Facebook & Co.

Wer ist noch nicht Mitglied bei Facebook ?
Ich zum Beispiel.

Gegründet 2004 und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht 2006, dürfte Facebook eine der sich am raschesten entwickelten persönlichen Net Working- und Blog-Sphären sein. Ca. 130 Millionen Nutzende sind es weltweit, davon gegen eine halbe Million in der Schweiz. Statistisch und soziologisch interessant ist die Tatsache, dass Jugendliche unter 20 Jahren nur etwa 15% der Nutzenden ausmachen, also von anderen, jugendnäheren Blog-Sphären mehr angesprochen werden. Falsch wäre nämlich der voreilige Schluss aus diesem überraschend tiefen Anteil der Jugendlichen, dass diese überhaupt nicht an Blog-ähnlichen oder venetzenden Web-Applikationen interessiert wären. Rund 20% der Nutzenden gehören zu den Web-Grufties, den über 30-Jährigen. Die Mehrheit bilden also junge Erwachsene zwischen 20 und 30. Das interessiert auch deren Arbeitgeberinnen ….

Facebook-Einträge können öffentlich, privat oder Gruppen zugänglich sein. Privat schliesst immer auch die als Freunde deklarierte Menschen ein, die fortan über jeden „Furz“ des Facebook-Mitglieds fast in Echtzeit informiert werden, nicht nur über seine geposteten Beiträge, sondern über alle anderen Änderungen, die er/sie an seinem/ihrem Profil vornimmt. Big brother freut sich. Die Gruppen-Sphäre entpuppt sich ausserdem als virtuelle Fortschreibung der gut schweizerischen Vereine.

Facebook.com ist ein absoluter Börsenrunner. Warum ?
Die darin gespeicherten Daten, nicht nur die persönlichen Profile sondern auch die geposteten Beiträge, bilden ein Informationskapital von unschätzbarem Wert. Data-Miner können dieses Vermögen problemlos ausbuddeln und kommerziell nutzen. Ein Altraum für Datenschützer.

Facebook ist eine 24-Stunden-Applikation, läuft also zwingend auch während der Arbeitszeit. Da Facebook zu 99% ausschliesslich privat genutzt wird, und keinerlei Nutzen für die Firma erkennbar ist, blicken die Arbeitgeberinnen natürlich mit Argusaugen auf die Facebook-Time-Slots ihrer Mitarbeitenden. Einzelne Firmen sehen auch Gefahren für die ICT-Sicherheit, seien es die Weitergabe von Firmen-Interna oder Facebook als Phishing-Portal. Erste Firmen sind bereits dazu übergegangen, Facebook im Netz zu sperren.

Unterstützt oder zumindest toleriert werden hingegen Vernetzungen in der Business-Variante von Facebook: XING. Auch die Nutzung themenorientierter Blogs und Wikis wird von Wissens-orientierten Firmen unterstützt, weil sie dem Wissensaufbau in ihren Unternehmungen dienen.

Quellenangabe: Inspiration und einige Informationen aus einem Artikel „Willst Du mein Freund sein“ in der Basler Zeitung vom 23. August 2008 unter „wochenende.zusammenleben“.

Weiterbildung und Wissenskreislauf

Die linke Hälfte des Modells von Probst & al. 1999 kann tel quel übernommen werden als Modell einer strategiebasierten Weiterbidung von Mitarbeitenden (einschliesslich der Entscheidung, Wissen extern einzukaufen durch Rekrutierung von Experten oder Bertung durch Experten).

Demokratisierung des Wissens

Im Prinzip beinhaltet die „Web 2.0“-Idee die Demokratisierung des Wissens.

  • Es ist nicht nur jedem Menschen mit Internet-Anschluss zugänglich (das ist vorerst noch eine Minderheit der Menschheit aber in unseren Breitengraden wohl bereits eine Mehrheit),
  • sondern jeder Mensch kann auch einen Beitrag zu einer wissensfördernden Informationsplattform liefern.

Wenn dabei die Umwandlung von implizitem Wissen in explizites Wissen, sprich handhabbare Information gelingt, wird Wissen zum Gemeingut.

Geradezu ein philosophisches Schaudern packt mich beim Gedanken, dass die Community gewissermassen auch darüber abstimmt, was wahr ist und was nicht. Die alte Naturwissenschafter-Theorie besagt, dass eine Hypothese oder ein Theoriekonstrukt solange als richtig gilt, bis sie jemand falsifiziert. Im Prinzip läuft das im Web 2.0 genauso.

Wir sind alle Experten.

Die Demokratisierung des Wissens als Allgemeingut scheint eigentlich dem Phänomen der zunehmenden Spezialisierung zu Super-Experten zu wider zu laufen. Im Prinzip wird klar, dass nur das gemeinsame Aufbauen und Teilen von Wissen uns genügend „expert“ macht, um die komplexen realen Probleme anpacken zu können. Die schmählich beiseite geräumte Interdisziplinarität, eine Forderung der 70er-Jahre, kommt unter geänderten Vorzeichen zu einer Renaissence.

Wissen unter Verschluss

Wissen wird oft unter Verschluss gehalten — Clevere Köpfe machen noch längst keinen intelligenten Betrieb.

Kolumne von Hartmut Volk
im stellefant, Ausgabe vom 7. März 2008.

„Wissen hat in vielen Unternehmen einen denkwürdigen Wandlungsprozess durchgemacht. Es ist vom Arbeitsinstrument zum Selbstschutzinstrument geworden.“

Erläuterungen zur These von Hartmut Volk:

  • Die Organisationskultur fördert Eigennutz und nicht mann- schaftsdienliches Verhalten.
  • Wer sein Wissen vorbehaltlos weitergibt, gibt seine Trümpfe aus der Hand, sich zu profilieren.

Folge für das mit hervorragendem theoretischem wie praktischen Wissen ausgestatte Unternehmen: unkreativ, reaktionsträge, Veränderungs- und Anpassungs-unwillig.

Gründe:

  • Vertrauen ist die Vorbedingung für Wissensaustausch im Unternehmen.
  • Führungskräfte leben vertrauensbildende Qualitäten nicht vor (Aufrichtigkeit, Berechenbarkeit, Zuverlässigkeit).
  • Mitarbeitende werden nicht am Erfolg ihres Wissensbeitrags beteiligt; das Management sahnt ab.
  • Formalisierung der Arbeit, deren Sinn (in der Wahrnehmung der MA) nur in der Erhöhung des Vorgesetzten liegt, schmälert unkonventionelles Handeln und damit Kreativität und Innovation.

Die Voraussetzung für erfolgreiches Wissensmanagement ist also die Unternehmenskultur, welche

  • nicht Eigennutz und Profilierung sondern Wissen Teilen belohnen soll, und
  • genügend Unordnung als Kreativitätsraum für Denken und Handeln zulässt.

Social Software nutzen.

Klaus Tochtermann und Gisela Granitzer (Technische Uni und Know-Center Graz) fassen in ihrem Artikel „Wie Unternehmen Social Software am besten nutzen“ einige Möglichkeiten zusammen, wie mit Web 2.0-Tools Informationsmanagement und Wissensaus- tausch/aufbau unterstützt werden können.

Die präsentierten Gedanken im Grosskonzern-Rahmen lassen sich m.E auch in KMU in angepasster Form anwenden. Anstelle teurer integrierter Software-Monster, für welche die Autoren denn auch gar keine Reklame machen, könnten Open source -Tools eingesetzt werden. Beim Lesen des Artikels muss wie üblich gelegentlich das Wort „Wissen“ durch „Information“ ersetzt werden, damit es Sinn macht.
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Intranet auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden ausrichten

In einem Artikel „Das Ende von Wissen am Fliessband“, wie in der Branche üblich eine Marketing-Initiative, schwankend zwischen Sachinformation und Reklame, legen die Autoren W. Buhse und A. Dornis zu recht den Finger auf die folgende Erfahrung.

„Bis 2006 konzentrierte sich das Wissensmanagement bei MLP auf die Darstellung der Inhalte und den Kontext ausgewählter, größtenteils isolierter Informationssysteme in Form unterschiedlichster Datenbanken sowie auf ein uneinheitliches Dokumentenmanagement in File-Shares. Informations- und Wissensmanagement bestand im Wesentlichen aus „Push & Pull“, d.h. die zentrale Einheit entschied darüber, was den Intranet-Nutzern als Information aktiv zugeführt wird bzw. welche Wissensfelder passiv (zum Abruf) bereitgestellt werden. Mangels direkter Interaktion zwischen Sender und Empfänger entwickelten die Fachautoren oft Inhalte am Bedarf vorbei. Den Anwendern wurden dadurch Informationen „wie am Fließband“ präsentiert, ohne ihnen die Möglichkeit zu geben, die Inhalte mitzugestalten.“

Mit einer integrierten Lösung für Wissensmanagement versucht die Firma MLP Finanzdienstleistungen AG den genannten Problemkreis zu verbessern und vor allem möglichst viel „frisches Wissen“ (gemeint ist natürlich „frische Information“ zur erweiterung des Wissens der Mitarbeitenden) bereit zu stellen.

Ich werde wahrgenommen, also bin ich.

Mit dieser Abwandlung des berühmten „Ich denke, also bin ich“ von Descartes beginnt B. von Guretzky einen Artikel über Wikis, Blogs und Wissensmanagement.

Der Artikel enthält eine gute Zusammenfassung über die bekanntesten „Web 2.0“-Tools, die in der einen  der anderen Form auch im Wissensmanagement Anwendung finden. B. von Guretzky beschreibt mehrere Beispiele und geht dabei vor allem auf die drei Themen „Blog“, „Wiki“ und „RSS-Feed“ ein. Obwohl nicht als „abschliessender“ Beitrag gedacht, stellt der Artikel gut nachvollziehbare Gedanken zum Thema zusammen.

Aus philosophischer Sicht sind zwar beide Ansätze sehr diskutabel, weil sie, sowohl unser Denken wie auch unser Drang wahrgenommen zu werden, durch ihre Verknüpfung mit dem Ego gerade den Blick auf das Sein verhindern. Aber darum geht es ja hier auch nicht. Es geht eher darum, wie die zunehmende Bereitschaft der Menschen, sich und ihr Wissen zu präsentieren dem Erfolg eines Unternehmens dienen können. Und da geht es nicht um das Sein, sondern um das Haben.

Wer mit Jugendlichen in der Ausbildung arbeitet, teilt vielleicht meine Erfahrung, dass Lernende viel unkomplizierter sind als früher, wenn es darum geht sich und ihr Wissen zu präsentieren. Dies macht die Kommunikation einfacher, und Vorträge halten und Präsentieren stresst nur noch, weil dies arbeitsintensive Vorbereitungen bedingt. Möglich, dass die Volksschule Präsentieren besser in ihren Lehrplan verwirklicht hat als früher, wo jeder Vortrag für die Lernenden ein Horrorszenario bedeutete. Bestimmt befinden wir uns aber diesbezüglich in einem kulturellen Wandel, für welchen die Blog-Szene nur ein Symptom ist.