Die heilige Martha und der Seedrache Tarasque

Jan Vermeer: Jesus bei Martha und Maria von MagdalaMartha war die Schwester von Lazarus und Maria Magdalena, in deren Haus Jesus häufig zu Gast war. Wir kennen aus den Evangelien zwei Szenen:

  • Die eine, als Martha sich daran stiess, dass sie die ganzen Vorbereitungen für das Gastmahl allein machen musste, während ihre Schwester Maria  Jesus zu Füssen sass und ihn (im wahrsten Sinne des Wortes) anhimmelte. (Gemälde von Jan Vermeer)
  • Die zweite Szene ist die Auferweckung des Bruders Lazarus, drei Tage nach dessen Tod, wo Martha Jesus davor warnte, das Grab zu öffnen, weil Lazarus’ Leiche doch schon ziemlich verjäst sei.

In beiden Szenen erfährt Martha, dass sie ihre starke Verankerung im Praktischen und Physischen durch die höher einzuschätzende Spiritualität ergänzen solle.

Von Martha berichten die Evangelien nichts mehr weiter, dafür erzählt man sich eine schöne Legende mit der Bezwingung eines Drachens, in welcher ihr Sinn fürs Anpacken von Arbeit zum Tragen kommt:

(Mehr Drachenmärchen an meinem nächsten Erzählabend)

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Rundwanderung Holzen – Behlen

Rundwanderung von Holzen (in der Nähe von Kandern) auf den Behlen, einen Hügel südlich des Markgräfler Blauen (Hochblauen).

Route: Von Holzen durch die südwestlich gelegenen Rebberge und dann vom Waldrand an weglos (vielleicht gäbe es auch ein verstecktes Waldweglein) hinauf auf die Krete, die in nordnordöstlicher Richtung zur flachen Kuppe des Behlen führt. Von dort gibt es verschiedene Abstiegsmöglichkeiten auf bequemen Waldsträsschen zu beiden Seiten des Büttentals, vorbei am ehemaligen Steinbruch zurück nach Holzen. Diese Rundwanderung wäre in einer guten Stunde zu machen, wenn nicht unzählige besondere Plätzchen unterwegs zum Verweilen einladen würden.

In der Wiese oberhalb der Rebberge spriesst ein dichter Teppich von Liliengewächsen, die ich leider nicht identifizieren konnte (es ist erst das Kraut sichtbar). Blühen hier Narzissen oder gar wilde Tulpen ? Unten im Büttental sind wir blühenden Narzissen begegnet. Die Hänge des Behlen sind mehrheitlich von Buchen bewachsen, auf den (vermutlich trockenen) Höhen gewinnen die Eichen immer mehr Anteil. Der ganze Wald wirkt sehr jung, es sind uns fast keine dicken alten Bäume aufgefallen.

Der landschaftliche Reiz des Behlen besteht unter anderem in seinen kleinen Kalkfelsen, welche die Erosion als bizarre Denkmäler der Vergangenheit übrig gelassen hat. Sie sind oft stark mit Moos und Efeu überwachsen, und kleine Laubbäume versuchen sich darauf festzusetzen. Eine Reihe von Felsformationen auf der Westrippe des Behlen hat den Namen „Feenfelsen“ bekommen, während menhirartige Steinsäulen bei der Kuppe des Behlen ein natürliches Steinkreis-Labyrinth bilden (mehr »»).

Datum unserer Wanderung: 5. April, im 2009 ist die Vegetation noch sehr im Rückstand im Vergleich zu den letzten Jahren, aber die Frühlingssonne gibt trotz des starken Dunstes schön warm.

Konsumismus

Vorbemerkung: Der folgende Artikel zum Thema Konsumismus ist nicht eine sinngetreue Zusammenfassung des nachstehend referenzierten Artikels, noch nimmt er Bezug auf die entsprechende Primärliteratur, noch entspricht er der Meinung des referenzierten Autors. Vielmehr habe ich meine eigenen Assoziationen zu Aspekten des Wissensmanagements bei der Lektüre des Artikels aufgeführt.

Referenz: Hochstrasser, F. (2009) „Konsumismus in der Schule?”, vpod bildungspolitik Heft 158, S. 34-39.
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Symphony of Peace Prayers

Mt. Fuji nach SonnenuntergangDas gemeinsame Friedensgebet von Vertretern der Weltreligionen, Symphony of Peace Prayers,
findet heuer schon zum fünften mal im Fuji Sanctuary von Byakko Shinko Kai statt. Am 17. Mai 2009 werden neben vielen Tausenden von Teilnehmerinnen und Teilnehmern dieses Jahr Vertreter der folgenden Religionen Reden halten und gemeinsam mit allen beten: Islam (Sufi), Judentum, Christentum (Dominikaner), Shintoismus, Thai-Buddhismus und Zen-Buddhismus.

Zur Symphony of Peace Prayers-Veranstaltung gehört auch die monatliche Welt-Friedensgebet-Zeremonie, in welcher für den Frieden in jedem Land der Erde gebetet wird: Möge Friede auf Erden sein.

Für alle (die grosse Mehrheit), die nicht nach Japan reisen können und wollen, finden Parallelveranstaltungen auf mehreren Kontinenten und in vielen Ländern statt, z.B. in Italien, Spanien, England, Argentinien, Australien und auf den Philippinen (Info »»).

Entsprechend der Erkenntnis, dass alles und alle im Universum miteinander verbunden sind (wir Westler sprechen z.B. vom morphischen Feld, das zumindest die unteren Schwingungsebenen abbildet), und dass die Erde und das ganze Universum sich in einem Entwicklungsprozess befinden, wird das gemeinsame Friedensgebet zu dieser Evolution in positiver Richtung z.B zum Frieden beitragen.

Zahlen im Märchen

Die sieben RabenDie Verwendung der Jahrtausende alten Zahlensymbolik unterstreicht, dass die Märchen 

  1. eine uralte Tradition haben,
  2. etwas allgemein Gültiges aussagen und
  3. wie die Mythen die göttliche Ordnung der Welt darstellen wollen.

Zur Zahlensymbolik und Zahlenmystik (Numerologie) gibt es sehr viel Literatur jeglichen Niveaus. Da die Bedeutung der Zahlen nicht in allen Kulturen genau dieselbe ist, müssen wir in den Märchen (wie bei allen Deutungsversuchen) den kulturhistorischen Kontext beachten. Unsere europäischen Märchen sind natürlich stark geprägt von der jüdisch-christlichen Zahlenmystik, von welcher es ja auch in der Bibel wimmelt.

Beispiele mit möglichen Anwendungen im Märchen:

 1

Einheit, Einzigartigkeit, in der Regel als Ziel des Märchens (Heirat), aber auch als Anfang (Göttlicher Ursprung).

 2

Teilung (unten-oben, Tag-Nacht. Yin-Yang usw.).

 3

Vater-Mutter-Kind, Trinität, eine vollkommene Einheit (oft am Anfang und am Ende eines Märchens); starke Bestätigung.
In den Märchen sehr verbreitet für Wiederholungen (Handlungserfolg erst im 3. Anlauf).

 4

etwas Umfassendes, alles abdeckendes (Die 4 kunstreichen Brüder),
das Irdische (im Gegensatz zur himmlischen Zahl 3).

 5

Pentagramm vor allem in der jüdisch-orientalischen Zahlenmystik als Symbol für den Menschen, selten im Märchen.

 6

noch nicht vollkommen (→ 7), erst die Hälfte von 12;
nicht so oft im Märchen verwendet (Sechse kommen durch die ganze Welt);
Mathematik: 6 ist eine perfekte Zahl 1+2+3=6 und 1x2x3=6.

 7

Vollendung eines wiederholbaren Zyklus’. Vollkommenheit. 3+4=7.
Als Zahl verbreitet in den Märchen (7 Geisslein, Zwerge, Raben, Schwaben; Sieben auf einen Streich usw.)

 12

Heilige Ordnung. Im Altertum war ja das Duodezimalsystem weit verbreitet.

 13

Störung der heiligen Ordnung (Die 13. Fee im Dornröschen).

 40

beliebt für Zeitangaben (40 Jahre entsprechen 1 Generation). Dauer von Prüfungen.

Beliebt sind auch Vielfache dieser Zahlen.

Sehr typisch sind in den Märchen die Wiederholungen, von Ereignissen, Versen usw. Meistens braucht es drei Anläufe bis die Geschichte weitergehen kann.

Ein Märchen wird Realität

Sie hatten einen Traum, eine Vision, mittlerweile ausformuliert:

  • Wir leben, wohnen und arbeiten in einer ganzheitlichen Dorfgemeinschaft mit einer nachhaltigen Sozialstruktur, verbunden durch gemeinsame ökologische, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Werte.
  • Wir pflegen eine weltoffene, gastfreundliche und friedliche Gemeinschaftskultur welche die Unterschiedlichkeit des Einzelnen wertschätzt und zur Selbstverantwortung und persönlicher Entfaltung ermutigt.
  • Wir entwickeln gemeinsam ein waches Bewusstsein und eine liebevolle Achtsamkeit für unsere Mitmenschen und die Natur und verkleinern unseren ökologischen Fussabdruck fortlaufend.
Kurhaus Sennrüti, Degersheim: Aussicht im Winter (Photo: Verein Ökodorf)

Kurhaus Sennrüti, Degersheim: Aussicht im Winter (Photo: Verein Ökodorf)

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Jüdische Märchen und Musik

Synagoge Basel

Synagoge Basel

Basel, 8.März 2009

Aus Anlass des Todestages der Märchenerzählerin Ruth Nordmann organisierte die Schweizerische Märchengesellschaft im Saal der Israelitischen Gemeinde Basel einen wahrhaft märchenhaften Anlass.

Gidon Horowitz und Mitglieder des Basler Märchenkreis’ erzählten jüdische Märchen und Legenden, vornehmlich aus der reichen chassidischen Tradition. Die oft wenig komfortable Lebenssituation der Ostjuden war wohl ein guter Nährboden für Geschichten, die Mut und Hoffnung geben, eine wichtige Funktion, die Märchen ja immer noch haben. Weiterlesen

Gymnasialchor

Aus der Primarschulzeit sind mir keine Erlebnisse vom Singen geblieben ….. 

O FortunaAber gleich zu Beginn der Gymnasialzeit nahm es mich herein. Chor und Orchester des Gymnasiums führten, verstärkt durch die Mädchen einer “höheren Töchterschule”1) die Carmina Burana von Carl Orff (in der Orchesterversion) auf, 1966, also noch zu Lebzeiten Orff’s. Leitung: Robert Boog, der Vater der bekannten Sopranistin Maya Boog. Die Erstklässler-Knabensoprane waren dringend gebraucht. “Amor volat undique etc” sangen wir ohne besondere Hintergedanken. Diese Probenarbeit und Konzerte sind mir noch sehr präsent. Zu den Carmina Burana als Werk ist auch eine starke emotionale Bindung geblieben.

Bild rechts: O Fortuna   
(Die Glücksgöttin Fortuna mit dem Schicksalsrad).  

Und dies Erlebnis hat mich über 40 Jahre, nur unterbrochen durch eine demotivierende Stimmbruchzeit (und eine anti-Schöne-Künste- Pubertätszeit) beim gemeinsamen Singen in grossen und kleine Chören oder Vokalgruppen gehalten.

Sogar mitten in der Maturazeit, mit dem Chemieheft sittsam zwischen den Chornoten versteckt, wurde gesungen und geprobt. War es ein Händel-Werk ? Die Chemie-Matur hat das in der Erinnerung doch überdeckt.

Bild unten: Carl Orff (1895-1982)

Carl Orff1)  So hiessen damals die streng geschlechtergetrennten Mittelschulen für Mädchen in der Stadt Zürich. Das Gymnasium Freudenberg (nomen est omen) war ein reines Knabengymnasium (ohne Nackt-Turnen). Nach Einführung der Koedukation, d.h. der natürlichen Durchmischung von Mädchen und Knaben, wurde die Kantonsschule Freudenberg in Kantonsschule Enge umgetauft. Also fertig mit den Freuden, Freunde, jetzt wird’s eng !

Märchenhafte Geschichten

Einige Gedanken zu den verschiedenen Arten von märchenhaften Geschichten:

Titelbild Brüder Grimm KHM

Volksmärchen

Bei einem typischen Volksmärchen gibt es keine/n Urheber/in. Manchmal kann man seine Motive  weit zurückverfolgen und sie in den spärlichen Aufzeichnungen von Geschichten aus der Zeit der alten Ägypter und Assyrer wiederfinden. Aus den meisten Kulturen der Welt fehlen uns frühe schriftliche Zeugnisse.

Selbst wenn ein Erstautor ausfindig gemacht werden könnte, die Evolution eines Märchens geschah und geschieht kontinuierlich und schnell: Märchen verbreiten sich in neue Kulturkreise und erhalten neue „Gewänder“ oder gar neue Motive. Märchenerzählerinnen legen ihre eigenen Schwerpunkte, kombinieren Motive aus verschiedenen Märchen. Neue Märchen entstehen so und verbreiten sich oder gehen vergessen. Der „Autor“ eines Volksmärchens ist also gewissermassen „das Volk“.

Obwohl ein Urhebertum für Volksmärchen nicht gegeben ist, würdige ich an Erzählanlässen oder in schriftlichen Beiträgen die grossen Sammler und Bearbeiter von Märchen als Quellenangabe. Ihnen ist es zu verdanken, dass die mündlich überlieferten Märchen eine literarische Form erhalten haben und auf diese Weise sich in den Stuben der Bürger, die Lesen und Schreiben konnten, trotz derer Entfremdung vom Volksgut etablierten. Märchen als Lesestoff waren und sind attraktiv, auch weil sie kurz, unterhaltsam, fantasieanregend sind und glücklich enden.

Hans im Glück (Märchenbrunnen Friedrichshain Berlin)Die mündliche Tradition der Märchen verlagerte sich mit der Zeit zubehmend in die unteren sozialen Schichten. Damit erklären manche Märchenforscher/innen die starke Betonung des Erfolgswegs der „Armen“ und „Dummen“. Allerdings handelt es sich auch bei den Armen und Dummen oft um Königskinder (symbolisch für „in ihrem Ursprung vollkommene Wesen“), die einen Weg zur Wiedererlangung der Einheit suchen und finden. Märchen sind – auf welcher Ebene auch immer betrachtet – Utopien des Glücks.

Die Aufgaben, welche die Märchenheldinnen und Märchenhelden zu lösen haben, sind zumeist „unlösbar“ und oft mit Todesdrohungen verbunden. Die modernen Motivationstheorien und Coachingtechniken würden hier gar nicht helfen. Die Aufgaben erweisen sich aber als lösbar, weil genau (und oft erst) im richtigen Moment diejenigen Hilfen und Mittel zur Verfügung stehen, die dann nötig sind. Diese Zuversicht unter anderem macht Märchen zu einem idealen Lebensbegleiter.

Weibliche Gestalten, Märchenheldinnen sind statistisch häufiger als männliche. Man könnte spekulieren, ob das mit den Wurzeln der Märchenmotive in den matriarchalen Kulturen und Zeitaltern in Zusammenhang steht. Allerdings sind auch „die Bösen“ oft weiblich. „Als abgewandelte Gute“ (Mutter→böse Mutter/Stiefmutter, weise Frau→Hexe usw.) spiegeln sie vielleicht die Verteufelung des göttlichen Weiblichen in den darauffolgenden patriarchalen Zeitaltern.

Rotkäppchen (G.Doré)Zaubermächtige oder allwissende Helferwesen und die entsprechenden hilfreichen Wundermittel sind in den Zaubermärchen etwas Selbstverständliches. Entsprechend selbstverständlich gehen die Märchenheldinnen und Märchenhelden damit um. Typisch ist auch das Eingreifen nicht menschlicher Gewalten bis hinein in den Alltag, der Auftritt archetypischer Gestalten (Zwerge, Riesen, Feen, Hexen, Drachen), redender Tiere, vezauberter Menschen in Pflanzen- und Tiergestalt.

Für die in „social correctness“ erzogenen Erwachsenen ist ein weiteres typisches Element der Volksmärchen, die Belohnung der/des Guten – Bestrafung oder gar Vernichtung der/des Bösen manchmal fast unerträglich.

Im Volksmärchen erfahren wir – im Gegensatz zu einem Kunstmärchen – wenig über die Gefühle der Märchenheldinnen und Märchenhelden. Auch die Überlegungen und Pläne, die zu einem bestimmten Handeln führen, bleiben oft verborgen. Sie zweiflen nie und wundern sich selten über das was ihnen zuteil wird. Die Märchenheldinnen und Märchenhelden handeln einfach und gehen ihren Weg, meist ja von einigen Irrwegen bestimmt.  Trotzdem bieten die Gestalten des Märchens mancherlei Identifikationsmöglichkeiten und Projektionsflächen, fordern unsere moralischen Denkweisen heraus.

Froschkönig (W. Crane)Der Auftritt nicht menschlicher Gewalten in den Alltag und die Verwendung von Zauberkräften weist darauf hin, dass im Märchen die Grenzen zwischen der sogenannten Realität und dem „Wunderbaren“ aufgehoben sind. Es geht nicht „normal“ zu und her. Volksmärchen haben eine Vorliebe für Extreme und Übertreibungen. Eine Kausalität in unserem Sinne scheint es nicht zu geben. Das – zumindest für das Erwachsenenbewusstsein – Unglaubliche und Unwahrscheinliche wird als selbstverständlich integriert.

Bei den Volksmärchen werden Zaubermärchen und Schwankmärchen unterschieden. Ich will im Moment nicht mehr darüber schreiben – die Bezeichnunen sagen ja schon einiges aus.

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Kunstmärchen

Kleine Meerjungfrau (H.C.Andersen)

Kunstmärchen beginnen sich erst anfangs 19. Jhdt zu entwickeln. Dichter schaffen bewusst neue Märchengeschichten, unter Verwendung der Symbolik und typischen Strukturelementen von Volksmärchen. Die für den Dichter charakteristische Sprache wird mit der Sprache tradierter Märchen gemischt. Die Gestalten sind oft psychologisch feiner gezeichnet. Beim Leser oder Zuhörer werden stärker Gefühle provoziert. An die Stelle des des derben Humors eines Schwankmärchens tritt feine Ironie, Satire und nicht selten explizite Gesellschaftskritik. In der Regel haben die Kunstmärchen auch eine klare „erzieherische“ Botschaft. Schön sind die Kunstmärchen alleweil.

Bekannte Märchendichter sind bei uns Hans Christian Andersen und Wilhelm Hauff. In der Epoche der Romantik haben nach J.W. von Goethe fast alle bekannten Dichter Kunstmärchen geschrieben. Kunstmärchen wurzeln viel Stärker als die Volksmärchen in den geistigen und moralischen Strömungen ihrer Entstehungszeit (Romantik, Bürgertum). Heutige Märchendichter/innen stehen wie etwa Manfred Kyber stark in dieser Tradition oder versuchen wie Anni Swan die Erzählweise alter Volksmärchen zu aufzunehmen.

Die Märchensammlungen der “klassischen” Autorinnen und Autoren (Brüder Grimm, Straparola, Basile, d’Aulnoy usw.) sind auch nicht einfach schriftliche Protokolle von mündlichen Erzählungen. Alle diese Autorinnen und Autoren haben ihre Märchen intensiv bearbeitet und gestaltet, inhaltlich und sprachlich. In letzter Konsequenz muss man also auch diese Märchensammlungen als Kunstmärchen bezeichnen.

Le corbeau et le Renard[Zurück zum Anfang]


Fabeln

sind witzige bis komische Gleichnisse. Das Typische in den Fabeln sind Tiere, die wie Menschen reden und sich verhalten. Die Tiere treten stellvertretend für Menschen auf und erlauben so mit etwas verfremdender Distanz Kritik an den Menschen. Fabeln enthalten immer eine abschliessende Moral, praktische Lebensweisheiten oder auch handfeste Gesellschaftskritik. Fabeln sind wegen ihrer Moral und Lebensweisheit auch typischer Schulstoff. Wer hat nicht in seiner Schulkarriere rezitiert “Maître Corbeau, sur un arbre perché, tenait en son bec un fromage. Maître Renard, …” ?!

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Ellesmere Handschrift

Sagen

Sagen haben einen engeren Bezug zur für alle nachprüfbaren Wirklichkeit. Sei nehmen Bezug auf bestimmte Orte, Begebenheiten oder historische Personen, was ihre Wahrheit beglaubigen soll. In den Sagen sind meist historische Kerne verborgen, die zum Beispiel auch den Geschichtsforschern Hinweise auf sonst nirgends dokumentierte Facts geben können. Man könnte die Sagen als eine Art volkstümliche Geschichtsschreibung betrachten, die besondere Ereignisse aus der Sicht der betroffenen Menschen darstellen. Manchmal soll auch einfach etwas „erklärt“ werden (auf die „grossen Fragen“ geben dann allerdings die Mythen Antwort). Sagen erzählen von der Auseinandersetzung mit der Umgebung, der Natur, der historischen Realität oder der Anderswelt. Im Gegensatz zum Märchen ist das Übernatürliche zwar auch allgegenwärtig, aber eher Angst einflössend als hilfreich. Die Sagenheldinnen und Sagenhelden gehen selten als strahlende Gewinner aus den Begegnungen mit dem Übernatürlichen hervor. Das erlösende Happy end ist in den Sagen kein Standard.

Meine Blog-Beiträge zum Thema Sagen.

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Mythen

Michelangelo Sixtina Erschaffung Adams 

Mythen liefern religiöse Erklärungen für „die Welt“. Statt menschlicher Heldinnen und Helden treten Gottheiten und Halbgötter auf. Menschen erscheinen eher als Marionetten oder stellvertretende Akteure auf der Erde.

Typische Fragestellungen, die Mythen beantworten sind: „Wie entstand die Welt ?“ „Woher kommt das Böse ?“ Warum gibt es das Weibliche und das Männliche ? (und andere Gegensatzpaare wie hell und dunkel, flüssig und fest, usw.). Mythen sind heilige Erzählungen, die ja auch eine Grundlage der heiligen Bücher aller Religionen bilden.

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Legenden

sind religiös geprägte Erzählungen, die aus dem Leben bestimmter Personen (z.B. der Heiligen) erzählen. Sie sollen oft eine erzieherische Wirkung erzeugen oder religiöse Dogmen „beweisen“.

Meine Blog-Beiträge zum Thema Legenden.

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Sinngeschichten

(noch kein Text zu Sinngeschichten) [Zurück zum Anfang]


Novellen mit Märchenmotiven und -symbolik

(noch kein Text dazu) [Zurück zum Anfang]