The Cherry Tree Carol

Pentangle "Solomon's Seal" CoverEs war wieder einmal Zeit, dies wundersame alte englische Weihnachtslied zu singen, eingebettet in einer deutschsprachigen (Dialekt) Erzählung der Legende auf der Basis des englischen Liedtextes.

Gefunden hatte ich das Lied vor langer Zeit auf der Platte “Solomon’s Seal” der englischen Gruppe “Pentangle“.  Die Leadsängerin Jacqui McShee führt die Band bis heute weiter, nachdem die beiden legendären Gitarristen Bert Jansch und John Renbourn eigene Wege gegangen waren. Stilistisch den Trends der heutigen Zeit angepasst, eher noch eklektischer als früher, folgt Jacqui McShee immer noch dem Pfad des experimentellen Folk mit starken Einflüssen von Jazz und Worldmusik. Weiterlesen

Internationaler Kurs für Friedensanimatoren in Israel

Auch in Israel gibt es eine Minderheit von Menschen, die die Hoffung auf ein friedliches Zusammenleben nicht aufgegeben haben. Auf die Dorfgemeinschaft „Neve Shalom – Wahat al-Salam“ im Grenzgebiet zwischen Israel und dem besetzten palästinensischen Westjordanland habe ich schon hingewiesen >>.

Die Einwohnerinnen und Einwohner des Dorfes üben nicht nur das Zusammenleben von jüdischen und arabischen Menschen, sondern unterhalten auch eine Friedensschule, welche Kurse und Camps anbietet (und erfolgreich duchführt). In der Regel sind die Angebote für Menschen aus Israel / Palästina gedacht. Die Friedenschule kann auf über 30 Jahre professionelle Arbeit zurückblicken.

Auf grossen Wunsch ihrer Freunde im Ausland bietet sie 2010 zum ersten Mal ein internationalen Kurs für Friedensanimatoren an: 6.-18. Juli 2010, natürlich in Neve Shalom – Wahat al-Salam. Anmeldefrist noch bis Ende Januar 2010.

Grosse Mariazeller Messe (J. Haydn)

Mariazell
Mariazell (Steiermark)

Aufführung des Konzertchors Oberbaselbiet mit dem Barockorchester „La Sarabanda“ am 14. November 2009 in der Stadtkirche Liestal.

So habe ich das bei Joseph Haydn (1732-1809) noch nie wahrgenommen: Haydn, der Inbegriff der Klassik in der mitteleuropäischen Musik, greift in seiner „Grossen Mariazeller Messe“ (Missa Cellensis Hob. XXII, auch Cäcilienmesse genannt) intensiv auf die Tradition Johann Sebastian Bachs zurück. Vor allem in den Chorfugen, und davon hat es in dieser Messe einige, ist die Nachfolge des Fugenmeisters spürbar: Komplexe Themen erklingen, zum Teil sogar als Doppelfugen, die Stimmen setzen zu Beginn der Fuge stark versetzt ein, so dass die Themen vollständig ins Ohr gehen, eine lange und variationenreiche Durchführung folgt.

Da ist die Kunst des Chores und die Aufführungspraxis der Dirigentin Franziska Baumgartner-Meier besonders zu loben. Die einzelnen Stimmen hoben sich jeweils wunderbar transparent aus dem Ganzen heraus, wenn sie die Themen oder Teile davon präsentierten, ohne dass dabei die Homogenität des Gesamten verloren ging.

Das Werk Haydns enthält zahlreiche schöne Teile – und trotzdem fehlt ihm das gewisse Etwas. Für das musikalische Empfinden fehlen die Höhepunkte, die glanzvollen Stellen, die spätere Werke Haydns so beliebt machten. Es klingt, wie wenn der Meister seinen Stil noch nicht gefunden hätte. Vielleicht erreicht deshalb dieses Werk heute nicht die Bekanntheit anderer Haydn-Messen. Diese Messe darf noch fast als Jugendwerk gelten, auch wenn Haydn damals bereits 34 Jahre alt war.

Zwischen Gloria und Credo der Messe hatte die Dirigentin noch ein „Ave Maria“ für Solistenquartett und Streichorchester von Michael Haydn (1737-1806) eingeschoben.

Chor, Solisten und Orchester waren „super“. Der Konzertchor Oberbaselbiet präsentierte sich wieder einmal als Spitzenchor unter den Laienchören, was sich nicht zuletzt in der Aufmerksamkeit und stimmlichen Präsenz äusserte. Die Schwierigkeit des Werkes drückte sich in der Anspannung der Gesichter aber nicht in der Qualität des Chorgesangs aus. Franziska Baumgartner-Meier hatte die komplexe Musik jederzeit „an der Stabspitze“. Das Solistenquartett ist ebenfalls zu rühmen, besonders auch die tieferen Lagen, Altistin und Bassist. Letzterer hatte die dankbare, für einen Bassisten seltene Aufgabe mit einem ausgedehnten Solopart im Agnus Dei das Werk abzuschliessen (Das „Dona nobis pacem“ des Chores folgte natürlich schon noch). „La Sarabanda“, ein Orchester aus der Regio Basiliensis (auch unter dem Namen “La Beata Olanda” bekannt) zeigte, welche Stütze ein professionelles Orchester in einem Vokalkonzert darstellen kann. Der „barocke Touch“ des Werks kam dem auf alte Musik spezialisierten Ensemble wohl sehr entgegen. Ein schönes Konzert!

Der Mensch stammt vom Affen ab

Darwin und AffeEin heiliger Affe zog einst in die Berge des Himalayas, um zu meditieren.

Er war ein Mönch und eine Inkarnation der Barmherzigkeit. Er war so schön und anmutig, dass sich eine Felsengöttin, die Landschaftsgöttin dieser Berge, in ihn verliebte und ihn heftig begehrte.

Sie versuchte ihn mit allen ihren Künsten zu verführen. Aber der Affe hielt sich an sein Mönchs-Gelübde und blieb standhaft.

Als die Felsengöttin unermüdlich blieb, um ihn zu werben, bekam er ein tiefes Mitleid mit ihr. Er dachte auch, dass eine enttäuschte Landschaftsgöttin eine grosse Gefahr für die Welt werden und viel Unheil anrichten könnte.

So erhörte er sie, und gemeinsam zeugten sie sechs Kinder, von denen die Menschen abstammen.

Legende aus dem Tibet.

Erzählt an der Schweizerischen Erzählnacht 2009.

Erzählnacht 2009 (13. November)

Als die Erde noch jung war.

Therese Bürgin, Regula Itin und Urs Volkart in der Gemeinde- und Schulbibliothek Gelterkinden.

Ein kleiner Kreis von Zuhörenden (um die 30 Personen) war zu diesem Erzählabend mit einem etwas speziellen Thema gekommen. Auffallend, dass die Einheimischen aus Gelterkinden weitgehend fehlten, dafür aber Zuhörende von weiter unten im Baselbiet angereist waren.

Kritik/Bericht (Seite 2 unten) und Portrait (Seite 1 oben) in der Regionalzeitung Volksstimme.

Programm mit den folgenden Mythen, Legenden, Sagen und „speziellen“ Märchen (die klassischen Märchen fehlten dem Thema entsprechend): Weiterlesen

Schöpfungsmythos der Kurden


Kurdische Landschaft

Einst lebten Licht und Dunkel ohne Übergang nebeneinander und wussten nichts voneinander, obwohl es ja das Dunkel nur dank des Lichts gibt.

Die Seelenwesen litten unter dieser trostlosen Doppelwelt. Besonders unzufrieden waren die, die im Dunkel leben mussten. Und das Klagen der Seelenwesen drang zu den Ohren des ewigen heiligen Vaters.

Da schuf der ewige heilige Vater das Reich der Dämmerung und nannte es «die Erde». Das bisher formlose nahm Form an. Der Sand begann zu singen. Der Geruch der brachen Erde lockte Leben, heisses dampfendes Leben an. Die Erde überzog sich mit grünem, blühendem Jubel. Leben kroch aus dem Kleinen und wuchs zum Gewaltigen heran. Leben erhob sich in die Lüfte auf grossen Flügeln und schwebte singend in den Tälern. Und auch des Meeres salzige Fluten liessen neues Leben entstehen. Und alles war bereit für den Menschen.

So schlug der ewige heilige Vater die Brücke zwischen dem Reich des Lichts und dem Reich des Dunkels. Jedes Reich gab einen Teil dafür, damit das Reich der Dämmerung, die Erde, lebe.

Noch wussten die Seelenwesen dieses Geschenk nicht zu nutzen. Da rief der ewige heilige Vater alle zusammen, die zufriedenen wie die unzufriedenen. Als sie versammelt waren, wies der ewige heilige Vater mit seinem rechten Arm zur Erde und sprach: „Dort steht der Mensch, zu meiner Linken, den Äckern der Erde am nächsten.“

Und weiter sprach er: „Ihr Seelenwesen, die ihr bisher im Reich des Dunkels leben musstet und unzufrieden wart, seid voller Hoffnung. Im Menschen schuf ich euch die Möglichkeit, euch zu verwirklichen und ins Licht zu gelangen.

Ratlos hörten die Seelenwesen die Worte des ewigen heiligen Vaters.


Kurdische Fahnefür die Schweizerische Erzählnacht 2009 (Motto “Als die Erde noch jung war, …”) sehr frei nacherzählt nach:
Abbas, Hilmi, „Das ungeschriebene Buch der Kurden“, Diederichs, Seite 33.

Die Geburt Christi (Heinrich von Herzogenberg)

Der Komponist

Der österreichische Komponist Heinrich von Herzogenberg (1843-1900) (Portrait) ist vielen Musikbegeisterten weitgehend unbekannt. An der Qualität seiner Werke kann es kaum liegen, vielleicht eher an seiner zurückgezogenen Art. Mit einigen Freunden, unter anderen mit Johannes Brahms, pflegte er intensiven Kontakt, aber die wirksamen Publikumsauftritte, die andere Komponisten der Romantik durchaus suchten, schienen ihm fremd zu sein.

Heiden um 1900, Blick auf BodenseeHerzogenberg kann durchaus als „Zeitschweizer“ betrachtet werden. Er besass ein Haus in Heiden im Appenzellerland (Bild links: Heiden um 1900), wo er häufig weilte und unter anderem auch das Weihnachtsoratorium „Die Geburt Christi“ komponierte.

Herzogenberg stand stark in der Tradition der von Felix Mendelssohn begründeten Wiederentdeckung der Werke Johann Sebastian Bachs und des Aufschwungs der grossen Laienchöre, wie wir sie heute noch kennen. Unter anderem sorgte er für die Aufführung des Kantatenwerks Bachs in Leipzig.

Als Komponist von Vokalwerken liess er sich stilistisch stark von Bach und Schütz beeinflussen, dessen Werke er intensiv studierte und oft aufführte. Gleichzeitig übernahm er die (zumindest dazumal) kühne Harmonik der Spätromantik. Und genau an dieser Kreuzung steht unter anderem sein Weihnachtsoratorium „Die Geburt Christi“.

Geschichte des Werks

Seit der Barockzeit hatte sich kein Komponist mehr an ein Weihnachtsoratorium herangetraut, sei es aus Ehrfurcht vor der Grösse des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach, sei es weil Georg Friedrich Händels „Messias“ durchaus populär war.

Ein naher Freund Herzogenberg, Friedrich Spitta, Sänger und Theologe, erkannte aber die Problematik der beiden Werke. Die Anforderungen an die Musizierenden, den Chor, die Solisten und das Orchester waren gross. Und schon damals war es vom Aufwand her für einen „gewöhnlichen“ Chor unmöglich, für eine Aufführung ein entsprechendes Orchester und hochkarätige Solisten zu engagieren. Dazu kam, dass auch damals die Texte vor allem der Arien in Bachs Weihnachtsoratorium als ungeniessbar empfunden wurden. Spitta schrieb: „Um der unvergleichlichen Musik [Bachs] willen lassen wir uns schliesslich alle Texte gefallen.“

Spitta „bearbeitete“ deshalb im Sommer bei einem Besuch in Heiden seinen Freund Heinrich von Herzogenberg, ein nicht aufwändiges Oratorium mit volksnahen Texten zu schreiben, ohne Orchester, nur mit Orgel und Harmonium, die ja in jeder Kirche vorhanden waren, und Solistenpartien, welche nicht unbezahlbare Koryphäen sondern vielleicht sogar herausragende Chormitglieder übernehmen könnten.

Spitta steuerte selber die Texte bei. Die Weihnachtsthematik teilte er dreifach auf: den Adventsteil „Die Verheissung“, die Geburtsszene „Die Erfüllung“ und als Schlussteil „Die Anbetung“ mit dem abschliessenden Text aus dem Johannes-Evangelium „Also hat Gott die Welt geliebt, …“

Vom Beginn der Kompositionsarbeit im August 1894 bis zur Uraufführung im Dezember vergingen keine 4 Monate. Herzogenberg stürzte sich mit aller Kraft in die Arbeit und wurde „für die Umwelt ungeniessbar“, wie Spitta später schrieb. Die beiden hatten allerdings auch noch einige Differenzen auszutragen. Herzogenberg wollte unbedingt noch ein Streichquartett, nicht zuletzt als Stütze für den Chor und parierte Spittas Einwände mit dem Satz „Ein paar Bierfiedeler wird man doch gewiss überall auftreiben können!“ Kurze Zeit später überfiel er erneut Spitta, diesmal mit dem Wunsch nach einer Oboe. Der entrüstete Spitta befürchtete schon, das zuletzt ein romantisches Riesenorchester, vielleicht dachte er an Hector Berlioz, dastehen würde. Aber Herzogenberg beruhigte ihn, dass dies sein letzter Wunsch wäre, und hielt sich auch daran.

Ende September erhielt Spitta ein Telegramm von Herzogenberg: „Fertig! Komme morgen, sorge für einen kleinen Chor.“ In den folgenden Wochen setzte eine intensive Probenarbeit ein, bis dann am 16. Dezember 1894 in der Thomas-Kirche Strassburg die Uraufführung erfolgte, für welche Herzogenberg zuvor geschrieben hatte „Auf Sonntag lade ich den lieben Gott ein.“

Und im Rückblick schrieb er: „Der Kaiser von Russland ist nicht glücklicher als ein kleiner grüner Käfer, der nur vier Blätter und sechs Halme kennt und die ganze Welt zu haben meint. Und wenn ich des Augenblicks gedenke, als meine Musik durch die ganze Thomaskirche flutete vom Altar zur Orgel und wieder zurück, geschwellt von dem unvergesslichen Unisono der Gemeinde, dann erlebte ich eine Stunde, deren sich kein noch so beliebter Konzertkomponist unserer Tage zu rühmen hätte.“

Die Musik

Die Musik dieses Weihnachtsoratoriums ist sehr abwechslungsreich und eine echte Herausforderung für jeden „Provinzchor“, für welche Herzogenberg ja schreiben sollte. Nicht nur in den Gemeindeliedern kommen die bekannten Weihnachtslieder zur Geltung. Auch in vielen Chorsätzen stehen als Cantus firmus oder in einzelne Stimmen eingebaut oft Melodien alter Weihnachtslieder wie „Es ist ein Ros’ entsprungen“, „O Heiland, reiss die Himmel auf“ oder „Kommet, ihr Hirten“. Die Zuhörenden werden sich, dazu noch mit einbezogen als singende Gemeinde, in diesem Werk deshalb „daheim“ fühlen, auch wenn es ihnen völlig unbekannt ist.

Herzogenberg lässt seine stilistische Wahl des Klangs vom zu vertondenden Text leiten: Dort, wo am Anfang von der “alten Geschichte” die Rede ist, lehnt er sich an den Stil von Heinrich Schütz an. Später, wenn er die Entscheidung der Hirten, jetzt das Jesuskind aufzusuchen vertont, lehnt er sich ganz offensichtlich an Bachs Weihnachtsoratorium an “Lasset und nun gehen ‘gen Bethlehem”, samt einer für Bachs Zeit typischen Fuge.

Im Schlusschor, lässt er die 2 Chöre in Fis-Dur enden und dann in E-Moll weiterfahren: “Also”, in dieser Akkorabfolge nur in der Spätromantik möglich. In den Harmonien der Chorsätze schenkt Herzogenberg den Sängerinnen und Sängern sowieso nichts, und ein Laie wie ich fragt sich manchmal, wozu Herzogenberg überhaupt mit den Vorzeichen eine bestimmte Tonart nahe legt, da er doch ständig durch alle möglichen Akkorde hindurch moduliert. Aber da gibt es vielleicht musikalische Absichten, wie auch bei Bach keine Tonart zufällig gewählt ist.

Speziell ist sicher, dass keine grossen Arien vorkommen, sieht man vom sowieso eher rezitativ wirkenden Evangelisten ab, sondern kurze solistische Partien für 2 bis 4 Stimmen. Da wird neben der Instrumentierung die Absicht Herzogenbergs für die Gemeinde zu schreiben besonders deutlich.

Solovioline und Oboe werden oft „obligat“ eingesetzt. Sonst aber sollen die Instrumente vor allem den Chor auf seinen abenteuerlichen Wegen durch die Harmonien stützen. Für den Chor kulminiert das Oratorium in einem doppelchörigen achtstimmigen Satz in Fis-Dur, der sogar für eine kurze Phase von einer weiteren Stimme (Kinderchor) überlagert wird: „Also hat Gott die Welt geliebt“. Die Gemeinde nimmt als Abschluss das Eingangslied wieder auf: „Vom Himmel hoch, da komm’ ich her“. Und die Orgel beendet das Werk als einen grossen Gottesdienst.

Konzert des Gemischten Chors Bennwil (“Bämbel Bees”)

Martin von Rütte, der musikalische Leiter des Gemischten Chors Bennwil, einer kleinen Baselbieter Gemeinde, versucht konkret die Absichten Herzogenbergs und Spittas umzusetzen: Ein Laienchor, der sich noch nie an ein grosses geistliches Werk gewagt hat, Solisten aus dem Kreis der Chorsängerinnen und -sänger (mit Ausnahme des Evangelisten, Simon Jäger, Tenor, der auch einzelne Bariton-Solo-Stellen singt), ein Streichquartett (keine Bierfiedler!), die Solo-Oboe, Orgel und Harmonium, und natürlich eine hoffentlich wacker mitsingende Zuhörer/innen-Gemeinde. Fertig.

Die Aufführungen des Weihnachtsoratorium sind auf den 2. Advent gesetzt, ummittelbar vor Sankt Nikolaus:

Freitag, 4. Dezember 2009, 20 Uhr, Dorfkirche Bennwil.
Samstag 5. Dezember 2009, 20 Uhr, Stadtkirche Liestal.

Quellenangaben: Schweizer Website für H. v. Herzogenberg:  http://www.herzogenberg.ch/ueber.htm
und Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Herzogenberg
plus eigene Kommentare und solche von Martin von Rütte.

Chorprojekt Ziefen 2009

Chorprojekt Ziefen: Empowerment für Laienchor

Stadtkirche Liestal, 24. Oktober 2009.

Chor

Ein Projektchor, der jeweils April bis Oktober sich immer wieder neu bildet und ein Programm erarbeitet, führt auf, lässt hören und sehen, begleitet von einer jazzig ausgerichteten Combo, geleitet von einem musikalischen Energiemagier.

Als Sänger in einem Laienchor bin ich immer etwas in der Zwickmühle. Einerseits bemühe ich mich ganz bewusst, mich als Sänger in den Dienst des Chores und der gemeinsamen Musik zu stellen, als Individuum aufzugehen. Anderseits gibt es da ein Bedürfnis nach Gehört- und Gesehenwerden. Laiensänger stehen schliesslich nicht jeden Tag auf der Bühne. Von professionellen Sängerinnen und Sängern wird erwartet, dass sie sich, eben professionell, in einen Chor integrieren, oder es ist akzeptiert, dass sie machen, was sie wollen, um sich als Individuen zu profilieren.

Martin von Rütte, selber ein Vollblut-Performer scheint diesen Chorsänger-Spagat in seiner Chorarbeit immer wieder zu wagen, insbesondere mit diesem Chorprojekt, aber auch in seinen Circle Song-Kursen (VoicEmble).

Im Konzert des Chorprojekts erhielt rund ein Drittel der Singenden die Gelegenheit, solistisch hervorzutreten. Genau mit dem richtigen Anspruch: Ich darf und kann Solist(in) sein, so wie ich bin, getragen von einem Chor vertrauter Singenden, und ohne mich mit professionellen Performern zu vergleichen. Die meisten erleben dann auch ähnliche Grenzen, de ich auch gut kenne: Die im Chor als sicher erlebte Stimme wird solo plötzlich zaghaft, undeutlich, intonationsunsicher; die 3auf2-Rhythmik der jazzigen Songs zog sich auf die sichere 2auf2-Seite zurück. Und trotzdem ist eine starke Leistung jedes/jeder Einzelnen, frei von Peinlichkeit oder Wer-wird-Superstar-Voyeurismus.

Martin von Rüttes Chorarbeit ist Empowerment für die Sängerinnen und Sänger. Und der Dirigent selber: pure musikalische Energie, Bewegung und Präsenz.

Das Programm unterhaltsam und abwechslungsreich; einzelne Arrangements gerieten etwas langfädig – doch der Faden ging nicht verloren. Eine besondere Entdeckung für mich: die Lieder aus Haiti mit karibischen Rhythmen und rührendem Französischdialekt.

Eine aufmerksame Combo aus Musikern aus der Region stützte und bereicherte den Gesang mit Alto und Klarinette (Heiner Grieder), Perkussion (Eric Rütsche und Thomi Weiss), Bass (Michael Bürgin) und Gitarre (Daniel Däster). Für die Lieder aus der alten Musik wechselte Michael Bürgin stilgerecht zur als Kniegeige gespielten Fiedel.

Und noch eine Überraschung: Die gewiss nicht kleine Stadtkirche von Liestal, die gegen 500 Leute fasst, war platschvoll. Das „Chorprojekt Ziefen“ hat trotz des etwas provinziell klingenden Namens und der spärlichen Präsenz in der Öffentlichkeit (nur 1 Konzert pro Jahr) eine grosse Fangemeinde in der ganzen Nordwestschweiz.

Bald startet übrigens Martin von Rüttes VoicEmble wieder mit Circle Songs und Improvisation. Und das grosse Konzert mit dem gemischten Chor Bennwil, den Bämbel Bees, wo ich als Zuzüger mitsingen darf: „Die Geburt Christi“ von Heinrich von Herzogenberg, ein Geheimtipp unter den Weihnachtsoratorien (letztes Jahr vom Konzertchor Baselbiet aufgeführt).

Märchen und Mythen

Tafel mit Gilgamesch-Epos

Mythen …

(Bild: Tafel mit Gilgamesch-Epos) Mythen sind Geschichten aus uralter Zeit. Immer versuchen sie eine Erklärung oder Herleitung für Dinge und Umstände zu finden, für welche keine bekannten Tatsachenberichte oder anderen rationalen Erklärungen vorliegen. Mythen erheben immer einen gewissen wissenschaftlichen Anspruch im Sinne, dass sie fundierte Erklärungsmodelle, Theorien liefern.

Keine Kultur, keine Religion kommt ohne Mythen aus. Oft verhelfen die Mythen sogar zur Identitätsfindung eines Volkes oder einer Kultur. Ohne die Mythen aus den Hochkulturen des Vorderen Orients und Ägyptens wüssten wir wenig über die grossen kulturellen Umwälzungen beim Übergang von den matrifokalen zu den patriarchalischen Gesellschaften. Ohne die Mythen des griechischen Altertums hätten wir nur eine sehr bescheidene Vorstellung vom alten Griechenland. Ohne das Alte Testament wäre kein Volk Israel, kein jüdischer Staat denkbar; und natürlich auch keine Christenheit. Der Mythos von Wilhelm Tell hat die Kultur der Schweiz und der Schweizer geprägt, selbst bei denen, die die Existenz Wilhelm Tells völlig verneinen.

Bodmin Moor (Cornwall UK): König Arthurs HalleHeute ist das Thema der Entstehung der Welt bei uns „entmythifiziert“. Aber Menschen brauchen offenbar Mythen. Die modernen Mythen befassen sich mit uns näherliegenden Themen, wie etwa die Mythen, die sich um das Geld, um das Gehirn, um medizinischen Fortschritt oder um die Bedeutung der Information drehen. Auch moderne Mythen erheben wie im Altertum den Anspruch wissenschaftlich fundiert zu sein.

Typisch für die Mythen war und ist nicht nur ihr Anspruch, Geschichtsschreibung und fundierte Theorie zu sein, sondern auch, dass es viele verschiedene, widersprüchliche Erklärungsmodelle für die Welt geben kann. Oft existierten zur gleichen Zeit in derselben Kultur Mythen, die analytisch betrachtet sich völlig widersprachen. Selbst im Alten Testament gibt es zwei Versionen der Entstehung des Menschen. Auch Gott erscheint einerseits als Elohim, dem freundlichen und fürsorglichen Gott, in welchem die Götter der Nachbarvölker der Israeliten zum höchsten Gott vereint sind (deshalb ist Elohim ein Plural) und der in Genesis 1 liebevoll die Welt erschafft und sich selber daran freut. Anderseits und zunehmend erscheint Gott als strenger patriarchalischer Jahwe, der Adam und Eva aus dem Paradies wirft und später das Volk Israel zu militärischen Siegen führt.

… und Märchen

In den Märchen ist im Gegensatz zu den Mythen die Welt einfach da; sie ist wie sie ist. In Entwicklung sind dafür umso mehr die Menschen. Für sie möchte das Märchen Hilfe und Anleitung auf den Lebensweg geben, ermutigen und Zuversicht verbreiten, dass der Weg, obwohl gespickt mit Prüfungen, letztlich zu einem guten Ende führt.

Die Gemeinde- und Schulbibliothek Gelterkinden führt seit mehreren Jahren die Tradition des freien Erzählens von Märchen weiter. Freuen wir uns auch dieses Jahr auf das Hören und Miterleben von Märchen und Mythen.

Nähere Auskunft: Urs Volkart Tel 061 981 44 72, urs.volkart@maerchenquelle.ch;
oder Gemeinde- und Schulbibliothek Gelterkinden, Sissacherstrasse 20, Telefon 061 981 43 81.