»Salaam Mullah«, riefen Freunde Mullah Nasrudins im Teehaus, »hast du schon mal ein soo dickes Buch gesehen ? Da steht alles Wissen der Welt drin !« Und sie schwenkten ein wirklich beeindruckendes Werk.

Nasrudin warf einen Blick darauf und sagte: »Na klar, und nicht nur gesehen. Ich besitze es selbst und weiss auch, was es enthält.«

Beeindruckt spendierten die Gäste dem offensichtlich hochgebildeten Mullah ein opulentes Nachtessen.

Am Schluss fragte einer der Gäste schüchtern, was denn nun das Buch überhaupt enthalte.

»Drei gepresste Blumen und einen Brief meines Freundes Omar.«

Nacherzählt aus zwei “Nasruddin”-Bändchen.

Referenz: Specht, R. (2007): „Soft Factors”, p. 31-34.
in: Belliger, A. & Krieger, D. (2007) „Wissensmanagement für KMU”, vdf Zürich.

Specht stellt seine Unterscheidung von Information und Wissen dar. Jeder Autor tut das und ich finde es mittlerweile nicht mehr ermüdend und redundant. So entsteht nämlich genau das, was Specht weiter unten als intersubjektives Wissen bezeichnet, also eine Art Objektivierung subjektiven Wissens. Für mich ist dieser Gedanke des intersubjektiven Wissens sozusagen die philosophische Theorie und Voraussetzung für Web 2.0.

Information entsteht nach Specht dann, wenn Rohdaten zugeordnet, kategorisiert, zu Mustern verbunden werden. Information ist die „höchste” Form von gespeichertem, dokumentiertem Wissen. Der Begriff „explizites Wissen” bezeichnet dasselbe.

Wissen wird aufgebaut, wenn Informationen in ihren relevanten Kontext gesetzt und als Basis für Ideenentwicklung, Entscheide und Handlungen verwendet werden. Eigentliches Wissens ist immer personengebunden, nur implizit vorhanden und nur beschränkt explizierbar. In diesem Wissen enthalten sind u.a.

  • Wirklichkeitskonstrukte
  • Denkstrukturen
  • Glaubenssätze
  • Intuitives Wissen

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Erfahrung und Wissen

Willst du etwas wissen,
so frage einen Erfahrenen und keinen Gelehrten

 

Chinesisches Sprichwort

gefunden auf “projektgeschichten” (Storytelling und Geschichten für Menschen und Unternehmen), ein Blog von Sigrid Hauer.

Im Prinzip beinhaltet die “Web 2.0″-Idee die Demokratisierung des Wissens.

  • Es ist nicht nur jedem Menschen mit Internet-Anschluss zugänglich (das ist vorerst noch eine Minderheit der Menschheit aber in unseren Breitengraden wohl bereits eine Mehrheit),
  • sondern jeder Mensch kann auch einen Beitrag zu einer wissensfördernden Informationsplattform liefern.

Wenn dabei die Umwandlung von implizitem Wissen in explizites Wissen, sprich handhabbare Information gelingt, wird Wissen zum Gemeingut.

Geradezu ein philosophisches Schaudern packt mich beim Gedanken, dass die Community gewissermassen auch darüber abstimmt, was wahr ist und was nicht. Die alte Naturwissenschafter-Theorie besagt, dass eine Hypothese oder ein Theoriekonstrukt solange als richtig gilt, bis sie jemand falsifiziert. Im Prinzip läuft das im Web 2.0 genauso.

Wir sind alle Experten.

Die Demokratisierung des Wissens als Allgemeingut scheint eigentlich dem Phänomen der zunehmenden Spezialisierung zu Super-Experten zu wider zu laufen. Im Prinzip wird klar, dass nur das gemeinsame Aufbauen und Teilen von Wissen uns genügend “expert” macht, um die komplexen realen Probleme anpacken zu können. Die schmählich beiseite geräumte Interdisziplinarität, eine Forderung der 70er-Jahre, kommt unter geänderten Vorzeichen zu einer Renaissence.

In einem Artikel “Das Ende von Wissen am Fliessband”, wie in der Branche üblich eine Marketing-Initiative, schwankend zwischen Sachinformation und Reklame, legen die Autoren W. Buhse und A. Dornis zu recht den Finger auf die folgende Erfahrung.

“Bis 2006 konzentrierte sich das Wissensmanagement bei MLP auf die Darstellung der Inhalte und den Kontext ausgewählter, größtenteils isolierter Informationssysteme in Form unterschiedlichster Datenbanken sowie auf ein uneinheitliches Dokumentenmanagement in File-Shares. Informations- und Wissensmanagement bestand im Wesentlichen aus “Push & Pull”, d.h. die zentrale Einheit entschied darüber, was den Intranet-Nutzern als Information aktiv zugeführt wird bzw. welche Wissensfelder passiv (zum Abruf) bereitgestellt werden. Mangels direkter Interaktion zwischen Sender und Empfänger entwickelten die Fachautoren oft Inhalte am Bedarf vorbei. Den Anwendern wurden dadurch Informationen “wie am Fließband” präsentiert, ohne ihnen die Möglichkeit zu geben, die Inhalte mitzugestalten.”

Mit einer integrierten Lösung für Wissensmanagement versucht die Firma MLP Finanzdienstleistungen AG den genannten Problemkreis zu verbessern und vor allem möglichst viel “frisches Wissen” (gemeint ist natürlich “frische Information” zur erweiterung des Wissens der Mitarbeitenden) bereit zu stellen.

Da bin ich auf einen Artikel von Beate Bruns gestossen “Von der Paradoxie, Wissen zu managen“. Diskussion hier >>>

Beate Bruns setzt sich kritisch mit dem Begriff “Wissen managen” auseinander. Ihre Kritik kommt für einmal aus einem anderen Blickwinkel als üblich: Beate Bruns kritisiert nicht die Verwendung des Begriffs Wissensmanagement, der so wie er oft verwendet wird, besser Informationsmanagement heissen würde (siehe z.B. meine Kommentare zu Artikeln von Wilson, Miller oder Roell).
Über den Umweg einer Betrachtung zum Wahrheitsgehalt von Wissen und der praktischen Nichtexistenz von Wissen in unserem (beruflichen) Alltag kommt Beate Bruns zu einer Definition des Wissensmanagements, als Prozess, der in Richtung Wissen führt.  Read the rest of this entry »

Im folgenden eine Zwischenbilanz meiner Gedankengänge nach diverser Lektüre und Gesprächen ohne weitere Quellenangaben:

Wissen

Wissenstreppe nach North (2002)

Wissenstreppe nach North (2002, Wissensorientierte Unternehmensführung)

  • Aus der Sicht des einfachen Wissensmanagements sind vor allem die beiden Begriffe Information und Wissen im Zentrum, d.h. wie kann die Entstehung von Wissen aus Informationen unterstützt und wie kann Wissen ausgetauscht, und effektiv als Information gespeichert werden.
  • Die HR-Sicht zielt auf die Kompetenz der einzelnen Mitarbeitenden.
  • Die Strategie-Sicht ist die Blickrichtung des oberen Pfeils, d.h. was brauchen wir, um wettbewerbsfähig zu werden oder bleiben.

Wissensmanagement auf Ebene Organisation

Es wird nicht einfacher …., auch wenn “Einfacher werden” ein wichtiges Management-Prinzip ist.

Deshalb wird die Kommunikation und Koordination in einem dezentral organisierten und auf Selbstverantwortung aufgebauten Unternehmen immer wichtiger. Wir könnten “Kommunikation und Koordination” in “Wissen aufbauen und im Unternehmen teilen” übersetzen.

Für die Geschäftsleitung ergeben sich daraus u.a. die folgenden Aufgaben (strategisch, operativ):

  • Definieren der wichtigen Kompetenzen für das Erreichen der Unternehmensziele im Rahmen der Vision.
  • Schaffen einer Kultur, in welcher alle Mitarbeitenden das Aufbauen und Teilen von Wissen (Best Practices, kollegiale Beratung usw.) als ihren persönlichen Beitrag zum Erfolg des Unternehmens sehen.
  • Schaffen einer Kultur, in welcher flache Hierarchien, organisierte Projektteams, aber auch aus Interesse sich bildende Arbeitsgemeinschaften (wie z.B. Lehrpersonen in einer Fachgruppe oder Lehrpersonen mit Interesse am Thema “Heterogenität”) in einem Klima des Vertrauens arbeiten können.
  • Zur Verfügung stellen von intuitiv und jederzeit nutzbaren Werkzeugen für den Informationsaustausch, um den Aufbau und das Teilen von Wissen zu unterstützen. Dazu gehören neben den ICT (Social Software; Motto: jederzeit und dezentral) auch “physische Begegnungsgefässe” (zur gegenseitigen Motivation und Senkung der “Missverständnisquote”).
  • Verknüpfen der Wissensmanagement-Aktivitäten mit der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden.
  • Fördern des Lernens aus Nonkonformitäten (Fehlern, Kundenreklamationen usw.) durch Aufbau von entsprechenden Wissensbasen (“Nicht immer dieselben Fehler machen”).
  • Förderen des persönlichen Wissensmanagements aller Mitarbeitenden, insbesondere der “Wissensarbeiter”, die in einer Bildungsinstitution die Mehrheit und Träger der Kernprozesse bilden.
  • Definieren des Überwachungsprozesses für die Aktualität der Einträge in den “Wissensdatenbanken” (z.B. in Wikis und Blogs). 
  • Definieren des Datenschutzes und des “Wissensrisiken-Managements”.
  • Falls nicht bereits durch andere Leitbilder abgedeckt: Wissensleitbild formulieren und operativ umsetzen.
  • Sichern, Weiterentwickeln und Teilen des Wissens über zentrale Geschäftsprozesse wie Strategieentwicklung, Marketing und Kundenbeziehungen, die häufig in der Geschäftsleitung konzentriert sind.

Persönliches Wissensmanagement

Im Prinzip geht es darum, wie die Wissensarbeitende ihren Wissensaufbau und das Teilen ihres Wissens organisieren. Die entsprechende Fachliteratur läuft in der Regel in den Kategorien über bessere Organisation der eigenen Arbeit, Lernen u.ä.

T.D. Wilson, Information Research, Vol. 8 No. 1, October 2002

Fortsetzung von Teil 2

Im letzten Teil seines engagierten Artikels befasst sich Wilson mit der Dimension “Mensch”. Er zeigt auf, dass die Umsetzung von Informationen in für das Unternehmen produktives Wissen eine entsprechende Zusammenarbeitskultur voraussetzt:

  • Die Vorteile des Informationsaustauschs müssen für alle Mitarbeitenden glaubwürdig und nachvollziehbar gegeben sein.
  • Die Mitarbeitenden müssen sowohl die Kenntnisse wie die Gelegenheit haben, individuell aus Informationen Wissen aufbauen zu können.
  • Arbeitsgemeinschaften, die sich aus Interesse an der Sache bilden, sind an der Anwendung ihres Wissenspools beteiligt. Solche Arbeitsgemeinschaften sind nicht zu vewechseln mit Projektteams oder Teams in der hierarchischen Organisation, die von Aussen gesetzte Ziele zu erreichen haben.

Wilson bezeichnet eine solche Zusammenarbeitskultur als Utopie und stellt resigniert fest, dass die auf kurzfristigen Shareholder Value fixierten, als Strategie bezeichneten Unternehmensziele diametral der Zusammenarbeit der Interessierten entgegenwirken und dass sie bei den immer wiederkehrenden Entlassungs- oder Outsourcing-Wellen für das Unternehmen gewaltigen Wissensverlust zur Folge haben.

T.D. Wilson, Information Research, Vol. 8 No. 1, October 2002

Fortsetzung von Teil 1

Tacit knowledge – Implicit knowledge – Explicit knowledge

Wilson setzt sich in seinem Artikel auch mit dem von Polany eingeführten und von Nonaka und Takeuchi mit veränderter Bedeutung weiterdiskutierten Begriff des “tacit knowledge” auseinander. Er weist nach, dass “Stilles Wissen” ein Wissen darstellt, das nicht explizit formulierbar ist und sich eher nicht erklären, sondern nur in intensivem Austausch zwischen Menschen zeigen lässt. Dieses stille Wissen bestimmt stark die Art wie wir wahrnehmen, entscheiden und handeln. Wie oft aber können wir überhaupt nicht erklären, warum wir so entschieden und gehandelt haben.

Die Abgrenzung vom Begriff des impliziten Wissens ist nicht so klar, vielleicht ist es mehr ein gradueller Unterschied. Implizites Wissen kann in explizites Wissen, sprich Informationen, verwandelt werden. Stilles Wissen widersetzt sich weitgehend der geplanten Umwandlung in explizites Wissen. Die Umwandlung von implizitem in explizites Wissen ist natürlich schon ein grosser Filter- und Veränderungsprozess, so dass das explizite Wissen nicht immer so herauskommt, wie es gedacht wurde…. Und was dann der Empfänger mit den Informationen macht ….

Explizites Wissen kann vereinfacht mit Informationen gleichgesetzt werden, die unabhängig von Individuen existieren und deshalb auch mit IT gemanaged werden können. Explizites Wissen kann, eine gemeinsame Sprache (und kompatible IT) vorausgesetzt, einfach kommuniziert und kopiert werden. Dieses explizite Wissen umfasst in erster Linie Daten in Datenbanken, in mehr oder weniger wissenschaftlichen Publikationen und Prozessbeschreibungen Geschriebenes und anderswie Gespeichertes.

Fortsetzung folgt

Bei der Lektüre des Artikels von Miller (2002), I=0, liegt es nahe die Begriffe Information, Wissen und Lernen miteinander zu verknüpfen:

Wenn ich den Faden richtig weitergesponnen habe,

ist Lernen in diesem Zusammenhang der persönliche Prozess, Wissen aus Information zu erschaffen.

Sonst könnte man Lernen durch Kopieren von Information von einem Individuum zu nächsten ersetzen, was wir zweifelsohne heimlich oft auch wünschen.

Dieses „Kopierlernen“ findet beim Antrainieren statt, in der Regel ohne grosse Nachhaltigkeit. Auch erfolgreiches CBT oder E-Learning erfordert den Prozess der Umwandlung der vom Computer zur Verfügung gestellten Information zu Wissen.

E-Learning-Entwickler/innen kennen das Problem, dass diese Umwandlungsprozesse sehr individuell sind. Insofern deckt gute E-Learning-Entwicklung die Anforderung ab, den Prozess der Umwandlung von Information zu Wissen zu unterstützen.

Unterscheidung von Information und Wissen:

Konsequenzen für das Qualitätsmanagement

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F.J. Miller, Information Research, Vol. 8 No. 1, October 2002

Wissensmanagement unterstellt, dass Wissen mit technischen Mitteln und unabhängig von Individuen erfasst, gespeichert, verarbeitet, weitergegeben usw. (eben: ge-managed) werden kann. Aus dem folgenden wird klar, dass dies eine Illusion ist. Übrig bleibt als Unternehmens-Aufgabe praktisch nur die Unterstützung der Fähigkeit zur Interpretation von Information durch die beteiligten Menschen und die Förderung des Teilens von Wissen zwischen den Stakeholders als Menschen.

Miller ist selbstkritisch genug, festzustellen, dass sein elektronisch publizierter Artikel nur bedeutungslose Information darstellt. Bedeutung erhält er erst durch die Interpretation und Kommentierung durch die Lesenden.

Deshalb enthält mein Blog-Artikel auch keine treffende Zusammenfassung des ausführlichen Artikels von Miller, den jeder ja selber im Internet nachlesen kann. Vielmehr liest Du meine Hervorhebung und persönliche Interpretation der mir wichtig erscheinenden Informationen. Read the rest of this entry »

Unterscheidung nach Sveiby (1997), zitiert in Miller 2002

Sveiby, Karl-Erik (1997)

The new organizational wealth: managing and monitoring knowledge-based assets.

San Francisco, CA: Barrett-Kohler

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T.D. Wilson, Information Research, Vol. 8 No. 1, October 2002

Wilson führte eine umfassende Recherche auf Internet-Seiten von “Knowledge Management-Fachleuten” und in einschlägigen Fachzeitschriften durch. Er fand dabei seine These bestätigt, dass “knowledge management” ein Modewort ist, mit welchem Informationen-Management und die damit verbundene Technologie vermarktet werden soll. Wilson fokussiert die hierarchische Aufgliederung Daten-Information-Wissen auf die Unterscheidung von Information und Wissen. Das folgende ist nun bereits sehr interpretiert von mir (U.Volkart).   Read the rest of this entry »