Können statt nur Wissen

Referenz: Preckel, D. (2008) „Nicht nur Wissen, sondern Können!“
Netzwerk 08/1, S.44 – 46

Mit diesem Titel scheint der Autor wieder einmal den alten Graben zwischen Praxis und Theorie vertiefen zu wollen. Der Artikel geht allerdings differenzierter auf das Problem ein, dass Wissen nicht automatisch zu Handlungskompetenz führt.

Er kritisiert zu Recht, dass der Wissensaufbau schon nicht handlungsorientiert dargeboten wird, wenn der Stoff didaktisch geschickt in kleinen, gut verdaulichen, leicht überprüfbaren (und folgenlos vergessbaren) Häppchen kommt, die den Lernenden wenig Möglichkeiten bieten, Wissensaufbau als vollständige Handlung mit Plan-Do-Check-Act zu erleben. Nachher wir das Wissen nicht auf realitätsnahe komplexe Probleme angewendet, die mit konkreten Handlungssituationen wenig zu tun haben.

Als Wissensarbeiter wissen wir, dass Wissen nicht sich in gespeicherter Information erschöpft, sondern eben einen grossen Anteil an nicht als Information Vermittelbarem umfasst: Erfahrungen, Methoden, Umgang mit sozialen Netzwerken, Wissen über den Kontext der aufgenommen Informationen.   

Zurück zum Artikel von Preckel:
„Lernen ist kein Wissenstransport, sondern ein aktiver, konstruktiver, an Arbeitssituationen gebundener und sozialer Prozess“.

In der Berufsbildung wird meines Erachtens mit konstanter „Boshaftigkeit“ diesem Ansatz zuwenig Rechnung getragen, eine grosse Chance bei jeder neuen Bildungsverordnung vertan. Immer noch dominiert organisatorisch die Aufsplitterung in unvernetzte Fachgebiete in den Praxiskursen bzw. Fächern in der Berufsfachschule. In den Tests dominiert das Wiedergeben von Informationen aus dem Gedächtnis – selbst in den überbetrieblichen Kursen. Immerhin ist das Konzept der „Kompetenz-Nachweise“ in der Berufsbildung ein echter Lichtblick. Dass die Fiktion von der individuellen Leistung (im Gegensatz zur Teamleistung) zur Ideologie erhoben wird, ist allerdings nicht ein Problem der Bildung, sondern ein gesamtgesellschaftliches, das bis hinauf zu den wirtschaftsschädigenden Bonus-Systemen der Firmen reicht.

Der Autor erläutert darauf sechs Gestaltungsmerkmale eines kompetenzorientierten Unterrichts:
• authentische Handlungssituationen
• Coaching durch Lehrende
• soziales Lernen
• Einsatz von Werkzeugen und Methoden
• Reflexion ( P→D→C→A→)
• Übungsmöglichkeiten (genügend, anspruchsvolle)



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