflöte.

Die Erfahrung als Erzähler war sehr irritierend. Ich bin es gewohnt, beim Erzählen durch die Resonanz seitens des Publikums getragen und im Fluss unterstützt zu werden. Aber hier war keine Resonanz direkt erkennbar. Auch das direkte Ansprechen von Personen blieb in der Regel ergebnislos. Das brachte mich mehr als einmal „aus dem Fluss“.

Was bringt es denn den Bewohnerinnen und Bewohnern? Das darf ihr Geheminis bleiben, wie weit ich ihre Welt berührt hatte!
Auf alle Fälle war eine grosse Ruhe da und Zufriedenheit auf den Gesichtern. Dazu trug natürlich auch die Musik bei. Auch Bewohnerinnen und Bewohner, die sonst sehr unruhig sind, dauernd laut reden oder Ähnliches waren ruhig dabei; ein Zeichen, dass eine Verbindung, eine Resonanz da war. Das Pflegepersonal konnte sich im Hintergrund halten und auch mit-geniessen.

Der Versuch war es wert. Es soll nicht unser letzter leiben.

Berufliches

Da der Mensch ja (inklusive Arbeitsweg) ein gutes Drittel seines Lebens beruflich engagiert ist, könnte ich etwas darüber erzählen ….

B. C. Sesija, Uni Zagreb

Lassen wir mal die Schule bis Ende der Sekundarstufe II, also bis zum Alter von 19 Jahren. Nein ganz lassen will ich diese Zeit nicht, denn ohne Spuren ist das altsprachliche Gymnasium mit Latein und Altgriechisch doch nicht geblieben. Es hat sich da ein Bewusstsein gebildet, dass die Menschheit, ihre Kulturen und Religionen, eine Geschichte haben, deren Erben wir sind (z.B. in den Märchen>). Auch das Bewusstsein, dass unsere physische, sinnlich erfahrbare Welt nur ein kleiner Teil der Wirklichkeit darstellt, ist auf diesem Boden gewachsen.
Bild: Bela Cikoš Sesija : Homer, Dante, Goethe und Shakespeare. Weiterlesen

Gymnasialchor

Aus der Primarschulzeit sind mir keine Erlebnisse vom Singen geblieben ….. 

O FortunaAber gleich zu Beginn der Gymnasialzeit nahm es mich herein. Chor und Orchester des Gymnasiums führten, verstärkt durch die Mädchen einer „höheren Töchterschule“1) die Carmina Burana von Carl Orff (in der Orchesterversion) auf, 1966, also noch zu Lebzeiten Orff’s. Leitung: Robert Boog, der Vater der bekannten Sopranistin Maya Boog. Die Erstklässler-Knabensoprane waren dringend gebraucht. „Amor volat undique etc“ sangen wir ohne besondere Hintergedanken. Diese Probenarbeit und Konzerte sind mir noch sehr präsent. Zu den Carmina Burana als Werk ist auch eine starke emotionale Bindung geblieben.

Bild rechts: O Fortuna   
(Die Glücksgöttin Fortuna mit dem Schicksalsrad).  

Und dies Erlebnis hat mich über 40 Jahre, nur unterbrochen durch eine demotivierende Stimmbruchzeit (und eine anti-Schöne-Künste- Pubertätszeit) beim gemeinsamen Singen in grossen und kleine Chören oder Vokalgruppen gehalten.

Sogar mitten in der Maturazeit, mit dem Chemieheft sittsam zwischen den Chornoten versteckt, wurde gesungen und geprobt. War es ein Händel-Werk ? Die Chemie-Matur hat das in der Erinnerung doch überdeckt.

Bild unten: Carl Orff (1895-1982)

Carl Orff1)  So hiessen damals die streng geschlechtergetrennten Mittelschulen für Mädchen in der Stadt Zürich. Das Gymnasium Freudenberg (nomen est omen) war ein reines Knabengymnasium (ohne Nackt-Turnen). Nach Einführung der Koedukation, d.h. der natürlichen Durchmischung von Mädchen und Knaben, wurde die Kantonsschule Freudenberg in Kantonsschule Enge umgetauft. Also fertig mit den Freuden, Freunde, jetzt wird’s eng !