Wissen teilen, zusammenarbeiten und verschieden sein

Annette Hexelschneider rezensiert auf dem Wissensmanagement 2.0-Blog einen Artikel von Bastiaan Rosendahl im KMRP (Knowledge Management Research & Practice (2009) 7, p. 4–14) mit dem Titel „Sharing knowledge, being different and working as a team„.

Zusammenarbeit und Vielfalt in einer Unternehmung sind nicht immer unproblematische Zwillinge. Bastiaan Rosendahl untersuchte sie auf ihre Auswirkung auf den Wissenstransfer.

Ergebnisaspekte:

  • Wissen teilen (als Qualität des Wissenstransfers) korreliert positiv mit sozialer Identität und dem Gefühl, für einander da zu sein.
  • Vielfalt der Werte und geringe kulturelle Identität korrelieren negativ mit Wissen teilen.
  • Grosse ideelle Nähe verringert das Interesse, von einander zu lernen.
  • Der unterschiedliche Wissensstand hat keinen Einfluss auf Wissen teilen.

Rosendahl erklärt das damit, dass eine grosse ideelle Entfernung von Leuten eine mangelnde Überlappung ihrer kognitiven Felder bedeutet.

Wissenstransfer in der Berufsbildung

Die Berufsbildung (berufliche Grundausbildung) in der Schweiz beruht auf dem Prinzip der 3 Lernorte:

  • Der Lehrbetrieb, mit welchem die Berufslernenden auch ein Vertragsverhältnis eingehen (Lehrvertrag).
  • Die Ausbildungszentren für überbetriebliche Kurse (üK-Zentren).
  • Die Berufsfachschule.

Obwohl der Gesetzgeber vorschreibt, dass die 3 Lernorte eng zusammenarbeiten müssen, wird der Wissenstransfer zwischen den Lernorten weitgehend den Berufslernenden überlassen.

Untersuchungen (z.B. von der Arbeitsgruppe um Prof. Margrit Stamm, Uni Fribourg) belegen, dass besonders erfolgreiche Berufslernende gerade diesen Wissenstransfer effektiv leisten können. Umgekehrt sind schwache Lernende auch in dieser Hinsicht im Nachteil, weil sie diesen Wissenstransfer nicht schaffen. Und der Wissenstransfer von der praktischen Arbeit in die Theorie könnte schwache Lernende, die sich oft mit der Theorie schwer tun, sehr unterstützen.

Der Wissenstransfer ist also eine ganz zentrale Möglichkeit, die Ressourcen von Berufslernenden auszuschöpfen und sie zu Erfolgen in ihrer Ausbildung zu begleiten.