Archiv für den Monat: September 2008

Wanderung zur versunkenen Stadt auf der Alp Seefeld

Bizarre Felsen über dem Justistal

Bizarre Felsen über dem Justistal

Wunderschöne Höhenwanderung auf dem Grat, der vom Niederhorn (ob Beatenberg) nach Nordosten verläuft.

Dort wo jetzt die Alp Seefeld liegt, stand in alten Zeiten eine grosse Stadt. Ihre Bewohner führten ein sehr unchristliches Leben. Der heilige Justus lebte zu Zeiten in einer Einsiedelei bei einer Quelle unten in einem steilwandigen Tal, das heute nach ihm benannt ist (Justistal). Justus wollte die Stadt besuchen, um die Leute auf den rechten Weg zu weisen. Er wurde aber verjagt und schliesslich verprügelt, als er wieder kam. Da öffnete sich die Erde und verschlang die Stadt mit samt ihren ungerechten Bewohnern.

Die Einheimischen berichten, dass gelegentlich ein unterirdisches Grollen zu vernehmen wäre, das vom Verkehr, von den über die Kopfsteinpflaster rollenden Wagen in der unterirdischen Stadt herrühre. Mir sind auf dem Weg auch die bizarren Felsen aufgefallen, die mich an Ruinen von grossen Gebäuden erinnerten. In dieser Gegend gibt es auch viele als Karrenfelder bezeichneten Karstformationen. Das unterirdische Rumpeln habe ich allerdings nicht gehört.

Alp Seefeld und Sieben Hengste
Alp Seefeld und Sieben Hengste


Beschreibung der Wanderung »hier

Der Heilige Justus

Rubens, Heiliger Justus

Rubens, Heiliger Justus

Es gibt Dutzende von Heiligen mit diesem Namen. Der berühmteste ist ein Märtyrer aus dem nördlichen Teil von Burgund aus dem 3. Jhdt. pCn., der Regierungszeit des römischen Kaisers Diokletian. Dieser Sankt Justus von Beauvais gehört zum Typ der Kephalophoren, also der Märtyrer, die nach ihrer Enthauptung mit dem Kopf unter dem Arm davonspazierten.

Justus von Beauvais oder Auxerre (je nach Überlieferung) war ein Sohn christlicher Eltern und hatte die Gabe der Weissagung. Sein Onkel mit dem Namen Justinian war als Kind verschleppt und als Sklave verkauft worden. Justus hatte die Eingebung, wo sich sein Onkel Justinian befände und führte seinen Vater nach Amiens, wo sie Justinian gegen Lösegeld befreien konnten.

Auf dem Heimweg wurden sie von den Soldaten des römischen Präfekten verfolgt, weil sie bekennende Christen waren. Als Justus „sah”, dass die Verfolger immer näher kamen, hiess er seinen Vater und dessen Bruder sich in einer Höhle verstecken. Der junge Justus wurde selber gefangen genommen. Als er sich weigerte, das Versteck seiner Verwandten zu verraten und dazu sich noch standhft als Christ bekannte, wurde er enthauptet. Seine Henker flüchteten allerdings in Panik, als der Enthauptete seinen Kopf unter den Arm nahm und davonging.

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Der weisse Hirsch

Der Hirsch ist in vielen Religionen das Symbol für den sterbenden und wiederauferstehenden Gott. Im Christentum ist der Hirsch ein Symbol für Jesus Christus. Den Heiligen Eustachius und Hubertus begegnete Gott bzw. Christus in der Gestalt eines Hirsches mit dem Kreuz zwischen den Hörnern.

Der Hirschgott Cernunnos auf dem Kessel von Gundestrup

Der Hirschgott Cernunnos auf dem Kessel von Gundestrup

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Der heilige Hubertus

St. Hubertus

St. Hubertus

Historisch: Hubertus von Lüttich lebte um 700 pCn in den heutigen Ländern Frankreich und Belgien, zuletzt als Bischof von Lüttich (Liège). Die Zeit vor seiner Priesterweihe lebte er als Einsiedler in den Wäldern der Ardennen.

Legende: Auf der Jagd begegnete ihm ein Hirsch mit dem Kreuz zwischen den Hörnern: eine Gotteserfahrung.

Seine Geschichte ähnelt stark derjenigen des heiligen Eustachius aus dem 2.Jhdt. pCn.

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Unsterbliche, auf weissem Hirsch reitend

 
 
A Female Immortal Riding on a White Deer (Japan, 19. Jhdt.)

A Female Immortal Riding on a White Deer (Japan, 19. Jhdt.)

Eine Frau reitet auf einem weissen Hirsch. Wunderschönes Seidengemälde von Kishi Ganku, Beginn des 19. Jhdts. (Edo-Periode), Japan.

Interpretation des Bildes: Die Frau ist die Darstellung des ewigen Lebens. Auch der weisse Hirsch symbolisiert in Japan ein langes Leben.

Auch wenn die ostasiatische Kultur gerade den Tieren anderen symbolischen Gehalt zuordnet als die indoeuropäische, erinnert mich das Bild an den Hirsch als Reittier des Schamanen unterwegs in die Anderwelt (in der schamanist. Kultur: die Welt der Toten) und zurück.

Auch die ganze Symbolik von Tod und Auferstehung kommt mir in den Sinn.

Der Baumgeist mit dem nackten Hintern

Am Nordhang von “La Dôle” ist uns dieser Baumgeist mit dem nacktern Hintern begegnet, der mit seiner kleinen Freundin über die Kalkstein-Trockenmauer hinüberschaut.

Mehr Informationen zu dieser schönen Wanderung im Waadtländer Jura in meinem Bericht auf meiner Website ».

Der Baumgeist von La Dôle

Der Baumgeist von La Dôle mit seiner Freundin (Foto: Urs)

Der Baumgeist von La Dôle schaut über die Trocken-Mauer (Foto: Urs)

Der Baumgeist von La Dôle schaut über die Trockenmauer (Foto: Urs)

Sant'Umberto di Cassina

Kapelle Sant'Umberto Meride

Kapelle Sant'Umberto Cassina, Meride

In der Waldlichtung Cassina (z.T. auch Cascina geschrieben), auf der Südseite des Monte San Giogio oberhalb von Meride (Schweiz, Tessin) steht eine Hubertus-Kupelle (ital.: Sant’Umberto).

Das Bild zeigt einen Jäger, dem ein Hirsch mit dem strahlenden Kreuz zwischen den Hörnern erscheint.

In den Märchen ist der Hirsch eine wichtige und häufige Gestalt. Wie viele europäische Märchen enthält auch die Hubertus-Legende eine Integration vorchristlicher göttlicher Figuren aus schamanistischen und totemistischen Kulturepochen mit christlichen Bildern.

Der Hirsch gilt allgemein als Christus-Symbol. Das Bild stellt somit eine Gotteserfahrung dar.

Die Wanderung vom Lago die Lugano vom Ort Brusino-Arsizio (Schifffahrt von Lugano) hinauf über die Alpe Brüsin (mit Grotto) auf den Monte San Giorgio (mit prächtiger Rundsicht) und dem Abstieg über Cassina nach Meride ist wunderschön. Der Monte San Giorgio ist im Übrigen vor allem ein Wallfahrtsort für Geologen und Geobotaniker.