SM – KM – Krieg

Nein, keine neue Perversion im Internet, sondern der Versuch von Venkatesh Rao zu begründen, weshalb die Heirat des alten Wissensmanagements mit den Social Media-Teenies nicht recht klappen will.

Für das Verständnis der Analyse von Rao ist vorweg seine „Generationensoziologie“ zu beachten (siehe »).

Der Titel des Original-Artikels von Rao lautet „Social Media vs. Knowledge Management: A Generational War“, publiziert auf dem Enterprise 2.0 Blog.

Rao stellt fest, dass zurzeit noch die Boomers an den Machthebeln der Wirtschaft sitzen, wobei sie allmählich durch die Generation X abgelöst werden.

Wissensmanagement ist ein Kind der Boomer-Generation und als solches tendenziell kopflastig und Werte-orientiert. Klassisches WM ist deshalb immer top-down gedacht und aufgegleist. Experten müssen’s richten und die Software ist eine „Hammer-Alles-in-1″-Lösung. Wissens-Bewahrung ist ein zentrales (konservatives) Anliegen der abtretenden Boomer-Generation.  

Die Generation X, zu welcher sich der Autor Rao selber auch zählt, hat vor allen die Technologie entwickelt, das Internet aufgebaut. Auch Wikipedia ist noch ein Ausläufer davon, weil es darum geht, ganz pragmatisch „die Welt zu verstehen“. Die soziale Komponente ist aber schon stark geworden.

Die Millenniums-Generation will in erster Linie kommunizieren und kreieren. Facebook, Blogs und andere Social Media ermöglichen es Ihnen, „alles“ zu konstruieren. Dafür braucht es keine perfekten, strategisch durchdachten Systeme, kein umfassendes Verständnis der Welt (das ergibt sich dann schon irgendwie) und keine Ideologie.

Um den Unterschied der Generationen zu Charakterisieren sagt Rao:

„Boomers drücken sich mit Worten aus,
X’ers mit Zahlen,
Millenials mit Aktionen.“

Der Autor schliesst aus der Analyse, dass Wissensmanagement vom Konzept her eine Idee der Boomers und deshalb vorbei ist. Die Begeisterung für Social Media ist im WM nur aufgesetzt. Es macht deshalb keinen Sinn, im Wissensmanagement noch viel zu investieren, weil die Millenials das sowieso nicht mehr weiterführen. Oder, meine Vermutung, WM in ihrer Form weiterführen.

Rao spricht auch die technologischen Schlachtfelder an:

  • Expertensysteme sind eine Idee der Boomers und im Widerspruch zur Denkweise der Millenials.
  • Das klassische Usenet ist nicht nur historisch gesehen eine Boomer-Idee. Im Prinzip sind auch die personell und thematisch fokussierten Blogs nur eine Fortsetzung davon (Das gilt wohl auch für diesen Blog hier, dessen Autor ein Boomer ist).
  • RSS ist eine typische Generation X – Technik: Wie gehen wir pragmatisch mit der Vielfalt und Komplexität um!
  • Selbst das Neuste, das „Semantic Web“ ist Schnee von gestern, weil auch hier Experten mit Hilfe eines eingeschränkten Satzes von Begriffen versuchen, Hirnfutter zu produzieren.

Noch eine Umschreibung von Rao’s Charakterisierungen:

Millenials vertrauen auf die Werte und Ideen der Generationen nach ihnen.
Die Generation X vertraut noch auf die Werte und Ideen der Generation vor ihnen.

Man sich lebhaft vorstellen, dass Rao eine Diskussion im Net auslöste, die immer noch mit alles Schärfe geführt wird!


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