Unternehmenskultur und Wissensmanagement

Referenz: Specht, R. (2007): „Soft Factors“, p. 35-41.
in: Belliger, A. & Krieger, D. (2007) „Wissensmanagement für KMU“, vdf Zürich.

Specht zählt als bedeutsame Kulturfaktoren auf
(kein wörtlichen Zitate, sondern bereits von mir interpretierte Begriffe):

  • Kommunikationskultur.
  • Teamkultur.
  • Fehlerkultur.
  • Lernkultur.
  • Best Practice-Kultur.
  • Feedbackkultur.
  • Hilfsbereitschaftskultur.
  • Vorbildkultur (insbesondere der Führung).

Unkultur-Faktoren (Killer) sind u.a. die folgenden Haltungen und Verhaltensweisen: Weiterlesen

Demokratisierung des Wissens

Im Prinzip beinhaltet die „Web 2.0“-Idee die Demokratisierung des Wissens.

  • Es ist nicht nur jedem Menschen mit Internet-Anschluss zugänglich (das ist vorerst noch eine Minderheit der Menschheit aber in unseren Breitengraden wohl bereits eine Mehrheit),
  • sondern jeder Mensch kann auch einen Beitrag zu einer wissensfördernden Informationsplattform liefern.

Wenn dabei die Umwandlung von implizitem Wissen in explizites Wissen, sprich handhabbare Information gelingt, wird Wissen zum Gemeingut.

Geradezu ein philosophisches Schaudern packt mich beim Gedanken, dass die Community gewissermassen auch darüber abstimmt, was wahr ist und was nicht. Die alte Naturwissenschafter-Theorie besagt, dass eine Hypothese oder ein Theoriekonstrukt solange als richtig gilt, bis sie jemand falsifiziert. Im Prinzip läuft das im Web 2.0 genauso.

Wir sind alle Experten.

Die Demokratisierung des Wissens als Allgemeingut scheint eigentlich dem Phänomen der zunehmenden Spezialisierung zu Super-Experten zu wider zu laufen. Im Prinzip wird klar, dass nur das gemeinsame Aufbauen und Teilen von Wissen uns genügend „expert“ macht, um die komplexen realen Probleme anpacken zu können. Die schmählich beiseite geräumte Interdisziplinarität, eine Forderung der 70er-Jahre, kommt unter geänderten Vorzeichen zu einer Renaissence.

Ich werde wahrgenommen, also bin ich.

Mit dieser Abwandlung des berühmten „Ich denke, also bin ich“ von Descartes beginnt B. von Guretzky einen Artikel über Wikis, Blogs und Wissensmanagement.

Der Artikel enthält eine gute Zusammenfassung über die bekanntesten „Web 2.0“-Tools, die in der einen  der anderen Form auch im Wissensmanagement Anwendung finden. B. von Guretzky beschreibt mehrere Beispiele und geht dabei vor allem auf die drei Themen „Blog“, „Wiki“ und „RSS-Feed“ ein. Obwohl nicht als „abschliessender“ Beitrag gedacht, stellt der Artikel gut nachvollziehbare Gedanken zum Thema zusammen.

Aus philosophischer Sicht sind zwar beide Ansätze sehr diskutabel, weil sie, sowohl unser Denken wie auch unser Drang wahrgenommen zu werden, durch ihre Verknüpfung mit dem Ego gerade den Blick auf das Sein verhindern. Aber darum geht es ja hier auch nicht. Es geht eher darum, wie die zunehmende Bereitschaft der Menschen, sich und ihr Wissen zu präsentieren dem Erfolg eines Unternehmens dienen können. Und da geht es nicht um das Sein, sondern um das Haben.

Wer mit Jugendlichen in der Ausbildung arbeitet, teilt vielleicht meine Erfahrung, dass Lernende viel unkomplizierter sind als früher, wenn es darum geht sich und ihr Wissen zu präsentieren. Dies macht die Kommunikation einfacher, und Vorträge halten und Präsentieren stresst nur noch, weil dies arbeitsintensive Vorbereitungen bedingt. Möglich, dass die Volksschule Präsentieren besser in ihren Lehrplan verwirklicht hat als früher, wo jeder Vortrag für die Lernenden ein Horrorszenario bedeutete. Bestimmt befinden wir uns aber diesbezüglich in einem kulturellen Wandel, für welchen die Blog-Szene nur ein Symptom ist.

Wissen und Wahrheit

Da bin ich auf einen Artikel von Beate Bruns gestossen „Von der Paradoxie, Wissen zu managen„. Diskussion hier >>>

Beate Bruns setzt sich kritisch mit dem Begriff „Wissen managen“ auseinander. Ihre Kritik kommt für einmal aus einem anderen Blickwinkel als üblich: Beate Bruns kritisiert nicht die Verwendung des Begriffs Wissensmanagement, der so wie er oft verwendet wird, besser Informationsmanagement heissen würde (siehe z.B. meine Kommentare zu Artikeln von Wilson, Miller oder Roell).
Über den Umweg einer Betrachtung zum Wahrheitsgehalt von Wissen und der praktischen Nichtexistenz von Wissen in unserem (beruflichen) Alltag kommt Beate Bruns zu einer Definition des Wissensmanagements, als Prozess, der in Richtung Wissen führt.  Weiterlesen

WM – mehr als nur ein Hobby

Gedanken zu einem Artikel Artikel von Sandra Escher Clauss
im „Stellefant“ vom Freitag, 18. Juli 2008, Seite 1

(Der Stellefant ist eine wöchentliche Beilage zu verschiedenen Zeitungen der Nordwestschweiz)

Wie wird man Wissensmanager ?

Zitiert wird Pavel Kraus, Präsident des Swiss Knowledge Management Forums.

„Beim Sammeln der Umfragedaten [aus internationalen Marktbefragungen, Anm. von Urs] merkte ich, dass die Informationen, die wir sammelten, in der Firma viel breiter und besser publik gemacht werden müssten.“ Kraus schlug daher vor, dass die Stelle eines Knowledge Networking Officer geschaffen werden sollte. Weiterlesen

The nonsense of ‘knowledge management’ 3

T.D. Wilson, Information Research, Vol. 8 No. 1, October 2002

Fortsetzung von Teil 2

Im letzten Teil seines engagierten Artikels befasst sich Wilson mit der Dimension „Mensch“. Er zeigt auf, dass die Umsetzung von Informationen in für das Unternehmen produktives Wissen eine entsprechende Zusammenarbeitskultur voraussetzt:

  • Die Vorteile des Informationsaustauschs müssen für alle Mitarbeitenden glaubwürdig und nachvollziehbar gegeben sein.
  • Die Mitarbeitenden müssen sowohl die Kenntnisse wie die Gelegenheit haben, individuell aus Informationen Wissen aufbauen zu können.
  • Arbeitsgemeinschaften, die sich aus Interesse an der Sache bilden, sind an der Anwendung ihres Wissenspools beteiligt. Solche Arbeitsgemeinschaften sind nicht zu vewechseln mit Projektteams oder Teams in der hierarchischen Organisation, die von Aussen gesetzte Ziele zu erreichen haben.

Wilson bezeichnet eine solche Zusammenarbeitskultur als Utopie und stellt resigniert fest, dass die auf kurzfristigen Shareholder Value fixierten, als Strategie bezeichneten Unternehmensziele diametral der Zusammenarbeit der Interessierten entgegenwirken und dass sie bei den immer wiederkehrenden Entlassungs- oder Outsourcing-Wellen für das Unternehmen gewaltigen Wissensverlust zur Folge haben.

The nonsense of ‘knowledge management’ 2

T.D. Wilson, Information Research, Vol. 8 No. 1, October 2002

Fortsetzung von Teil 1

Tacit knowledge – Implicit knowledge – Explicit knowledge

Wilson setzt sich in seinem Artikel auch mit dem von Polany eingeführten und von Nonaka und Takeuchi mit veränderter Bedeutung weiterdiskutierten Begriff des „tacit knowledge“ auseinander. Er weist nach, dass „Stilles Wissen“ ein Wissen darstellt, das nicht explizit formulierbar ist und sich eher nicht erklären, sondern nur in intensivem Austausch zwischen Menschen zeigen lässt. Dieses stille Wissen bestimmt stark die Art wie wir wahrnehmen, entscheiden und handeln. Wie oft aber können wir überhaupt nicht erklären, warum wir so entschieden und gehandelt haben.

Die Abgrenzung vom Begriff des impliziten Wissens ist nicht so klar, vielleicht ist es mehr ein gradueller Unterschied. Implizites Wissen kann in explizites Wissen, sprich Informationen, verwandelt werden. Stilles Wissen widersetzt sich weitgehend der geplanten Umwandlung in explizites Wissen. Die Umwandlung von implizitem in explizites Wissen ist natürlich schon ein grosser Filter- und Veränderungsprozess, so dass das explizite Wissen nicht immer so herauskommt, wie es gedacht wurde…. Und was dann der Empfänger mit den Informationen macht ….

Explizites Wissen kann vereinfacht mit Informationen gleichgesetzt werden, die unabhängig von Individuen existieren und deshalb auch mit IT gemanaged werden können. Explizites Wissen kann, eine gemeinsame Sprache (und kompatible IT) vorausgesetzt, einfach kommuniziert und kopiert werden. Dieses explizite Wissen umfasst in erster Linie Daten in Datenbanken, in mehr oder weniger wissenschaftlichen Publikationen und Prozessbeschreibungen Geschriebenes und anderswie Gespeichertes.

Fortsetzung folgt

Lernen

Bei der Lektüre des Artikels von Miller (2002), I=0, liegt es nahe die Begriffe Information, Wissen und Lernen miteinander zu verknüpfen:

Wenn ich den Faden richtig weitergesponnen habe,

ist Lernen in diesem Zusammenhang der persönliche Prozess, Wissen aus Information zu erschaffen.

Sonst könnte man Lernen durch Kopieren von Information von einem Individuum zu nächsten ersetzen, was wir zweifelsohne heimlich oft auch wünschen.

Dieses „Kopierlernen“ findet beim Antrainieren statt, in der Regel ohne grosse Nachhaltigkeit. Auch erfolgreiches CBT oder E-Learning erfordert den Prozess der Umwandlung der vom Computer zur Verfügung gestellten Information zu Wissen.

E-Learning-Entwickler/innen kennen das Problem, dass diese Umwandlungsprozesse sehr individuell sind. Insofern deckt gute E-Learning-Entwicklung die Anforderung ab, den Prozess der Umwandlung von Information zu Wissen zu unterstützen.

I = 0 (Information has no intrinsic meaning)

F.J. Miller, Information Research, Vol. 8 No. 1, October 2002

Wissensmanagement unterstellt, dass Wissen mit technischen Mitteln und unabhängig von Individuen erfasst, gespeichert, verarbeitet, weitergegeben usw. (eben: ge-managed) werden kann. Aus dem folgenden wird klar, dass dies eine Illusion ist. Übrig bleibt als Unternehmens-Aufgabe praktisch nur die Unterstützung der Fähigkeit zur Interpretation von Information durch die beteiligten Menschen und die Förderung des Teilens von Wissen zwischen den Stakeholders als Menschen.

Miller ist selbstkritisch genug, festzustellen, dass sein elektronisch publizierter Artikel nur bedeutungslose Information darstellt. Bedeutung erhält er erst durch die Interpretation und Kommentierung durch die Lesenden.

Deshalb enthält mein Blog-Artikel auch keine treffende Zusammenfassung des ausführlichen Artikels von Miller, den jeder ja selber im Internet nachlesen kann. Vielmehr liest Du meine Hervorhebung und persönliche Interpretation der mir wichtig erscheinenden Informationen. Weiterlesen

The nonsense of ‚knowledge management‘ 1

T.D. Wilson, Information Research, Vol. 8 No. 1, October 2002

Wilson führte eine umfassende Recherche auf Internet-Seiten von „Knowledge Management-Fachleuten“ und in einschlägigen Fachzeitschriften durch. Er fand dabei seine These bestätigt, dass „knowledge management“ ein Modewort ist, mit welchem Informationen-Management und die damit verbundene Technologie vermarktet werden soll. Wilson fokussiert die hierarchische Aufgliederung Daten-Information-Wissen auf die Unterscheidung von Information und Wissen. Das folgende ist nun bereits sehr interpretiert von mir (U.Volkart).   Weiterlesen

Wissenschaft heute: ein Rennen der Giganten ?

Die kritische Masse für erfolgreiche Forschung braucht es hinsichtlich der Ressourcen, wenn es um teure Infrastruktur geht.

Dies gelesen:

Aber in inhaltlicher Hinsicht ist die kritische Masse heute dank der Kommunikationsmöglichkeiten nicht mehr abhängig von der Grösse einerer Institution.
(Prof. Dieter Imboden in: ETH Globe 2008/2, p.24).
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