LMS auf dem Sterbebett

Learning Management-Systeme, vor allem die „geschlossenen“, d.h. nicht als Open source-Baukasten konzipierten, werden von Zeit zu Zeit für tot (oder nahtot) erklärt. Als Alternativen werden Web-basierte Systeme gepriesen, die einige Social software-Funktionalitätäten plus die Fähigkeit aufweisen, fast beliebig andere Applikationen zu integrieren.

Google Wave ist ein solches neues Produkt, welches das Ende aller LMS einläuten soll. Im Prinzip ist E-Learning nicht das Zielobjekt von Google Wave. Vielmehr lädt seine Funktionalität dazu ein, es in einer E-Learning-Umgebung zu verwenden. Weiterlesen

Wissensbilanzierung

Gedanken und Notizen bei der Lektüre der folgenden Dokumentation:

Alwert, K., Bornemann, M. & Will, M. (2008), „Wissensbilanz – Made in Germany“, Dokumentation Nr. 574 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.

Bedeutung der Wissensbilanzierung

Die Bilanzierung des Wissens, oder intellektuellen Kapitals wie es auch genannt wird, wird zu einem wichtigen Instrument der Steuerung einer wissensbasierten Unternehmung. Finanzielle und andere materielle Bilanzen sind zwar ein Gradmesser für die finanzielle Situation und Perspektive, aber eben nicht mehr als das.

Wie können Wissen, Erfahrung und Kreativität der Mitarbeitenden, Prozessqualität, geistiges Eigentum, Kundenbeziehungen usw. bilanziert werden, um im Management Review die richtige Strategie für die Zukunft zu finden ?

Für KMUs, die Kredite oder allgemein Fremdkapital benötigen, kann es angesichts der immer restriktiveren Vergabepolitik der Banken entscheidend sein, neben den vielleicht bescheidenen finanziellen Bilanzen ihre immateriellen Werte vorlegen zu können. Und wer weiss, vielleicht lernen das sogar die Börsenanalysten. Weiterlesen

Nachhaltigkeit

Referenz:
Werbach, Adam (2009): „When sustainability means more than ‚green‘ „, McKinsey Quarterly, July 2009.

Werbach ist CEO der „Nachhaltigkeits“-Abteilung von Saatchi & Saatchi. Er berät Unternehmen für deren Nachhaltigkeits-Strategie.


Grünwaschen

Werbach stellt fest, dass viele Unternehmen ihre Hauptanstrengung darauf konzentrieren, über ihre „grünen Anstrengungen“ zu berichten. Die Taten auf dem Feld der Nachhaltigkeit kommen hingegen zu kurz.


Werbach formuliert anschliessend, was Nachhaltigkeit bedeutet:

Komponenten der Nachhaltigkeit

  • Soziales
    Die Tätigkeit eines Unternehmens richtet sich auf die Lebensbedingungen der gesamten Menschheit:
    also gegen Armut und Ungerechtigkeit, gegen Gewalt,
    für Bildung, für Gesundheit und für Menschenrechte.
  • Ökonomie
    Die Bedürfnisse aller Stakeholder werden berücksichtigt: Nahrung, Wasser, Bildung, Sicherheit, Wohlbefinden;
    und im Falle einer profitorientierten Unternehmung: Profit.
  • Umwelt
    Schutz der Erde, Wiederherstellung von zerstörter Umwelt.
    Stichworte: Klima und natürliche Ressourcen schützen, Abfall verhindern usw.
  • Kultur
    Schutz der kulturellen Vielfalt; Wertschätzung der unterschiedlichen Formen, mit denen Gemeinschaften sich identifizieren und Traditionen weitergeben.
  • Diese vier Komponenten sind gleichrangig. Ein Unternehmen muss sie gleichwertig in seine Strategie einbauen und balancieren.

Werbach berichtet über 2 Unternehmungen aus dem Bereich „Haushaltsprodukte“, von denen eine sogar soweit ging, Händler (also Kunden !) zu boykottieren, welche nicht bereit waren, ihre Tätigkeit auf Nachhaltigkeit auszurichten.


Lernplattformen

Ich habe eine Tabelle mit Lernplattformen eröffnet.

Jederfrau und jedermann sind eingeladen, die Tabelle zu ergänzen und zu korrigieren.

Bedingung: E-Mail-Adresse angeben. Im Zweifelsfall schlägt mein Zensurhammer zu.

Falls beim Anclicken des Links zuerst die Google-Begrüssungsseite mit einer Aufforderung zum Einloggen erscheint, einfach noch einmal den Link anclicken. Für das Lesen und Bearbeiten der Tabelle sind weder ein Einloggen noch ein Google-Konto erforderlich.

Zur Tabelle >>.


Wissen bewahren

Referenz: Schütt, Peter (2009), „Erfahrung sichern: Vom Dokumenten- zum Wissensmanagement„, in Wissensmanagement 2009/03, S. 39-41.

Wo steckt das wichtige Wissen? In den Köpfen der Mitarbeitenden!

Wie kann dieses stille Wissen bewahrt werden?

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Zuvielisationskrankheit

Die vielbeklagte Informationsflut stellt uns immer wieder vor die Frage:

Was muss ich denn wirklich wissen ?

Und: Was muss festgehalten werden ?

Matthias Morgenroth hat sich aus einer allgemein gesellschaftlichen Optik mit dem Thema befasst und mich zu weiteren Gedanken angeregt.

Referenz:
Morgenroth, M. (2009), „Hunger“, Publik-Forum 2009/08, vom 24.04.09, p. 52-55.

Wir leiden unter nicht einfach unter dem Wohlstand sondern unter dem „Zuviel des Guten“. Der Autor schreibt nicht gegen das „Es sich gut gehen lassen“, sondern gegen das „Zuviel“. Worauf ja dann prompt die Klage folgt: „Ich schaff’ es nicht !“

Wo treffen wir die Zuvielisationskrankheit an ?

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Machen und Wissen

Es gibt eine kreisförmige Wechselbeziehung zwischen Machen und Erkennen. Wenn man nicht macht was man als notwendig, wenn auch mit persönlichen Unannehmlichkeiten behaftet, erkannt hat, dann kann man irgendwann auch nicht mehr erkennen, was zu machen ist.

Horst-Eberhard Richter (1923-)

Licht in die Dämmerung

Referenzen:

Schumacher, M. (08.07.2009), “ Unternehmenswissen – Ontologien bringen Licht ins Dunkel“

Namics GmbH (23.06.2009), „Enterprise-Search-Studie: Unternehmen verschenken enormes Sparpotenzial“

Unternehmen, die Produkte fürs Wissensmanagement anbieten, machen immer wieder ‚mal Umfragen und Studien, um den Markt abzuklopfen.

Die Ergebnisse sind schon bedenkenswert:

  • Ein/e Wissensarbeiter/in in einem wissensintensiven Unternehmen produziert rund 3 Gb Daten (in irgendeiner Form) pro Jahr.
  • Rund 30% ihrer/seiner Arbeitszeit verwendet sie/er auf der Suche nach Informationen auf den internen Servern. Rechne!

Enterprise Search – Lösungen lösen dieses Problem zwar nicht, verhelfen aber, so die Hoffnung (auch meine), zu einer effizienteren Bewältigung der hausgemachten Informationsflut an explizitem Wissen.

E-Learning Standards für Schulleitungen

ISTEISTE (International Society for Technology in Education) publiziert Standards für die Nutzung von Technologien in Bildungsin-stitutionen, primär für die Verwendung in den USA.

Unter anderem auch für Schulleitungen. Ich fasse diese im Folgenden zusammen. Es handelt sich aber nicht um eine wörtliche Übersetzung. Im Zweifelsfalle ist das englische Original das einzig Gültige!

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Tod des Geheimtipps

In Neon 2009/07 beklagt die Redaktion in einem Nachruf den Tod des Geheimtipps.

Wir alle kennen auf unseren Reisedestinationen irgendwo einen Geheimtipp, ein unscheinbare Beiz, ein Goldgruben-Shop, ein garantiert leerer Strand usw. Wir verrieten diese Geheimtipps allenfalls mündlich unseren besten Freunden.

Seit Anbruch der Handy-Zeit waren die Geheimtipps gefährdet, weil man im nu alle seine Freunde dort zusammenrufen konnte.

Jetzt aber, wo Blogs und Twitter aus allen Ecken der Welt über Mobile Internet überall abgerufen werden, gibt es keine Geheimnisse mehr.

Traurig legen wir uns an den Strand, den wir ohne Handy nie gefunden hätten.

Florida Virtual School

Als Scott McLeod, J.D., Ph.D., Professor an der Iowa State University und Koordinator des Educational Administration Program, zu einem Interview mit der Geschäftsführerin Julie Young der Florida Virtual School (FLVS)  ging, wurde er nicht im Direktionsbüro und nicht im Sitzungszimmer, auch nicht im virtuellen Raum erwartet, sondern in einem Hotelzimmer, in welchem ein Kommen und Gehen war (Mitarbeiter von Julie Young ? andere Interviewer ? Lehrpersonen ? Lernende ?).

Florida Virtual School ist seit 1997 eine öffentliche High School (also bis 12. Schuljahr), komplett auf virtueller Basis
(immerhin die Menschen sind echt: Lernende, wie auch die Ersteller/innen von Lernmaterialien und die Leute von der Schulleitung/Administration). Für Bürger/innen des Staates Florida ist die Nutzung des Lernangebots gratis, Auswärtige müssen zahlen. Mittlerweile gibt es auch ein Angebot für die Mittelstufe (bis 8. Schuljahr). Die zertifizierten Abschlüsse sind natürlich anerkannt.

Die meisten Lernenden belegen nur einzelne Fächer, die sie z.B. aus irgendwelchen Gründen „verpasst“ haben und so nachholen können. Andere Lernende sind aus diversen Gründen auf „Zuhause lernen“ angewiesen. Einige (natürlich positive) Schülerkommentare >>hier.

Lerneinheiten werden mit Vorliebe in Multimediapakete verpackt, die wie Videogames funktionieren. Die FLVS nennt z.B. ihren Geschichts-Lehrgang  „Conspiracy Code„. Andere Lernmaterialien gibt es natürlich auch noch. Unterdessen ist die Lizenzierung von Software und Lerneinheiten zu einem Zusatzerwerb der Schule geworden.

Die meisten Schul-Webseiten zeigen irgendwie das Schulgebäude, von Aussen oder von Innen. Das kann die FLVS nicht bieten. Der Einstieg auf der Webseite ist bildmässig eher unattraktiv. Eine (leider beliebte) tödliche Flash-Animation habe ich aber auch nicht vermisst. Immerhin und eigentlich logisch für eine Schule werden einige begeisterte Lernende gezeigt.