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Erzählnacht 2008 (7.11.08)

Gelterkinden, 7. November
Schweizerische Erzählnacht

Es erzählten Magdalena Gisin, Regula Itin, Susanne Limacher und Urs Volkart. 

 Schönes Erlebnis auch vom Publikumsaufmarsch her. Hokusais Woge hat uns fast überrollt. Die letzten Stühle mussten her.

Ein spannendes Programm mit kurzen und langen, besinnlichen, klassischen und lustigen Märchen und Sagen:

  • Der Wasserbrief, eine nordische Sage lanciert das Thema.
  • Marenka, ein Märchen vom Wasser des Lebens aus Osteuropa.
  • Das Tränenseil, ein eher romantisches Märchen, angeblich aus Tibet.
  • Die Kristallkugel, ein gewaltiger Grimm-Klassiker, wo das Wasser vor allem die Kräfte des Unbewussten symbolisert.
  • Das besprochene Wasser, ein wirksamer Therapievorschlag für streitsüchtige Paare.
  • Die Frau, die auszog ihren Mann zu erlösen, ein klassisches Thema mit einem überraschenden, erlösenden Schluss.
  • Die Zaubermuschel, ein Liebes-Märchen aus dem fernen Osten.
  • Fischlein und Büffelkuh, damit endet der Märchenabend definitiv, und erst noch mit einem lösenden Lachen.

Danke an alle Mitwirkenden und die hilfreichen Mitglieder des Bibliotheksteams. Solche Veranstaltungen geben Mut, hie und da etwas Grösseres zu wagen.

Um Mitternacht (Moerike)

Gedicht von Eduard Mörike (1804-1875)
(1867)

(Mörike> )

Um Mitternacht
 
Gelassen stieg die Nacht ans Land,
Lehnt träumend an der Berge Wand,
Ihr Auge sieht die goldne Waage nun
Der Zeit in gleichen Schalen stille ruhn;
Und kecker rauschen die Quellen hervor,
Sie singen der Mutter, der Nacht, ins Ohr
Vom Tage,
Vom heute gewesenen Tage.
 
Das uralt alte Schlummerlied,
Sie achtets nicht, sie ist es müd;
Ihr klingt des Himmels Bläue süßer noch,
Der flüchtgen Stunden gleichgeschwungnes Joch.
Doch immer behalten die Quellen das Wort,
Es singen die Wasser im Schlafe noch fort
Vom Tage,
Vom Heute gewesenen Tage.

Gesang der Geister über den Wassern (Goethe)

Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
(1779)

(Goethe> )

Gesang der Geister über den Wassern

Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.

Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.

Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen,
Schäumt er unmutig
Stufenweise
Zum Abgrund.

Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin,
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.

Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
Schäumende Wogen.

Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!

Wasser als Element im Märchen

Wasser ist ein zentrales Element für den Menschen, für die Natur als Ganzes.

Als Symbol ist das Wasser in der Geistesgeschichte der Menschheit sehr wichtig und somit natürlich auch in den Märchen.

Ich möchte zwei Gedichte an den Anfang stellen:

„Gesang der Geister über den Wassern “ von Johann Wolfgang von Goethe.

„Um Mitternacht“ von Eduard Mörike.

(Fortsetzung folgt).