Soft Factors im Wissensmanagement

Referenz: Specht, R. (2007): „Soft Factors“, p. 31-34.
in: Belliger, A. & Krieger, D. (2007) „Wissensmanagement für KMU“, vdf Zürich.

Specht stellt seine Unterscheidung von Information und Wissen dar. Jeder Autor tut das und ich finde es mittlerweile nicht mehr ermüdend und redundant. So entsteht nämlich genau das, was Specht weiter unten als intersubjektives Wissen bezeichnet, also eine Art Objektivierung subjektiven Wissens. Für mich ist dieser Gedanke des intersubjektiven Wissens sozusagen die philosophische Theorie und Voraussetzung für Web 2.0.

Information entsteht nach Specht dann, wenn Rohdaten zugeordnet, kategorisiert, zu Mustern verbunden werden. Information ist die „höchste“ Form von gespeichertem, dokumentiertem Wissen. Der Begriff „explizites Wissen“ bezeichnet dasselbe.

Wissen wird aufgebaut, wenn Informationen in ihren relevanten Kontext gesetzt und als Basis für Ideenentwicklung, Entscheide und Handlungen verwendet werden. Eigentliches Wissens ist immer personengebunden, nur implizit vorhanden und nur beschränkt explizierbar. In diesem Wissen enthalten sind u.a.

  • Wirklichkeitskonstrukte
  • Denkstrukturen
  • Glaubenssätze
  • Intuitives Wissen

Specht geht offenbar davon aus, dass es eine objektive Wirklichkeit gibt. Der Autor sagt das zwar nirgends, aber dieser Glaubenssatz gehört wohl zu seinem Wissen, das er implizit beim Leser voraussetzt.

Auch wenn ich die Existenz einer objektiven Wirklichkeit in unserer physischen Welt bezweifle – für das Wissensmanagement ist es unerheblich, da Wissen immer ein Konstrukt ist.

Wichtig ist, dass durch das Zusammenwirken von Mitarbeitenden einer Organisation (oder von Produsern im Web) ein intersubjektives Wissens aufgebaut wird. Dieses intersubjektive Wissen ist stark von der Zusammensetzung der betreffenden Wissenscommunity und der Interaktion zwischen deren Mitgliedern abhängig.
So entsteht zum Beispiel aus derselben Prozessbeschreibung in jedem Bereich der Organisation ein unterschiedliches, aber intersubjektiv gültiges Prozessverständnis – stöhnte der Qualitätsleiter.

Aus Spechts’s Darlegungen zum Thema „subjektive Wahrnehmung“ muss ich ferner folgern, dass Wissen nicht nur mehr ist als Information (mehr als die Summe der Teile, wie man immer sagt) sondern gleichzeitig auch weniger, weil der Wissensaufbau sehr selektiv mit den Informationen umgeht (und umgehen muss).
Diese Selektion ist bedingt durch den Standort, den Blickwinkel, vorgeschaltete Filter und die Eindringtiefe in die Mehrdimensionalität. Ich versetzte mich in einen Astronauten:

  • Ist meine Raumkapsel geostationär, sehe ich also immer nur dieselbe Stelle der Erde ?
  • Verfüge ich über ein Teleskop oder sehe ich alles im Weitwinkel ?
  • Habe ich eine rosarote Schutzbrille auf ?
  • Sehe ich nur die Oberfläche oder dringt mein Blick tiefer in die Erdsphäre ? Vielleicht bin ich so weit weg, dass die Erde sowieso nur als Scheibe sehe.

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