IBM-Schulplattform.ch

Ich war heute an einer Veranstaltung, an welcher die schulplattform.ch, „gehostet“ und „promotet“ von IBM, vorgestellt wurde. Vor einger Zeit hatte ich schon im Internet einen Blick darauf geworfen.

Einen Überblick über diese Web-basierte Unterrichtsplattform gibt deren Homepage.

Was kann es für eine Motivation geben, eine neue Unterrichtsplattform aufzubauen? Dahinter steckt ein Bedürfnis von Schulen, deren Ziel nicht das Durchnehmen von Stoff, nicht das Abhaken von Lernzielen und nicht das Abhalten von Lektionen ist, sondern das Erreichen von Kompetenzen durch die Lernenden. Diese Schulplattform geht nicht von Schulstrukturen und nicht von Stundenplänen aus, sondern einzig und allein von Kompetenzrastern. Die Lernenden erhalten für den Erwerb der Kompetenzen die Lernjobs zugewiesen. Lehrende und Lernende wissen zu jedem Zeitpunkt, wie weit der/die Lernende effektiv ist. Diese Unterrichtsplattfrom ist also in erster Linie ein Learning management system (LMS). Speziell ist sicher auch, dass die Plattform ganz auf die Kommunikation zwischen den am Unterricht Beteiligten ausgerichtet ist.

Eine gewisse Hürde stellen aus meiner Sicht die impliziten Anforderungen an die Schulkultur dar:

  • Der Unterricht orientiert sich am erfolgreichen Erwerb von Kompetenzen, nicht am Durchnehmen von Stoff.
  • Die Lernenden übernehmen grosse Verantwortung für ihren Lernfortschritt und sind gegenüber sich und den Lehrenden ehrlich.
  • Die Lehrenden beurteilen die Lernenden transparent gegenüber den Lernenden, den Kolleginnen und Kollegen, Erziehungsberechtigten oder anderen eingebundenen Kreisen. Sie können mit Kritik umgehen.
  • Mit andern Worten: Voraussetzung sind mündige Lernende und Lehrende, sind Schulleitungen, welche den Lernenden und Lehrenden das zutrauen (Empowerment).

Was ist mir positiv aufgefallen ?

  • Kompetenzen-orientiert, also den modernen Bildungsverordnungen und Lehrplänen entsprechend.
  • Lernjobs und Unterrichtsmaterialien stehen allen berechtigten Lehrenden für ihren Unterricht zur Verfügung.
  • Permanente Transparenz des Kompetenzenprofils (inklusive Noten und personale/soziale Kompetenzen) für Lernende, Fach- und Klassenlehrpersonen sowie Eltern (oder in der Berufsbildung eher Lehrfirmen). Filter können die Transparenz mit differenzierten Leserechten eingrenzen.
    Dieses Echtzeit-Tracking ist das, was z.B. Educanet2 fehlt.
  • Offene Kommunikation ist in der Plattform eingebaut.
  • Besonders geeignet für die Steuerung individualisierten Unterrichts. Lernende können an den zur Verfügung stehenden Lernjobs in den entsprechenden Zeitfenstern nach eigenem Plan arbeiten. Sie merken dann bald, wo sie sich an die Unterrichtslogik halten müssen und wo sie frei sind.
  • Lernjobs können mehrere Niveaux enthalten. Eine „Bestenförderung“ ist also gleich eingebaut. In einer kooperativen Sekundarschule können sich Lernende problemlos auf verschiedenen Niveaux bewegen, sofern das die Lehrenden zulassen.
  • Lehrende, die an mehreren Schulen mit dieser Plattform unterrichten, sehen auch alle ihre Schulumgebungen (nur 1 Login nötig).
  • Die Lernjobs enthalten immer Feedbackformulare und Bewertungsmöglichkeiten. So kann ein kontinuierlicher Qualitätsverbesserungsprozess ausgelöst werden (im Sinne von Best practice).
  • Oberfläche einfach gehalten, damit der Zugriff über Mobile phones problemlos ist.
  • User-Daten können über eine CSV-Schnittstelle übernommen werden. Einen automatisierten Abgleich bei Mutationen habe ich nicht gesehen.
  • Die Nutzungsgebühr von CHF 90 pro User und Jahr ist akzeptabel, allerdings nur wenn die Infrastruktur der Schule (Web-Zugang bzw. Web-taugliche Mobile-phones) vorhanden sind. Vielleicht könnte man auch etwas bei den Unterrichts-Printmedien abbauen.

Was ist mir negativ aufgefallen ?

  • Bietet kein DMS, diesen „Stall“ muss das Kollegium so oder so misten. Es können auch keine Tags aus bestehenden System ausgewertet werden.
  • Das Informationszentrum (personalisierter Desktop) beschränkt sich auf die Informationen aus der Schulplattform. Das Einbinden von externen Informationen ist nicht CMS-artig gelöst.
  • Andere Social Tools wie Blog und Wiki sind erst im Entwicklungsstadium.
  • Autoren-Module zur Erstellung von Lerninhalten fehlen. Es werden einfach bestehende Dateien in den Lernjobs verlinkt. Für die Arbeit mit Schulbüchern usw. können Lernpfade in den Lernjobs definiert werden.
  • Lehrer und andere User können nicht selber neue Gruppen bilden. Es gibt nur eine Administratoren-Rolle, die allerdings mehreren Personen zugewiesen werden kann.
  • Es sind sehr wenig Web-Tools vorhanden. Dieses Manko bedeutet auf der positiven Seite auch weniger Aufwand für Moderatoren und Administratoren.

Es gibt nur eine Schule, welche langjährige Erfahrung mit dem System hat und als Pilotschule fungierte: SIL, die Schule für individuelles Lernen.

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