Kategorie-Archiv: ErzählerInnen NWCh

Basler Erzählkreis – Samhain, Halloween, Allerheiligen

Am 31. Oktober 2025 fand das Herbst-Treffen des Basler Erzählkreises in der Buchhandlung Ganzoni beim Spalentor Basel statt. Der Termin, der sich mehr zufällig als gewollt ergeben hatte, inspirierte das Leitungsteam zum Thema “Samhain, Halloween, Allerheiligen”.  Der Kreis, wie immer eher ein längliches Oval, füllte sich wieder zu fast 20 Märchenleuten aus der Region (den Kantonen Basel-Landschaft, Basel-Stadt, benachbarten Gebieten von Solothurn, Fricktal und Schwarzwald). Viele hatten sich auch gemeldet, eine Geschichte erzählen zu können. Der Austausch zu den Märchen war persönlich und intensiv, alle waren dankbar für die Pause mit Getränken und Knabbereien, die Raum für bilaterale Gespräche (Networking) bot.

Illustration von John D. Batten für Tamlane in More English Fairy Tales

Ich hatte die Freude, den Abend mit dem schottischen Märchen “Tam Lin” eröffnen zu dürfen. Eine längere Diskussion bot die Gelegenheit das Wesen von Elfenmärchen und den drei mit dieser Nacht verbundenen Festen zu vertiefen.

Es gibt viele Tam Lin-Erzählungen. Meine Variante ist abgeleitet von der
Tam Lin-Ballade aus der Sammlung «The English and Scottish Popular Ballads» (Ende 19. Jhdt. herausgegeben von Francis James Child).
Ich verwende anstelle des englischen Begriffs «elves» den Begriff «Feen», weil wir im deutschen uns unter Elfen meist etwas anderes vorstellen. Das Feenreich meiner Erzählung ist also das Reich der Elfen. Unsere «Feen» hingegen entstammen dagegen oft der europäischen Mythologie der Schicksalsgöttinnen, Devas u.ä.
Anstelle von «Janet» heisst die Heldin bei mir «Margreth», wie sie viel seltener auch in den Tam Lin-Geschichten genannt wird. Mit ihrem grünen Kleid und ihrer Rolle als Erlöserin eines Mannes aus der Feenwelt erinnert sie mich an die “grüne Frau” die dann als christliche Verkörperung der Landschaftsgöttin, welche mit den alten Mächten der Gegend, eben den elves, im Konflikt steht. Wenn Tam Lin im Alpenraum spielen würde, wäre sie die heilige Margareta von Antiochia (aus dem 3. Jhdt.). Diese wird in ländlichen Regionen als Hüterin einer Landschaft und deren Fruchtbarkeit überall verehrt (siehe z.B. Canzun de sontga Margriata aus der Surselva) und oft mit einer gezähmten Schlange (Drachen) dargestellt. Bei uns ist die Margareta die «alte Heilige», welche z.B. in der erwähnten surselvischen Ballade durch einen patriarchalischen Übergriff vertrieben wird.
In der Mythologie (nicht nur der keltischen) war die Vereinigung der Landschaftsgöttin mit einem auserwählten Manne (ursprünglich dem Äquivalent des Gottes Pan) wichtig für die Fruchtbarkeit der Erde. Hier ist es die Vereinigung von Margreth/Janet mit Tam Lin.
Vorsichtshalber sei erwähnt, dass es auch eine in Schottland beheimatete heilige Margareta gibt, die im 11. Jhdt. als Königin von Schottland eine selbstlose Wohltäterin gewesen war und im 12. Jhdt. heilig gesprochen wurde. Diese schottische Heilige war übrigens eine Schwiegertochter des Königs, der von MacBeth ermordet worden war, und soll ihren Mann davon abgebracht haben, ewige blutige Rache an den MacBeth’s zu nehmen.

Wir diskutierten auch über die Besonderheiten keltischer Märchen, den Begriff “Elfen” bzw “Feen” und die keltischen Feste sowie deren Bezug zu Halloween und Allerheiligen.

Rosemarie Flückiger, Erna Dudensing, Eliane Tobler und Amanda Gasser erzählten in der Folge weitere spannende, herzerwärmende, fröhliche und manchmal auch unheimliche Geschichten.

Samhain und der keltische Jahreskreis

Vorbemerkung: Die Sache mit den keltischen Festen ist kompliziert. Das Folgende ist meine Wahrnehmung der vielen Varianten und Erklärungen. Es gibt auf jeden Fall einige kompetente Expert/innen und Kenner/innen, die Fundierteres aussagen.

Samhain und der keltische Jahreskreis

Es fällt auf, dass der keltische Jahreskreis sich weniger an der Sonne orientiert (Sonnwenden, Tag-und-Nacht-Gleichen), sondern um etwa 45 Grad dagegen verschoben ist. Die keltischen Jahresfeste sind also vermutlich Jahreszeitenfeste, die markante Daten im Jahreskreislauf der Bestellung der Felder, Säen, Ernten usw. feiern. Diese Feste einer Agrar-Kultur wurden mit mythologischen Begebenheiten und der Verehrung entsprechender Götter verbunden. Entsprechend dem ewigen Werden und Vergehen in der Natur gibt es nicht einen eigentlichen Jahresbeginn (je nach Kalender markieren Samhain oder Beltane einen Jahresanfang). Typisch ist, dass hier die Natur den Takt für die Feste vorgibt.

Die genaue Datierung der vier Feste erfolgte ursprünglich nach dem Mondkalender. Samhain z.B. am 11. Neumond nach der Wintersonnwende. Aus praktischen Gründen wurden die Feste aber erst mit der Zeit fixiert [1].

Samhain am 31. Oktober/1. November markiert das Ende des Sommers bzw. den Anfang des Winters. Es ist ein Fest für die Erdgottheiten, deren Ruhezeit jetzt beginnt.

An Samhain und in der Nacht davor ist bildlich gesprochen der Schleier zwischen unserer Welt und den Anderswelten besonders dünn. Da in der Nacht vor Samhain die Elfen oder allgemein Wesen der Anderwelt unterwegs sind, ist es ratsam, sich zu verkleiden, um nicht erkannt oder nicht als «Schönheit» entdeckt zu werden. Geschnitzte Kürbisse (oder Runkelrüben) sollen Haus und Hof schützen.

Es gibt zahlreiche Mythen um Samhain, die hier nicht weiter erwähnt werden sollen. In der christlich-neuheidnischen Umdeutung wurde Samhain zu einem Fest des Sterbens, des Todes, dem Dunklen; sozusagen zum Gegenpol von Beltane.

Halloween entspricht ursprünglich Samhain und wurde wohl von den irischen Einwanderern nach USA gebracht. Von dort aus wurde es zum kommerziellen Erfolg in der ganzen westlichen Welt.

Allerheiligen am 1. November dürfte für einmal nicht eine Christianisierung eines vorchristlichen Festes sein. Allerheiligen wurde unabhängig davon im Mittelalter in Italien eingeführt und sollte ein Tag des Gedenken an alle Heiligen werden.

Allerseelen am 2. November würde durch die Verbindung mit der Welt der Toten schon eher zu Samhain passen. Es ist kein Wunder, dass Allerseelen in vielen Ländern und Kulturen mit vorchristlichen Gedenkritualen für die Verstorbenen kombiniert wird. Allerseelen stemmt ebenfalls aus dem Mittelalter, wurde aber erst in der Neuzeit zu einem offiziellen kirchlichen Fest.

Noch ein paar Worte zur Aussprache. Vorbemerkung: Die Gesetz-mässigkeiten der gälischen Aussprache habe ich bis heute absolut nicht verstanden. Dazu kommen viele regionale Dialekte und die Versuche einer Übertragung in die englische Hochsprache. Immerhin: Zumeist ist der Akzent auf der ersten Silbe.

Samhain: irisch-gälisch etwa wie «Sauenj» (leicht nasal gesprochen, wobei das «e» fast wie ein «i» tönt);  schottisch-gälisch ist etwas einfacher: «Saawin».

Imbolc (1. Februar): etwa wie «Imbolg».
Fest der Erwartung des Frühlings. Hat mit den Schafen zu tun (Milchgebung für die Jungen). Auch ein Reinigungsfest und ein Lichterfest.

Beltane (1. Mai): etwa wie «Baltenje» oder «Balteine».
Beginn der warmen Jahreszeit und damit der Feldarbeit. Fest der Erneuerung.

Lughnasadh (1. August): wie «Lugnasad», wobei das «d» am Ende dem stimmlosen englischen Lispel-«th» entspricht. Der Akzent kann auch auf der 2. Silbe sein, weil es sich um ein zusammengesetztes Wort handelt. Beginn der Erntezeit (Herbst). Gemeinschaftsfest (wie Erntedankfest).

Interessant ist, dass im Gegensatz zu den christlichen Festen die keltischen Jahreszeitenfeste auf der südlichen Halbkugel (von Einwanderern aus ursprünglich keltischen Gebieten) um ein halbes Jahr verschoben, also im Einklang mit den Jahreszeiten gefeiert werden.

[1]     … im Gegensatz zu unseren Frühlingsfesten, deren Termine von Fasnacht bis Pfingsten nach dem Mondkalender festgelegt werden 😉.

Ein traumhafter Abend beim Spalentor Basel

Basler Erzählkreis, Treffen vom 18. Oktober 2024, 19-22 Uhr

16 engagierte Märchenwirkende trafen sich in der gastfreundlichen Buchhandlung „Ganzoni“ beim sagenumwobenen Spalentor zum Austausch über Märchen vom Träumen und der Kunst des freien Erzählens. Dazu durften wir fünf Märchen hören, vorgetragen mit den unterschiedlichen Erzählstilen. Vielen Dank an Denise, Susanne, Patricia, Rita und Michèle. Drei Erzählende wünschten auch Feedback zu ihrem Erzählen, was wir gerne taten: einerseits was uns besonders gefallen hat, und anderseits was die Erzählende mal als Entwicklungsmöglichkeit ausprobieren könnte. Die Zeit verging im Fluge, so dass alle Lust hatten, eine halbe Stunde länger dran zu bleiben. An den Treffen nehmen immer so 16-20 Märchenwirkende (ist der Begriff schon im Duden?) teil, manche regelmässig und immer kommen auch neue. Es ist eine Freude. Und das „Format“ der Treffen scheint zu stimmen. Ich freue mich schon auf das nächste Treffen im Frühling 2025.

Urs Volkart, Regionalvertreter «Basel und Umgebung» der Schweizerischen Märchengesellschaft.

Ein Kuss für den Basler Märchenkreis

Der Basler Märchenkreis war in der Corona-Zeit eingeschlafen. Mehrere Mitglieder haben aus den verschiedensten Gründen den Märchenkreis verlassen. Unser Stammlokal “Bücherwurm” wurde geschlossen. Den “Verbliebenen” fehlte der Mumm.

Jetzt hat ein Kuss das Dornröschen wieder geweckt: Auf Initiative von Sylvia Diethelm-Seeger sind wir zu dritt aufgestanden: Sylvia, Denise Racine und Urs Volkart. Um den Neuanfang zu markieren (und das Erzählen von Sagen und anderen Geschichten-Arten einzuschliessen) haben wir einen leicht neuen Namen gefunden: Basler Erzählkreis. Es wird ein neues Format geben: Anstelle der monatlichen Versammlungen und gelegentlichen Auftritten des ganzen Kreis’ wollen wir (vorerst) zweimal jährlich ein Treffen von Erzählerinnen und Erzählern aus der Region schaffen. Auch ein neues Stammlokal werden wir ausprobieren: Die Buchhandlung “Ganzoni” am Spalentor. Der Basler Erzählkreis bleibt im Schosse der Schweizerischen Märchengesellschaft SMG.

Text unseres Basler Erzählkreis Flyer:

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Paul Strahm erhält Gertrud-Hempel-Volkserzähler-Preis 2012

Anlässlich des internationalen Märchenkongresses “Bergwelt” der EMG und der SMG erhielt der Nordwestschweizer Märchenerzähler Paul Strahm den Gertrud-Hempel-Volkserzähler-Preis 2012.

Berichterstattung in der Basler Zeitung vom 27.09.2012 und in zahlreichen anderen Zeitungen.

Herzliche Gratulation!