Lean LAN

Quelle:
Rüddigkeit, Volker & Schlagbauer, Georg (2006)
„Das Lean-LAN – zeitgemässe Netzwerke in Schulen!“ auf der Lean-LAN-Website.

Die Autoren plädieren in ihrem Artikel dafür, Schul-Netzwerke Web-basiert aufzubauen und interne Netzwerke samt Server abzuschalten.

Begründungen (z.T. mit Ergänzungen von UV):

  1. Solche Schulnetzwerke wurden analog der Netzwerke von Unternehmen aufgebaut. Typisch ist in Unternehmen, dass eine kleine Gruppe von Administratoren dafür verantwortlich ist, die Funktionsfähigkeit des Netzes zur Erreichung der wirtschaftlichen Ziele des Unternehmens zu erhalten und auszubauen. Die User melden sich mit ID und Passwort an und erhalten dann Zugang zu einem auf ihren Job eingeschränkten Set von Möglichkeiten und Tools.
  2. In einem Bildungs-Umfeld stehen die Lehrpersonen irgendwo zwischen den IT-Administratoren und (bezüglich E-Learning) den End-Usern, den Lernenden. Die Lehrpersonen benötigen gewisse Administratorenrechte, um ihre pädagogischen Pflichten und Rechte wahrnehmen zu können, indem sie z.B. nachvollziehen wollen, was die Lernenden tun, den Lernenden gewisse Nutzungsmöglichkeiten gezielt zuteilen und wegnehmen müssen, usw.
  3. Die Benutzerverwaltung in Schulnetzwerken ist relativ aufwändig, weil die Fluktuation gross und die Zuteilung zu Benutzergruppen (Klassen, Lern-Gruppen, Kursen usw.) komplex und flexibel handhabbar sein sollen. Die Benutzerverwaltung kann von den Lehrpersonen dezentral wesentlich effizienter vorgenommen werden als von zentralen IT-Administratoren.
  4. Es wurden zahlreiche „pädagogische Oberflächen“ für konventionelle Server-basierte Netzwerke geschaffen, welche diese Anforderungen zumindest teilweise erfüllen. Der „Lehrerarbeitsplatz“ im Computerraum wurde so allerdigns zu einer Monsterschaltzentrale, welche die Lehrpersonen letzlich überforderte.
  5. Lernende sind zunehmend mit privaten mobilen Geräten ausgerüstet. Selbstverständlich wird der Anschluss an die Schulnetzwerke gefordert. Aus Sicherheits- und Kapazitätsgründen ist dies in der Regel nicht erwünscht, eine Einbindung als User aufgrund der Zahl der Lernenden kaum möglich.
  6. Lernplattformen wie educanet2 u.a. sind in der Regel Web-basiert, zahlreiche oft genutzte Applikationen für Recherche und Kommunikation ebenfalls. Stichwort Web 2.0
  7. Auch klassische Software-Applikationen wie Office-Applikationen oder einfache Bildbearbeitung werden als Internet-Applikationen benutzbar. Siehe auch intelligente USB-Sticks.
  8. Und last but not least: Lernende und Lehrende wollen dezentral und nicht nur im Schulhaus auf das Netzwerk zugreifen.

Wenn die Autoren von Lean LAN, also schlanken Netzwerken reden, meinen sie schlanke Strukturen, aber natürlich fette Übertragungskapazitäten und Internetzugänge. Das spezielle Thema „Drucken“ erwähnen die Autoren nicht, aber ich frage mich immer wieder, wie wichtig Hardcopies wirklich als Nachweise für erbrachte Leistungen sind. Auch die zeitgleiche Nutzung von Ressourcen (Videos oder Webhosts) kann trotz fettem Internetzugang zu Kapazitätsproblemen führen.

Als Speichermedien bauen die Autoren auf „intelligente“ USB-Sticks, welche nach dem U3-Standard auch Applikationen samt Viren-Scanner enthalten können (z.B. „portableapps“) , welche auf den Schul-PC“s keinerlei Spuren hinterlassen sollen und dürfen.

Organisatorisch müssen, wie das für die reinen Lernplattformen jetzt schon gilt, die Lehrpersonen die Administrationsaufgaben übernehmen (und dazu auch befähigt werden), während der „technische“ Administrator sich auf den Internetzugang und dessen Verteilung an der Schule konzentrieren kann. Inwiefern die Schule dennoch ein Intranet für Administration und Informationsaustausch benötigt, hängt von den Bedürfnissen und Strukturen ab, und ist meines Erachtens auch ein politischer Entscheid. Es dürfte kein Zufall sein, dass entwickelte Lernplattformen wie fronter auch dieses Segment abzudecken versuchen.

Wie auch immer, ein restriktive Handhabung des Computerzugangs an Schulen ist je länger schwieriger aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig wird auch immer deutlicher, dass der technischen Entwicklung die pädagogische Entwicklung vorangehen muss, z.B. als weitgefasste Medienpädagogik.

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