Notebooks als Personal Learning Environments – Ergebnisse eines Modellversuchs

Vortrag von Dr. Heike Schaumburg (Humboldt Universität Berlin) Video

an der Fachtagung „Personal Learning Environments in der Schule“ der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz in Arth-Goldau am 13. März 2009
(Notizen des Teilnehmers Urs zum Vortrag)

Projekt 1000mal1000 Notebooks (heisst heute mobiles lernen-21) in Niedersachsen.
Evaluationsstudie:

Wichtige Bedingungen für den Einsatz von Notebooks als PLE:

  • individuell
  • dezentral nutzbar
  • Zusammenstellung von Web 2.0-Tools
  • stehen auch ausserhalb des Unterrichts zur Verfügung

PLE-Notebooks müssen den Lernenden gehören, zumindest für die gesamte Ausbildungsperiode,
müssen frei konfigurierbar sein und frei für die private Nutzung auch ausserhalb des Schultags.

Projekt 1000mal1000 in Pilotschulen und -klassen der Sekundarstufen I und II:
Eltern müssen Notebooks (damals 2002 für 1000 €) kaufen; Die Schule muss Netz-Infrastruktur und Support z.Vfg. Stellen, auch die Peripheriegeräte.

Formuliert war auch ein pädagogischer Anspruch:

  • neue Lernkultur: problemorientiert, selbstgesteuert, kooperativ
  • Vermittlung von Medienkompetenz
  • Überwindung der „digital divide“

Evaluation durch Vergleich der Notebook-Klassen/Schulen mit Klassen, die mit einem konventionellen Computerraum arbeiten [Ein Vergleich mit Klassen, die praktisch ohne Computer arbeiten war von der Fragestellung her nicht sinnvoll, da es ja darum ging die Eignung von Notebooks als PLE zu evaluieren].
Untersucht wurden Schulorganisation und äussere Rahmenbedingungen, die Unterrichtsgestaltung durch die Lehrenden sowie Schülerkompetenzen in Deutsch, Mathe und Computerkenntnisse und schliesslich die ausserschulische Computernutzung.

Es gab einige interessante positive Veränderungen in den Netbookklassen. Aber insgesamt, d.h. absolut gesehen erscheint mir persönlich der Ertrag enttäuschend. Internetnutzung zur Informationsbeschaffung schaffte es in den Klassen mit Notebook-Lernenden als Spitzenreiter auf 1x wöchentlich im Durchschnitt. Die Streuung war riesig. Mein Fazit: Angesichts dieses bescheidenen Mehrwerts müsste ich als Elternteil (immerhin 1000 €) oder Steuerzahler laut aufheulen, der ich ja die zigtausend Euro für Schulnetze und Support zu bezahlen habe. 

Kritischer Faktor für die häufige Nutzung waren Technik und Support.
Wenn’s nicht klappte, sank die Nutzung sehr rasch und kein Zusatznutzen war sichtbar. Dabei war es auch sehr vorteilhaft, den Support und die Koordinationsaufgaben auf ein Team zu verteilen, statt in einer Hand zu konzentrieren.
Für die Betriebssicherheit der Notebooks erwies es sich als vorteilhaft, eine Partitionierung in „schule“ und „privat“ festzulegen. Der „Schulteil“ konnte dann im Notfall als Image von den Lehrpersonen relativ kurzfristig wieder aufgespielt werden, wenn die Lernenden das Betriebssysten und den Schulteil verbockt hatten.
Scheinbare Banalitäten wie genügend Steckdosen usw. im Klassenzimmer mussten ebenfalls kreativ gelöst werden.
Der Hardware-Support sollte mit Vorteil ausgelagert werden, z.B. an eine lokalen Computershop.

Offensichtlich war auch:
Nur ein Teil der Lehrpersonen veränderten ihre Unterrichtsgestaltung wirklich, ausser dass mehr individuelle Arbeitsphasen eingebaut wurden.
Obwohl die meisten Schulen ein Medienkonzept geplant hatten, wurde ein solches praktisch nirgends erarbeitet.
Die Lehrenden beklagten auch das Fehlen von geeigneten Weiterbildungsmöglichkeiten.
D.h., m.E. ging die Entwicklungsarbeit im Kollegium vergessen, um den oben erwähnten pädagogischen Anspruch zu erfüllen.

Es gab keine grossen Unterschiede, ob die Schulleitungen unbeteiligt, wohlwollend-passiv oder engagiert-unterstützend waren. Erst eine aktiv-durchsetzende Haltung (sprich Zwang) der Schulleitung bewegte etwas.

Die Frage aus dem Publikum nach Unterschieden in den schulischen Leistungen erhöhte die Spannung. Antwort von Heike Schaumburg: im grossen Ganzen keine Unterschiede: eine Verbesserung der Sprachkompetenz bei Lernenden aus bildungsfernen Familiensituationen; eine Verschlechterung beim Schreiben von Aufsätzen; keine Verbesserung beim Nutzen der Lernplattformen, Internet usw.
Also wieder die Frage nach dem Mehrwert der Mehrinvestition.

Aus allen genannten Erkenntnissen wurde klar (Zitat): Für die erfolgreiche Realisierung eines Notebook-Projekts werden neben materiellen auch umfangreiche personelle Ressourcen benötigt.

Kurzfassung der Ergebnisse der Evaluation


Ein Gedanke zu „Notebooks als Personal Learning Environments – Ergebnisse eines Modellversuchs

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