Die Butter in der Milch
Posted by urs on Feb 28, 2010
Wo wohnt Gott ?
Diese Frage stellt Christa Schwemlein auf ihrem Blog >>Beitrag auf ver-rueckt.net
Eine kleine Geschichte:
Eines Tages kam ein junger Mann zu einem alten Heiligen, der in einer kleinen Bambushütte am Fluss wohnte. Die schlichte Atmosphäre dieser Behausung wirkte beruhigend auf das Gemüt des Besuchers, und er genoss die Gesellschaft des heiligen Mannes ausserordentlich. Als es dann für ihn Zeit war zu gehen, bat er seinen Gastgeber, eine für ihn sehr wichtige Frage stellen zu dürfen.
«Natürlich, mein Sohn», erwiderte der alte Mann.
«Wo kann ich Gott finden ?»
Der Heilige lächelte. «Das ist nicht gerade eine einfache Frage. Gestatte mir, darüber nachzudenken. Komm morgen wieder, und ich werde sie beantworten. Und bring bitte ein Glas Milch mit.»
Der junge Mann war ein wenig verwundert ob dieses Ansinnens, kehrte aber am darauf folgenden Tag mit dem Gewünschten in die Hütte zurück.
Der Heilige dankte ihm und goss die Milch in seine Bettlerschale. Dann tauchte er die Hand hinein, zog sie wieder heraus, und als die Flüssigkeit zwischen seinen Fingern hindurchrann, runzelte er die Stirn und wiederholte das Ganze mit dem gleichen Resultat.
Der junge Mann beobachtete ihn verblüfft, sagte jedoch nichts. Er wünschte nur, der Heilige würde mit dieser Albernheit aufhören und sich der Beantwortung seiner Frage zuwenden.
Wieder und wieder fuhr der alte Mann mit den Fingern durch die Milch, zog gele¬gentlich die Hand heraus und starrte auf ihre Innenfläche. Wenn er sah, dass sie leer war, begann er erneut, in der Schale herumzufischen.
Schliesslich riss dem jungen Mann der Geduldsfaden. «Guruji, wonach sucht Ihr denn ?»
«Ich habe gehört, dass die Milch Butter enthält», antwortete der Heilige. «Und danach suche ich.»
Da konnte der junge Mann nicht mehr an sich halten und brach in herzhaftes Gelächter aus. «Aber so doch nicht ! Die Butter ist nicht von der Milch getrennt, sie ist ein Teil von ihr. Ihr müsst die Milch so lange umrühren, bis Butter daraus wird.»
«Sehr gut», sagte der Heilige. «Ich glaube, da hast du die Antwort auf deine Frage.» Und er trank die Schale Milch in langen Zügen leer. «Nun geh und rühre die Milch deiner Seele um, bis du Gott gefunden hast.»
Quelle: Harish Johari: “Die Affen und der Mangobaum”, Seiten 39-40, O.W. Barth Verlag, 2000
Der Märchenkreis ohne Namen
Posted by urs on Jan 25, 2010
Es ist einmal …
Seit vielen Jahren treffen sich Märchenerzählerinnen und Märchenerzähler aus der ganzen Nordwestschweiz 3 bis 4 mal jährlich um auszutauschen.
Sie erzählen sich ihre neusten Entdeckungen im Märchenschatz der Menschheit. Sie erzählen von ihren Erfahrungen an eigenen Veranstaltungen und tauschen Tipps aus. Sie phantasieren oder planen konkret neue Märchenveranstaltungen in der Region.
In den letzten zwei Jahren ist es zur Sitte geworden, sich unter einem bestimmten Thema bei einem Mitglied des Märchenkreises zuhause zu treffen. Das gemütliche Beisammensein und märchenhafte(r) Speis und Trank gehören auch dazu. Allerdings, so als ein Gott bedient, wie auf dem Gemälde von Anselm Feuerbach (1866 “Der Märchenerzähler”), werden Erzählende heute nicht mehr (oder noch nicht ?)
Wie in ihren Geschichten hat ihr Königreich des Märchenkreises keinen Namen. Die Heldinnen und Helden sind hingegen als Erzählerinnen und Erzähler nicht unbekannt, aber auch nicht gerade weltweit in den Medien.
Die Mehrheit der Märchenschaffenden dieses Kreises hat ihre Ausbildung bei Mutabor gemacht. Das nicht ein Aufnahmekriterium, sagt aber etwas aus über den undogmatischen Umgang mit Märchen und den freien Austausch von Erfahrungen und Märchen. Viele sind auch Mitglieder der Schweizerischen Märchengesellschaft.
Am 3. Februar ist das Thema „Feuer“ angesagt, das die kalten Winterabende erwärmen und erleuchten möge.
Nähere Informationen über diesen Märchenkreis beim Verfasser des Beitrags.
Chanukka
Posted by urs on Jan 13, 2010
Das Chanukka-Fest ist ein Fest des Lichts und wurde erstmals am 25. Dezember 164 aCn gefeiert.
Antiochus Epiphanes, der damalige Herrscher im Seleukidenreich, einem der Nachfolgestaaten des Alexanderreichs, hatte im 2. Jhdt aCn mit seinen Truppen den jüdischen Staat besetzt und den zweiten Tempel in Jerusalem zerstört. Dieser historische Kontext erklärt, weshalb die Besetzer in den jüdischen Geschichts-und Legendentradition oft als “die Griechen” bezeichnet werden, obwohl der Begriff “Syrer”oder allenfalls “hellenisierte Syrer” zutreffender wäre. Allerdings dürfte der freigeistige Hellenismus von religiösen Juden wirklich auch spirituell als Bedrohung empfunden worden sein, nicht zuletzt weil auch viele Juden sich gut im Hellenismus assimilierten.
Die Aufständischen unter der Führung von Judas Makkabäus besiegten das zahlenmässig weit überlegende Heer der Seleukiden und eroberten den Tempelberg zurück. Eine Darstellung der Ereignisse findet sich im 1. Buch der Makkabäer im 4. Kapitel, Vers 36ff.. Allerdings weist der biblischen Text die folgende Legende noch nicht auf:
Der Traum des Prinzen
Posted by urs on Jan 6, 2010
Ein Märchen aus Griechenland.

Illustration zu DER PRINZ UND DER BETTELKNABE von Mark Twain (1835-1910)
Märchentyp ATU 725.
Beitrag zum Thema Träume in Märchen >>.
Märchen gefunden in: von Hahn, J.G., 1918, “Griechische und Albanesische Märchen”, Verlag Georg Müller
Es war einmal ein König, der hatte drei Kinder, und eines Abends sprach er zu ihnen: „Hört, heute nacht wollen wir aufmerken auf das, was wir im Traume sehen.“
Am anderen Morgen fragte er zuerst den Ältesten: „Was hast du geträumt?“ und dieser erwiderte: „Mir träumte, dass ich die Tochter des und des Königs zur Frau nehmen würde.“ Und der zweite Sohn gab dieselbe Antwort. Darauf fragte der König den Jüngsten, was denn er geträumt habe. Der aber antwortete: „Ich sage es nicht, denn ich fürchte, dass du mich hinrichten lässt, wenn du es erfährst.
The Cherry Tree Carol
Posted by urs on Dec 13, 2009
Es war wieder einmal Zeit, dies wundersame alte englische Weihnachtslied zu singen, eingebettet in einer deutschsprachigen (Dialekt) Erzählung der Legende auf der Basis des englischen Liedtextes.
Gefunden hatte ich das Lied vor langer Zeit auf der Platte “Solomon’s Seal” der englischen Gruppe “Pentangle“. Die Leadsängerin Jacqui McShee führt die Band bis heute weiter, nachdem die beiden legendären Gitarristen Bert Jansch und John Renbourn eigene Wege gegangen waren. Stilistisch den Trends der heutigen Zeit angepasst, eher noch eklektischer als früher, folgt Jacqui McShee immer noch dem Pfad des experimentellen Folk mit starken Einflüssen von Jazz und Worldmusik. Read the rest of this entry »
Der Mensch stammt vom Affen ab
Posted by urs on Nov 16, 2009
Ein heiliger Affe zog einst in die Berge des Himalayas, um zu meditieren.
Er war ein Mönch und eine Inkarnation der Barmherzigkeit. Er war so schön und anmutig, dass sich eine Felsengöttin, die Landschaftsgöttin dieser Berge, in ihn verliebte und ihn heftig begehrte.
Sie versuchte ihn mit allen ihren Künsten zu verführen. Aber der Affe hielt sich an sein Mönchs-Gelübde und blieb standhaft.
Als die Felsengöttin unermüdlich blieb, um ihn zu werben, bekam er ein tiefes Mitleid mit ihr. Er dachte auch, dass eine enttäuschte Landschaftsgöttin eine grosse Gefahr für die Welt werden und viel Unheil anrichten könnte.
So erhörte er sie, und gemeinsam zeugten sie sechs Kinder, von denen die Menschen abstammen.
Legende aus dem Tibet
Erzählt an der Schweizerischen Erzählnacht 2009.
Schöpfungsmythos der Kurden
Posted by urs on Nov 12, 2009

Kurdische Landschaft
Einst lebten Licht und Dunkel ohne Übergang nebeneinander und wussten nichts voneinander, obwohl es ja das Dunkel nur dank des Lichts gibt.
Die Seelenwesen litten unter dieser trostlosen Doppelwelt. Besonders unzufrieden waren die, die im Dunkel leben mussten. Und das Klagen der Seelenwesen drang zu den Ohren des ewigen heiligen Vaters.
Da schuf der ewige heilige Vater das Reich der Dämmerung und nannte es «die Erde». Das bisher formlose nahm Form an. Der Sand begann zu singen. Der Geruch der brachen Erde lockte Leben, heisses dampfendes Leben an. Die Erde überzog sich mit grünem, blühendem Jubel. Leben kroch aus dem Kleinen und wuchs zum Gewaltigen heran. Leben erhob sich in die Lüfte auf grossen Flügeln und schwebte singend in den Tälern. Und auch des Meeres salzige Fluten liessen neues Leben entstehen. Und alles war bereit für den Menschen.
So schlug der ewige heilige Vater die Brücke zwischen dem Reich des Lichts und dem Reich des Dunkels. Jedes Reich gab einen Teil dafür, damit das Reich der Dämmerung, die Erde, lebe.
Noch wussten die Seelenwesen dieses Geschenk nicht zu nutzen. Da rief der ewige heilige Vater alle zusammen, die zufriedenen wie die unzufriedenen. Als sie versammelt waren, wies der ewige heilige Vater mit seinem rechten Arm zur Erde und sprach: „Dort steht der Mensch, zu meiner Linken, den Äckern der Erde am nächsten.“
Und weiter sprach er: „Ihr Seelenwesen, die ihr bisher im Reich des Dunkels leben musstet und unzufrieden wart, seid voller Hoffnung. Im Menschen schuf ich euch die Möglichkeit, euch zu verwirklichen und ins Licht zu gelangen.
Ratlos hörten die Seelenwesen die Worte des ewigen heiligen Vaters.
für die Schweizerische Erzählnacht 2009 (Motto “Als die Erde noch jung war, …”) sehr frei nacherzählt nach:
Abbas, Hilmi, „Das ungeschriebene Buch der Kurden“, Diederichs, Seite 33.
Baba’s Song
Posted by urs on Oct 14, 2009
Das Märchen vom musikalisch begabten Waisenkind, das mit dem grössten Popmusiker des Landes auftreten darf. Kein klassischer Märchenstoff aus den Volks- und Zaubermärchen, eher ein typisches Kunstmärchenthema.
Filmhandlung: Zusammenfassung auf der offiziellen Website von VEGA Film oder bei „Cineman“ bzw. „Cineast“.
Der Film vermittelt allerdings glaubwürdig, dass dies’ Märchen Realität ist.
Da ist zuerst einmal die gar nicht märchenhaften Kulisse des afrikanischen Dorfes, in dem fast nur noch Alte wohnen, und diejenige der Hauptstadt, geprägt durch physische Gewalt und der Käuflichkeit alles und aller. Ein ehemaliger Kindersoldat (wenn man seiner Geschichte glauben soll), clever, mutig und nicht auf den Mund gefallen (Joseph Pamfo) trifft auf den heimat- und orientierungslosen und vor allem sprachlosen Jungen (Sila Bakali), der aus dem Waisenhaus (Gilles Tschudi) entwichen ist, um dem Verkauf an ein europäisches Frauenpaar (Sabina Schneebeli, Franka Potente) zu entgehen.
Trotz vordergründig vorherrschender Hoffnungslosigkeit mit Elternlosigkeit, Verstädterung, Strassenkinder-Dasein, Gewalt, Prostitution, AIDS, Schwarzhandel, Ausbeutung, „helfenden“ Weissen, Zynismus usw. hat mich der Film nicht zum Heulen gebracht. Der Lebenswille, getragen von der Musik. Das Annehmen des Unabänderlichen um daraus das Beste zu machen. Die Freundschaft zwischen dem Überlebenskünstler Jo (der Elfjährige wird vom kleinwüchsigen, 23jährigen ghanesischen Schauspieler Joseph Pamfo, genannt „Joe Shortengo“ gespielt) und dem seine Sprache und seine Selbständigkeit wieder erringenden gleichaltrigen Baba (Sila Bakali, 14 Jahre alt, Musiker und Schüler) ist ein tragendes Element des Films. Auch in der Beziehung von Baba zum beknnten Malawischen Musiker Ben Michael Mankhmaba komt das zum Ausdruck. Vielleicht ist das ja die Botschaft des Filmes, dass Freundschaft in einer schwierigen Welt wichtig ist, um sich zu entwickeln und schlicht zu überleben. Sozusagen als Gegenentwurf zu allgegenwärtiger Ausbeutung, Gewalt und Käuflichkeit.
Ein weiteres zentrales Lebenselement ist die Musik, die die Menschen im Film und uns Filmzuschauerinnen und -zuschauer begleitet, und schliesslich zum Erlösungsmomentum wird. Die Musik als Begleitelement des Lebensweg zum geheilten Menschen – das kennen wir auch vom Eselein (KHM 144).
Filmkritiker (z.B. Cindy Hertach, Nicky Schaefer) bemängeln fast unisono den Filmplot. Wirklich, eine konsistente Handlung ist nur sporadisch zu erkennen. Einige Elemente der Geschichte wirken aufgepropft oder werden ausgewalzt, obwohl nebensächlich.
Das erschüttert vielleicht eine(n) Filmkritiker(in), aber nicht einen Märchenerzähler.
Typische Volksmärchen sind (und bleiben selbst nach der x-maligen Überarbeitung durch die Brüder Grimm) episodenhaft und „unlogisch“, weil Szenen eingebaut werden, die bestenfalls auf der symbolischen Ebene eine Bedeutung haben, Figuren auftreten und später sang- und klanglos wieder verschwinden usw. In diesem Sinne hat der Film etwas Märchenhaftes – unklar bleibt, ob vom Regisseur Wolfgang Panzer bewusst so gewollt oder einfach geworden.
Ein Märchenabend in der Sternwarte Schafmatt
Posted by urs on Sep 20, 2009
Märchen und Sagen von Mond und Sonne, Planeten und Sternen, erzählt in einer Sternwarte. Ein grosses Spiegelteleskop dominiert den Zuschauerraum. Draussen pfeift der Wind und prasselt der Regen. Keine Chance, dass Dach der Sternwarte zu öffnen, um den Mond , den Planten Jupiter und die Sternbilder „live“ zu sehen.
Urs erzählt in der Sternwarte.
Das tolle Spegelteleskop steht halbverhüllt im Zentrum.
Das Dach bleibt geschlossen. Draussen “chuttet’s”.
Was eher nach einer na ja-Veranstaltung tönt, war in Wirklichkeit ein stimmungsvoller Abend in der Sternwarte Schafmatt, auf dem Jura-Passübergang zwischen Oltingen und Rohr. Ich erzählte eine bunte Folge von Märchen von Mond, Sonne und Sternen im ersten Teil. Im zweiten Teil gab es Geschichten zu einigen Sternbildern und dazu die antike Sage von Jupiter und Kallisto.

Heiner Sidler von der AVA erzählt,
was die Astronomen über den Mond wissen.
Heiner Sidler von der astronomischen Vereinigung Aarau (AVA), der die Sternwarte gehört, berichtete aus der Sicht der Astronomen und erläuterte dem interessierten Publikum aktuelle Hypothesen und Theorien zum Mond, zu Meteoriten und zum Planetensystem. Obwohl das Publikum eher von der „Märchenseite“ her gekommen war, folgte es fasziniert seinen Ausführungen.
Kallisto und Jupiter
Posted by urs on Aug 26, 2009
Am 4. September (Märchenhafte Welt der Gestirne) wird der Planet Jupiter in unmittelbarer Nähe des Vollmondes stehen. Die Jupitermonde sind grösstenteils nicht sichtbar. Aber die Geschichte der Jupitermondin “Kallisto” soll dennoch erzählt werden.
