Kategorie-Archiv: Spiritualität

Das Märchen vom Märchen

Nein ich will nicht das Pentamerone (G.B. Basile: “Lo cunto de li cunti overo Lo trattenemiento de peccerille”) nachdichten. Der Begriff Märchen hat “nur” wieder einmal Hochkonjunktur.

Immer dann, wenn die Leute die Welt nicht mehr verstehen wollen, taucht der Begriff Märchen in jedem Medienerzeugnis inflationär auf. In dieser Zeit, wo wir nicht verstehen mögen, weshalb die Bankenwelt kriselt, weshalb die Manager ihre Unternehmen als Selbstbedienungsladen für ihre persönliche Bereicherung ansehen, weshalb die Wirtschaft so auf und ab geht, wie sie geht…. In dieser Zeit wird alles märchenhaft, also unreal, und die Verantwortlichen tischen Märchen auf, also Lügengeschichten.

Weit gefehlt,

denn eigentlich wissen wir, dass die Märchen die wahre Welt beschreiben, auch wenn das typische Volksmärchen viele unreal anmutende Begebenheiten erzählt. Und eigentlich wissen wir, dass das, was wir als tägliche Realität ansehen, im besten Fall unser persönliches oder kollektives Konstrukt der Wirklichkeit darstellt, die Projektionen unseres Egos.

…. In diesem Sinne:

Bitte liebe
Politiker/innen,
Journalist/innen,
Manager/innen
erzählt keine Märchen, die Lügengeschichten sind, sondern Märchen, die wahr sind !!!

Haben Engel Flügel ?

In der bildenden Kunst und auch in der Literatur zumeist ja. Vermutlich liegt das daran, dass wir Menschen als erdgebundene Wesen uns einfach nicht vorstellen können, dass es Wesenheiten gibt, die ohne Flügel fliegen können.

Flügel sind aber auch ein Symbol für überirdische Wesen. Die aus menschlicher Sicht mächtigen Engelwesen verfügen oft über 2 Paar oder sogar mehr Flügel.

Menschen, die Engel sehen können, berichten allerdings, dass sie keine Flügel feststellen können.

Diessen, Marienmünster

Diessen, Marienmünster

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Der weisse Hirsch

Der Hirsch ist in vielen Religionen das Symbol für den sterbenden und wiederauferstehenden Gott. Im Christentum ist der Hirsch ein Symbol für Jesus Christus. Den Heiligen Eustachius und Hubertus begegnete Gott bzw. Christus in der Gestalt eines Hirsches mit dem Kreuz zwischen den Hörnern.

Der Hirschgott Cernunnos auf dem Kessel von Gundestrup

Der Hirschgott Cernunnos auf dem Kessel von Gundestrup

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Der heilige Hubertus

St. Hubertus

St. Hubertus

Historisch: Hubertus von Lüttich lebte um 700 pCn in den heutigen Ländern Frankreich und Belgien, zuletzt als Bischof von Lüttich (Liège). Die Zeit vor seiner Priesterweihe lebte er als Einsiedler in den Wäldern der Ardennen.

Legende: Auf der Jagd begegnete ihm ein Hirsch mit dem Kreuz zwischen den Hörnern: eine Gotteserfahrung.

Seine Geschichte ähnelt stark derjenigen des heiligen Eustachius aus dem 2.Jhdt. pCn.

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Unsterbliche, auf weissem Hirsch reitend

 
 
A Female Immortal Riding on a White Deer (Japan, 19. Jhdt.)

A Female Immortal Riding on a White Deer (Japan, 19. Jhdt.)

Eine Frau reitet auf einem weissen Hirsch. Wunderschönes Seidengemälde von Kishi Ganku, Beginn des 19. Jhdts. (Edo-Periode), Japan.

Interpretation des Bildes: Die Frau ist die Darstellung des ewigen Lebens. Auch der weisse Hirsch symbolisiert in Japan ein langes Leben.

Auch wenn die ostasiatische Kultur gerade den Tieren anderen symbolischen Gehalt zuordnet als die indoeuropäische, erinnert mich das Bild an den Hirsch als Reittier des Schamanen unterwegs in die Anderwelt (in der schamanist. Kultur: die Welt der Toten) und zurück.

Auch die ganze Symbolik von Tod und Auferstehung kommt mir in den Sinn.

Sant'Umberto di Cassina

Kapelle Sant'Umberto Meride

Kapelle Sant'Umberto Cassina, Meride

In der Waldlichtung Cassina (z.T. auch Cascina geschrieben), auf der Südseite des Monte San Giogio oberhalb von Meride (Schweiz, Tessin) steht eine Hubertus-Kupelle (ital.: Sant’Umberto).

Das Bild zeigt einen Jäger, dem ein Hirsch mit dem strahlenden Kreuz zwischen den Hörnern erscheint.

In den Märchen ist der Hirsch eine wichtige und häufige Gestalt. Wie viele europäische Märchen enthält auch die Hubertus-Legende eine Integration vorchristlicher göttlicher Figuren aus schamanistischen und totemistischen Kulturepochen mit christlichen Bildern.

Der Hirsch gilt allgemein als Christus-Symbol. Das Bild stellt somit eine Gotteserfahrung dar.

Die Wanderung vom Lago die Lugano vom Ort Brusino-Arsizio (Schifffahrt von Lugano) hinauf über die Alpe Brüsin (mit Grotto) auf den Monte San Giorgio (mit prächtiger Rundsicht) und dem Abstieg über Cassina nach Meride ist wunderschön. Der Monte San Giorgio ist im Übrigen vor allem ein Wallfahrtsort für Geologen und Geobotaniker.

Wilhelm Grimm, Heliand und Parzival

Die Brüder Grimm waren Philologen und gehörten zu den ersten Germanisten, welche die Wörter der deutschen Sprache in der Literatur bis ins Mittelalter zurückverfolgten. So erschien 1854 als ihr Hauptwerk (neben den viel bekannteren Kinder- und Hausmärchen) das „Deutsches Wörterbuch“, in welchem nebenbei gesagt das Wort „Glaube” 70 Seiten einnimmt.

Aus den Vorlesungs-Vorbereitungen von Wilhelm Grimm ist ersichtlich, dass er sich intensiv mit den beiden Epen „Der Heliand” (aus dem 9. Jhdt.) und „Parzival” (Wolfram von Eschenbach, 13. Jhdt.) befasste und ohne Zweifel darin auch die Bezüge zu den Märchen suchte. Weiterlesen

Beginn und Ende der Vorrede von 1810

Wir finden es wohl, wenn Sturm oder anderes Unglück, vom Himmel geschickt, eine ganze Saat zu Boden geschlagen, daß noch bei niedrigen Hecken oder Sträuchen, die am Wege stehen, ein kleiner Platz sich gesichert und einzelne Aehren aufrecht geblieben sind. Scheint dann die Sonne wieder günstig, so wachsen sie einsam und unbeachtet fort, keine frühe Sichel schneidet sie für die großen Vorrathskammern, aber im Spätsommer, wenn sie reif und voll geworden, kommen arme, fromme Hände, die sie suchen; und Aehre an Aehre gelegt, sorgfältig gebunden und höher geachtet, als ganze Garben, werden sie heimgetragen und Winterlang sind sie Nahrung, vielleicht auch der einzige Samen für die Zukunft. So ist es uns, wenn wir den Reichthum deutscher Dichtung in frühen Zeiten betrachten, und dann sehen, daß von so vielem nichts lebendig sich erhalten, selbst die Erinnerung daran verloren war, und nur Volkslieder, und diese unschuldigen Hausmärchen übrig geblieben sind.
……
Wir übergeben dies Buch wohlwollenden Händen, dabei denken wir überhaupt an die segnende Kraft, die in diesen liegt, und wünschen, daß denen, welche diese Brosamen der Poesie Armen und Genügsamen nicht gönen, es gänzlich verborgen bleiben möge.
Cassel, am 18ten October 1810.
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Brüder Grimm: Religion und Märchen

Die Brüder Grimm betrachteten Märchen auch unter dem Aspekt der Erinnerung an alten Glauben (germanisch, griechisch-römisch) und alte religiöse Praktiken, verpackt in poetische Geschichten der aktuellen Zeit.
Die Absicht der (Zauber-) Märchen ist es, Herzenskräfte zu wecken, an erster Stelle die Liebe. In den Märchen begegnet die Liebe den dunklen Kräften und dem Tod und überwindet diese.

Von Wilhelm Grimm kann vermutet werden, dass er eine grosse Spiritualität im Sinne des Johannes-Evangeliums pflegte, in welchem die allumfassende Liebe als Gebot und der Gedanke der Präsenz Gottes als Ursprung von Allem (Jesus Christus als Vereinigung von Gott und Welt; Ich und der Vater sind eins. Joh. 10,30) im Vordergrund stehen.

Diesen beiden Aspekten widmete er auch seine Forschungstätigkeit in den antiken und germanischen religiösen Schriften sowie in den mittelalterlichen deutschen Epen.

Diese Vermutungen über Wilhelms Verhältnis zur Religion sind begründbar durch eine Analyse seiner Hervorhebungen und Randnotizen in seiner Bibel und in den relevanten Werken der Literatur. Die dazugehörigen Forschungsresultate verdanken wir vor allem G. Ronald Murphy, S.J., welcher eine Interpretation seiner Arbeiten in seinem Buch „The Owl, the Raven, and the Dove” (2000, Oxford University Press) publizierte.

Kosmogramm für Palestina

Kosmogramm für Palästina von Marko Pogacnik     Kosmogramm für Palästina

von Marko Pogačnik       

zur Wiederverbindung der Völker in Palästina.

Diese Zeichnung (ein Kosmogramm genannt) wiederspiegelt all das im heutigen Palästina Zerrissene und Getrennte – nicht nur auf der Ebene der Religionen.