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Schottische Märchen und Irische Märchen

Obwohl die Nähe zur Feenwelt (korrekter wäre “Welt der Elfen”) sehr irisch anmutet, ist Tam Lin ein Märchen aus Schottland. Irische Märchen (siehe Bücher mit Märchen aus Irland) sind meist keine Märchen in unserem Sprachgebrauch sondern eher Mythen und Sagen.

Möglicher Grund: Irische «Märchen» befassen sich oft mit der mythischen Geschichte und den Helden (selten Heldinnen) Irlands oder sind Sagen von den Wesen der Anderwelt. Eine Verschriftlichung beginnt erst im 19. Jhdt.,; vorher gab es nur mündliche Überlieferung (Gedächtniskultur) oder einzelne Schriften von Mönchen. Die irische Mythologie «ersetzt» in der Volkskultur die historische Beschreibung der Geschichte. Ein Vergleich mit dem Alten Testament der Bibel drängt sich auf.

Schottische Geschichten wurden als epische Gedichte, Balladen genannt, seit dem 16. Jhdt. aufgezeichnet und sind dabei mehr und mehr zu Zauber-Märchen geworden. Das Motiv dabei ist oft die Erlösung eines Menschen aus der Verzauberung, Verstrickung in der Feenwelt; Erlösung dank der aufopfernden Liebe eines gegengeschlechtlichen Menschen (anderes bekanntes Beispiel: Catherine-knack-die-Nuss). Die Schotten lieben in ihren Sagen unheimliche und manchmal skurrile Begegnungen von Menschen mit der Anderwelt.

Meine “Tam Lin”-Version ist stark an die Ballade Nr. 39 in der Sammlung von Francis James Child angelehnt.