Leben und lernen mit den neuen Medien

Leben und lernen mit den neuen Medien

Ito, Mizuko (2008), Zusammenfassung seines Buchs „Living and Learning with new Media“, welches die Ergebnisse einer grösseren Studie (Zusammenarbeit von 28 Wissenschafter/innen) über die „Digitale Jugend“ enthält.

Jugendliche nutzen selbstverständlich die „social network“-Webapplikationen, You Tube und andere „Medien teilen“-Webseiten, Online-Spiele und all die Zusatz-Gadgets von neuen Mobil-Telephonen. Die Generation der besorgten Lehrpersonen und Eltern fragt sich, was das denn anderes sei als Zeitvertreib oder gar Zeitverschwendung.

Jugendliche finden diese Applikationen einfach wichtig. Sie ermöglichen ihnen, sich mit sozialen Normen auseinander zu setzen, Interessen zu finden und zu verfolgen, „technische“ Fertigkeiten zu entwickeln und mit verschiedenen Formen des Sich-ausdrückens zu experimentieren. Partizipation ist das Zauberwort.

Man kann grob zwei Aktivitätsbereiche unterscheiden, die sich natürlich auch überschneiden: Freundschaft und Interessen.

Diese Möglichkeiten sind nach den Untersuchungen von Ito & al. ein Teil ihrer Identitätsfindung in neuen Umgebungen für Kommunikation, Freundschaft, Spiel und Selbstdarstellung. Ihre soziale Welt dehnt sich aus, und es geschieht selbstorganisiertes Lernen.

Wichtig ist die Möglichkeit permanent „on“ zu sein. Die Pflege bestehender Beziehungen ist viel wichtiger als die Suche nach neuen. Die Antennen sind draussen, um zu erfahren, was die Freunde gerade tun.

Eine Minderheit sucht aktiv nach einer Erweiterung des „Horizonts“, neue Interessen und Gruppen zu finden. Ebenfalls eine Minderheit versucht kreativ mitzugestalten (kreatives Schreiben, Verarbeiten von Bildern und Videos usw.). Bei solchen Aktivitäten werden auch am ehesten ganz neue Beziehungen ausserhalb des bestehenden Freundschaftskreises geknüpft.

Ito und seine Kolleg(inn)en haben sich besonders auch mit dem selbstorganisierten Lernen in diesen Communities befasst. Auch wenn das mit Ausbildung im Sinne von Schule oder Berufsausbildung nicht identisch ist, könnten meiner Ansicht nach dennoch Hinweise aus den Aktivitätsmustern abgeleitet werden, was es denn für ein selbstbestimmtes Lernen in der formalen Ausbildung braucht. Das Lernpotenzial dieser Lernprozesse ist allerdings noch wenig erforscht.

  • Offenbar sind Jugendliche in den Web-Communities sehr bereit, ihre Meinungen und Produkte zu teilen. Rasches und ungeschminktes Feedback ist garantiert.
  • Versuch und Irrtum sind die Lernverfahren, nicht systematischer Aufbau nach Anweisung.
  • Jugendliche können als Lernziele so insbesondere Medienkompetenz und den Umgang mit Feedback (geben und nehmen) lernen.
  • Nebenbei entsteht auch eine dazu passende Sprachkompetenz, auch wenn diese nicht mit dem Duden und den Grammatikbüchern konform ist.
  • Die Jugendlichen lernen von Gleichaltrigen mit einer tieferen Lernbarriere als beim Lernen von Erwachsenen.
  • Die Jugendlichen betreiben forschendes Lernen, im Gegensatz zum vorbereiteten schulischen Lernen.
  • Wo das Lernen über Beziehungen mit Gleichaltrigen/Gleichgesinnten läuft, stören die Erwachsenen nur. Wo das Lernen mehr über die Sachebene läuft, sind Erwachsenen als Partner akzeptiert.

Das nicht formalisierte Lernen im Internet ist eine Ergänzung des schulischen Lernens, indem es befähigt, sich in der Gesellschaft ganz allgemein zurecht zu finden. Das setzt voraus, dass wir Bildung nicht nur als Vorbereitung auf Job und Karriere fassen , sondern als Vorbereitung für die Partizipation an allen gesellschaftlichen Prozessen.

4 Gedanken zu „Leben und lernen mit den neuen Medien

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