Abschied vom E-Learning?

Referenz: Fogolin, A., Hahne, K. & Zinke, G. (2005)
Artikel mit obigen Titel auf der Website des Bundesinstituts für Berufsbildung (URN: 0035-0138-0)

Vor 3½ Jahren provozierten Angela Fogolin und ihre Kollegen die deutsche E-Learning-Gemeinde mit einem Artikel, der mit dem Ausdruck „E-Learning-Hysterie“ auf der 1. Zeile begann. Ihr Artikel wollte aber eigentlich das Potenzial von E-Learning in der Berufsbildung herausstreichen. Einige wichtige Gedanken aus diesem Pamphlet:

  • Der Bedarf besteht nach Arbeitsplatz- und Arbeitsprozess-nahen Angeboten, nicht nach neuen Informatikräumen in der Schule.
  • Lern-Infrastrukturen müssen Web-gestützt sein, damit die Vernetzung des formalen Lernens mit dem Angebot im Internet möglich wird.
  • Als Informationsquelle für technische Berufe werden die Tutorials und Anwenderberichte der Hersteller von Geräten und Zwischenprodukten hervorgehoben.
  • Daneben bleiben die strukturierten Lernplattformen für das formale Lernen natürlich wichtig.
  • Als drittes Element werden die Online-Communities erwähnt.
  • Ein Handlungsbedarf besteht insbesondere auf das Lernen (Wissensmanagement) in KMU.

Bemerkung: Heute würden die Autoren vermutlich die Online-Communities als Lernumgebung stärker hervorheben. Insbesondere lebt der Aufbau von Erfahrungswissen in Unternehmen von diesen Communities mehr als von formalem Lernen.

Ist das Moderieren von Online-Communities ein neues Geschäftsfeld für Weiterbildungs-Anbieter?


Von Perlen und Warnleuchten

Referenz: Burkhard, T. (2008), KMU-Magazin 2008/3, S.18-21: “Die versteckten Perlen und roten Ampeln im Unternehmen entdecken”

Der Autor stellt ein Diagnose-Verfahren vor, das an EFQM erinnert, um den Managern eines KMU einen Gesamtblick ins Unternehmen zu ermöglichen, ohne “Störung” durch das Tagesgeschäft. Die Auswertung der Resultate ermöglicht strategiebasierte Entscheide (der Autor vermeidet zwar mit Rücksicht auf das KMU-Denken das Reiz-Wort Strategie). Die Selbstbewertung (ggf. gecoacht durch Externe) soll eine Analyse verschiedener Dimensionen ermöglichen, um Stärken, Verbesserungs-Potenziale und kritische Schwächen aufzudecken. Die folgende Grafik habe ich dem Artikel entnommen:

Analysedimensionen  (Quelle: KMU-Magazin 2008/3, S.19)

Analysedimensionen (Quelle: KMU-Magazin 2008/3, S.19)

Wissensarbeiter/innen

Referenz: Belliger, A. & Krieger, D. (2007), „Wissensmanagement für KMU“,
Seiten 9-29 im gleichnamigen Buch, erschienen im vdf Hochschulverlag Zürich.

Wissen ist zum wichtigsten Produktions- und Wettbewerbsfaktor geworden.

Wenn das allgemein gilt, wie viel mehr gilt es für eine Bildungsinstitution !

 

Wissensarbeiter/innen sind in der Regel

  • hoch formal qualifiziert.
  • spezialisiert.
  • mobil im Bezug auf Arbeitsplatz und Arbeitszeit.
  • anspruchsvoll im Bezug auf Selbstbestimmung.
  • motiviert, innovativ und krativ zu wirken.

Zur Illustration meine eigene Erfahrung: Als Berufsfachschullehrer war ich

  • formal zu hoch qualifiziert, was bis zur Ablehnung durch Kolleg(inn)en anderer Berufsschulen (zum Glück nicht der eigenen) führte.
  • trotz meines breiten Fächerspektrums sehr spezialisiert, nämlich auf die Vermittlung von Naturwissenschaften und Informatikkenntnissen und die entsprechenden Methoden des Wissensaufbaus an Berufslernende. Damit war ich insbesondere nicht tel quel qualifiziert für die Vermittlung naturwissenschaftlicher Inhalte an Hochschulen, Arbeit in der industriellen Forschung, Entwicklung und Produktion, Führungs- und Managementaufgaben.
  • für solche Aufgaben eben auf den Wissenstransfer der betreffenden Spezialisten angewiesen, ohne natürlich je ein Experte zu werden.
  • trotz eines netten Büroplatzes in der Institution auf das Arbeiten in unterschiedlichen Spezialräumen und zuhause angewiesen, und das weiss Gott nicht nur zu „Bürozeiten“.
  • wie die meisten Lehrpersonen vom Berufsverständnis her darauf erpicht, selbstbestimmt und kreativ in einem Umfeld mit guter Fehlerkultur handeln zu können.

Konsequenzen für das Nutzen von Informationsquellen und den Wissensaustausch:

  • Ich muss als Wissensarbeiter Informationsquellen effektiv nutzen können (können = befähigt sein).
  • Ich muss als Wissensarbeiter „überall“ und „jederzeit“ Informationsquellen nutzen können (können = die Möglichkeit haben).

Social Software nutzen.

Klaus Tochtermann und Gisela Granitzer (Technische Uni und Know-Center Graz) fassen in ihrem Artikel „Wie Unternehmen Social Software am besten nutzen“ einige Möglichkeiten zusammen, wie mit Web 2.0-Tools Informationsmanagement und Wissensaus- tausch/aufbau unterstützt werden können.

Die präsentierten Gedanken im Grosskonzern-Rahmen lassen sich m.E auch in KMU in angepasster Form anwenden. Anstelle teurer integrierter Software-Monster, für welche die Autoren denn auch gar keine Reklame machen, könnten Open source -Tools eingesetzt werden. Beim Lesen des Artikels muss wie üblich gelegentlich das Wort „Wissen“ durch „Information“ ersetzt werden, damit es Sinn macht.
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Wikis als eierlegende Wollmilchsau für KMU

Am Beispiel einer KMU-grossen Software-Firma plädiert der Autor Peter Rubarth unter dem Titel „Keep It Simple, Stupid (KISS) – Leichtgewichtiges WM mit Wikis“ für die Verwendung von Wikis als universelles WM-Tool.

Begründungen (Stichwort: „Mit Kanonen auf Spatzen schiessen“):

  • Obwohl das Management des KMU Wissensmanagement unterstützt, fehlen dafür die Resourcen, vor allem die personellen. Die resultierenden „Nebenbei“-Lösungen scheitern in der Regel.
  • Der Aufwand (Konzept, Auswahl, Installation, Betreuung) für eine ausgeklügelte WM-Software-Lösung steht tatsächlich in keinem Verhältnis zum Nutzen.
  • Nutzer/innen werden durch den Funktionsumfang der komplexen Software abgeschreckt.

Lösung (Stichwort: „Von der Mondrakete zum Fahrrad“):
Ein Wiki-System (im konkreten Fall: Mediawiki) mit

  • geringem Installationsaufwand
  • niederer Schwelle für Nutzer/innen
  • Weiterentwicklung ohne Stabilitätsprobleme
  • einfache Administration

Kompromisse (aus Erfahrungen):

  • Nutzer wollen eine gewisse hierarchische Strukturierung; „nur“ flache Hypertext-Strukturierung ist zu fremd.
  • Verwendete Stichworte, Strukturierungsbegriffe und Titel müssen sauber und verwechslungsarm definiert und einheitlich eingesetzt werden. Dazu empfiehlt der Autor die ebenfalls KISS-konforme „Card Sorting“-Methode.
  • Weil Mediawiki keine Artikel-bezogene Zugriffsverwaltung besitzt, müssen für Gruppen, die sich nicht in die Karten blicken lassen wollen, separate Wikis eingerichtet werden.
  • Der Zeitaufwand für die Aufrechterhaltung der Aktualität ist da.