Das Paradoxon der Didaktik und Pädagogik

Eigentlich ist es das Paradoxon der Entwicklung des Menschen an sich, wie es sich in der Erziehung und im „Lernmanagement“ ständig zeigt.

Gedankenstütze: Kleimann, Bernd (2009), „Technologiedefizite technologiebasierter Lehre ?„, in: Dittler & al. 2009, S.71-89.

Worin besteht das Paradoxon ?    

  • Einerseits bemühen wir uns als Lehrende, mit unseren Aktivitäten das Lernen (im Bezug auf fachliche, personale und soziale Kompetenzen) optimal zu arrangieren und ständig zu verbessern. Dabei gehen wir von Kausalitäten aus im Stil „Wenn ich das und das tue, werden die Lernenden jenes besser lernen.“
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  • Anderseits zeigen unsere täglichen Erfahrungen und auch die wissenschaftlichen Untersuchungen, dass einfach versteh- und handhabbare Kausalitäten nicht allgemein existieren. Die diaktischen Kniffe basieren auf Vereinfachungen, die manchmal passen, im allgemeinen Fall aber enttäuschen.

Und eigentlich wissen wir das, tun aber so, als wenn es da logische Konzepte gäbe. Und betreiben grossen didaktischen oder pädagogischen Aufwand aufgrund solcher Kausalitätskonstrukte.

Und das gilt natürlich auch für den Wissenserwerb mit Hilfe elektronischer Medien, für das E-Learning. Wir begründen z.B. den Aufwand für die Einführung eines LMS mit der daraus resultierenden Verbesserung des Lernens. Aber immer ist es das Prinzip „Hoffnung“.

Und wie lösen wir das Paradoxon in unserer Arbeit als Lehrende (tatkräftig unterstützt von der Wissenschaft und der Lehrmittelindustrie)? Wie kommen wir über die manchmal fehlenden Erfolge unserer Massnahmen hinweg?

Der ebenso geniale wie fiese Trick besteht in der Einführung moralischer (normativer) Elemente ins kausale Regelwerk des Lernprozesses der Lernenden:

  • Das Nicht-Wollen.
  • Die fehlende Motivation.
  • Die Bequemlichkeit.
  • usw.

Selbstredend wirken gemäss obiger „Logik“ auch unsere auf diese Elemente angesetzten Hebel nur im Einzelfall. Aber immerhin.

Die Pädagogik/Didaktik gleicht darin der Medizin, welche ja ebenfalls reines Erfahrungswissen mit weitgehend fehlender wissenschaftlicher Logik ist, Erfahrungswissen, das nur im individuellen Kontext Sinn macht: Wenn der Patient (der Lernende) unsere Behandlungsmethode nicht annimmt, tut er das auf eigenes Risiko. Wenn er trotz  (oder vielmehr wegen) unserer Behandlungsmethode nicht gesund wird (nichts lernt), handelt es sich eben um einen schwierigen Fall.

Um nicht dem blanken Zynismus anheim zu fallen bleibt mir nur das Bewusstsein, das Lernen ein individueller Prozess ist, für welchen keine 1:1-wirksamen kausalen Hebel existieren, auch keine computerisierten. Didaktisch-pädagogisch begründetes Lehren ist primär Hinschauen auf das Individuum. 

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