Märchenhafte Geschichten

Einige Gedanken zu den verschiedenen Arten von märchenhaften Geschichten:

Titelbild Brüder Grimm KHM

Volksmärchen

Bei einem typischen Volksmärchen gibt es keine/n Urheber/in. Manchmal kann man seine Motive  weit zurückverfolgen und sie in den spärlichen Aufzeichnungen von Geschichten aus der Zeit der alten Ägypter und Assyrer wiederfinden. Aus den meisten Kulturen der Welt fehlen uns frühe schriftliche Zeugnisse.

Selbst wenn ein Erstautor ausfindig gemacht werden könnte, die Evolution eines Märchens geschah und geschieht kontinuierlich und schnell: Märchen verbreiten sich in neue Kulturkreise und erhalten neue „Gewänder“ oder gar neue Motive. Märchenerzählerinnen legen ihre eigenen Schwerpunkte, kombinieren Motive aus verschiedenen Märchen. Neue Märchen entstehen so und verbreiten sich oder gehen vergessen. Der „Autor“ eines Volksmärchens ist also gewissermassen „das Volk“.

Obwohl ein Urhebertum für Volksmärchen nicht gegeben ist, würdige ich an Erzählanlässen oder in schriftlichen Beiträgen die grossen Sammler und Bearbeiter von Märchen als Quellenangabe. Ihnen ist es zu verdanken, dass die mündlich überlieferten Märchen eine literarische Form erhalten haben und auf diese Weise sich in den Stuben der Bürger, die Lesen und Schreiben konnten, trotz derer Entfremdung vom Volksgut etablierten. Märchen als Lesestoff waren und sind attraktiv, auch weil sie kurz, unterhaltsam, fantasieanregend sind und glücklich enden.

Hans im Glück (Märchenbrunnen Friedrichshain Berlin)Die mündliche Tradition der Märchen verlagerte sich mit der Zeit zubehmend in die unteren sozialen Schichten. Damit erklären manche Märchenforscher/innen die starke Betonung des Erfolgswegs der „Armen“ und „Dummen“. Allerdings handelt es sich auch bei den Armen und Dummen oft um Königskinder (symbolisch für „in ihrem Ursprung vollkommene Wesen“), die einen Weg zur Wiedererlangung der Einheit suchen und finden. Märchen sind – auf welcher Ebene auch immer betrachtet – Utopien des Glücks.

Die Aufgaben, welche die Märchenheldinnen und Märchenhelden zu lösen haben, sind zumeist „unlösbar“ und oft mit Todesdrohungen verbunden. Die modernen Motivationstheorien und Coachingtechniken würden hier gar nicht helfen. Die Aufgaben erweisen sich aber als lösbar, weil genau (und oft erst) im richtigen Moment diejenigen Hilfen und Mittel zur Verfügung stehen, die dann nötig sind. Diese Zuversicht unter anderem macht Märchen zu einem idealen Lebensbegleiter.

Weibliche Gestalten, Märchenheldinnen sind statistisch häufiger als männliche. Man könnte spekulieren, ob das mit den Wurzeln der Märchenmotive in den matriarchalen Kulturen und Zeitaltern in Zusammenhang steht. Allerdings sind auch „die Bösen“ oft weiblich. „Als abgewandelte Gute“ (Mutter→böse Mutter/Stiefmutter, weise Frau→Hexe usw.) spiegeln sie vielleicht die Verteufelung des göttlichen Weiblichen in den darauffolgenden patriarchalen Zeitaltern.

Rotkäppchen (G.Doré)Zaubermächtige oder allwissende Helferwesen und die entsprechenden hilfreichen Wundermittel sind in den Zaubermärchen etwas Selbstverständliches. Entsprechend selbstverständlich gehen die Märchenheldinnen und Märchenhelden damit um. Typisch ist auch das Eingreifen nicht menschlicher Gewalten bis hinein in den Alltag, der Auftritt archetypischer Gestalten (Zwerge, Riesen, Feen, Hexen, Drachen), redender Tiere, vezauberter Menschen in Pflanzen- und Tiergestalt.

Für die in „social correctness“ erzogenen Erwachsenen ist ein weiteres typisches Element der Volksmärchen, die Belohnung der/des Guten – Bestrafung oder gar Vernichtung der/des Bösen manchmal fast unerträglich.

Im Volksmärchen erfahren wir – im Gegensatz zu einem Kunstmärchen – wenig über die Gefühle der Märchenheldinnen und Märchenhelden. Auch die Überlegungen und Pläne, die zu einem bestimmten Handeln führen, bleiben oft verborgen. Sie zweiflen nie und wundern sich selten über das was ihnen zuteil wird. Die Märchenheldinnen und Märchenhelden handeln einfach und gehen ihren Weg, meist ja von einigen Irrwegen bestimmt.  Trotzdem bieten die Gestalten des Märchens mancherlei Identifikationsmöglichkeiten und Projektionsflächen, fordern unsere moralischen Denkweisen heraus.

Froschkönig (W. Crane)Der Auftritt nicht menschlicher Gewalten in den Alltag und die Verwendung von Zauberkräften weist darauf hin, dass im Märchen die Grenzen zwischen der sogenannten Realität und dem „Wunderbaren“ aufgehoben sind. Es geht nicht „normal“ zu und her. Volksmärchen haben eine Vorliebe für Extreme und Übertreibungen. Eine Kausalität in unserem Sinne scheint es nicht zu geben. Das – zumindest für das Erwachsenenbewusstsein – Unglaubliche und Unwahrscheinliche wird als selbstverständlich integriert.

Bei den Volksmärchen werden Zaubermärchen und Schwankmärchen unterschieden. Ich will im Moment nicht mehr darüber schreiben – die Bezeichnunen sagen ja schon einiges aus.

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Kunstmärchen

Kleine Meerjungfrau (H.C.Andersen)

Kunstmärchen beginnen sich erst anfangs 19. Jhdt zu entwickeln. Dichter schaffen bewusst neue Märchengeschichten, unter Verwendung der Symbolik und typischen Strukturelementen von Volksmärchen. Die für den Dichter charakteristische Sprache wird mit der Sprache tradierter Märchen gemischt. Die Gestalten sind oft psychologisch feiner gezeichnet. Beim Leser oder Zuhörer werden stärker Gefühle provoziert. An die Stelle des des derben Humors eines Schwankmärchens tritt feine Ironie, Satire und nicht selten explizite Gesellschaftskritik. In der Regel haben die Kunstmärchen auch eine klare „erzieherische“ Botschaft. Schön sind die Kunstmärchen alleweil.

Bekannte Märchendichter sind bei uns Hans Christian Andersen und Wilhelm Hauff. In der Epoche der Romantik haben nach J.W. von Goethe fast alle bekannten Dichter Kunstmärchen geschrieben. Kunstmärchen wurzeln viel Stärker als die Volksmärchen in den geistigen und moralischen Strömungen ihrer Entstehungszeit (Romantik, Bürgertum). Heutige Märchendichter/innen stehen wie etwa Manfred Kyber stark in dieser Tradition oder versuchen wie Anni Swan die Erzählweise alter Volksmärchen zu aufzunehmen.

Die Märchensammlungen der “klassischen” Autorinnen und Autoren (Brüder Grimm, Straparola, Basile, d’Aulnoy usw.) sind auch nicht einfach schriftliche Protokolle von mündlichen Erzählungen. Alle diese Autorinnen und Autoren haben ihre Märchen intensiv bearbeitet und gestaltet, inhaltlich und sprachlich. In letzter Konsequenz muss man also auch diese Märchensammlungen als Kunstmärchen bezeichnen.

Le corbeau et le Renard[Zurück zum Anfang]


Fabeln

sind witzige bis komische Gleichnisse. Das Typische in den Fabeln sind Tiere, die wie Menschen reden und sich verhalten. Die Tiere treten stellvertretend für Menschen auf und erlauben so mit etwas verfremdender Distanz Kritik an den Menschen. Fabeln enthalten immer eine abschliessende Moral, praktische Lebensweisheiten oder auch handfeste Gesellschaftskritik. Fabeln sind wegen ihrer Moral und Lebensweisheit auch typischer Schulstoff. Wer hat nicht in seiner Schulkarriere rezitiert “Maître Corbeau, sur un arbre perché, tenait en son bec un fromage. Maître Renard, …” ?!

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Ellesmere Handschrift

Sagen

Sagen haben einen engeren Bezug zur für alle nachprüfbaren Wirklichkeit. Sei nehmen Bezug auf bestimmte Orte, Begebenheiten oder historische Personen, was ihre Wahrheit beglaubigen soll. In den Sagen sind meist historische Kerne verborgen, die zum Beispiel auch den Geschichtsforschern Hinweise auf sonst nirgends dokumentierte Facts geben können. Man könnte die Sagen als eine Art volkstümliche Geschichtsschreibung betrachten, die besondere Ereignisse aus der Sicht der betroffenen Menschen darstellen. Manchmal soll auch einfach etwas „erklärt“ werden (auf die „grossen Fragen“ geben dann allerdings die Mythen Antwort). Sagen erzählen von der Auseinandersetzung mit der Umgebung, der Natur, der historischen Realität oder der Anderswelt. Im Gegensatz zum Märchen ist das Übernatürliche zwar auch allgegenwärtig, aber eher Angst einflössend als hilfreich. Die Sagenheldinnen und Sagenhelden gehen selten als strahlende Gewinner aus den Begegnungen mit dem Übernatürlichen hervor. Das erlösende Happy end ist in den Sagen kein Standard.

Meine Blog-Beiträge zum Thema Sagen.

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Mythen

Michelangelo Sixtina Erschaffung Adams 

Mythen liefern religiöse Erklärungen für „die Welt“. Statt menschlicher Heldinnen und Helden treten Gottheiten und Halbgötter auf. Menschen erscheinen eher als Marionetten oder stellvertretende Akteure auf der Erde.

Typische Fragestellungen, die Mythen beantworten sind: „Wie entstand die Welt ?“ „Woher kommt das Böse ?“ Warum gibt es das Weibliche und das Männliche ? (und andere Gegensatzpaare wie hell und dunkel, flüssig und fest, usw.). Mythen sind heilige Erzählungen, die ja auch eine Grundlage der heiligen Bücher aller Religionen bilden.

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Legenden

sind religiös geprägte Erzählungen, die aus dem Leben bestimmter Personen (z.B. der Heiligen) erzählen. Sie sollen oft eine erzieherische Wirkung erzeugen oder religiöse Dogmen „beweisen“.

Meine Blog-Beiträge zum Thema Legenden.

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Sinngeschichten

(noch kein Text zu Sinngeschichten) [Zurück zum Anfang]


Novellen mit Märchenmotiven und -symbolik

(noch kein Text dazu) [Zurück zum Anfang]


MartinVoice

MartinVoice – A Capella Circle Songs

Ich habe wieder einmal Lust regelmässig mit anderen zusammen zu singen. Ich versuche es mit einer Saison „VoicEmble“ bei Martin von Rütte.

Bobby McFerrinGut 20 Frauen und Männer, verschiedenen Alters, aber im Durchschnitt nicht weit von mir weg, begeisterungsfähig und experimentierfreudig, auch einige treue Fans von Martin sind dabei.

Bild: Bobby McFerrin, der in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts “Circle Songs” aufbrachte. 

Was mir gefällt: rhythmisch aktives Singen, immer wieder überraschendes sich einstellen auf neue Situationen und Melodie-Patterns, grosse Konzentration erforderlich bei gleichzeitigem Gelöstsein, ganz bei mir und gleichzeitig aufmerksam bei allen anderen sein, kleine Improvisationsschnipsel, ausprobieren erlaubt, viel Interaktion mit Partnern, Gruppen.

Ein Unterschied zur normalen Chorprobe: keine langen Pausen für Stimmenrepetitionen (wie in normalen Chören), viel Lachen, wenig Geschnorr dazwischen, 2 Stunden intensiv singen (mit kurzer Pause).

Mit einem Event in der Stadtkirche endet de VoicEmble-Aktion. Es war eine Super-Sache. Halte Ausschau nach dem Unterrichts-Programm im nächsten Herbst !


Schlitztrommeln

Schlitztrommeln sind eine über die ganze Welt verbreitete Form von Holztrommeln ohne Fellmembran oder dergleichen.

Schlitztrommel

Als raffinierte Objekte mit zahlreichen Tonhöhen auf einer Schlitztrommel gibt es auch moderne Varianten.

In einem mehr oder weniger ausgehöhlten Holzstück befindet ein Schlitz. Ein heller glockiger Klang erklingt, wenn man die Schlitztrommel mit einem Holzstöcklein schlägt.

Mit mehreren Schlitzen erzeugt man Zungen und somit verschiedene Klanghöhen, welche die Schlitztrommeln in die Nähe eines Melodieinstrumentes rücken.

Ich habe afrikanische Schlitztrommeln erst kürzlich kennen gelernt. Es macht Spass, darauf zu spielen. Neben dem Halten des Rhythmus-Musters gilt es die Klanghöhen und Klangfarben richtig einzusetzen.

Text von der Website des “modernen” Schlitztrommelnbauers Ruedi Manser:

Philosophie der Schlitztrommel

Auf Holz schlagen, Botschaften vermittlen waren bei unseren Vorfahren eine wichtige Kommunikationsform. Man kann durchaus sagen, das waren unsere ersten Telephone.

Wenn dann das Holz noch ausgehöhlt wird, kommen die Klänge noch stärker hervor. Die Schlitztrommeln sind geboren. Jedes Holz hat einen anderen Ton. Wenn ich denke wieviel Holz es gibt auf dieser Erde, dann gehts mir gut. Der warme Holzton spricht etwas Tiefes in uns an. Schlitztrommeln aus meiner Werkstatt haben immer die ursprüngliche organische Form des Baumes oder Baumteils. Es gibt dadurch nur Originale.

Die klassische Form einer Schlitztrommel ist ein geschlossener Hohlkörper.  Aus dieser Form bin ich zum Teil ausgebrochen und fing an das Holz auch von der Seite (Stirn) einzuschneiden. Das Holz hinter den Einschnitten ist massiv und zugleich Resonanzverstärker.

Die Gänsehirtin am Brunnen

Die Gänsehirtin am Brunnen (Gemälde von Georg Mayer-Franken, Pfalzmuseum Forchheim)In der Sammlung der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm findet sich eine immer wieder verblüffend breite Palette von Geschichten. Wilhelm Grimm, dessen Tod sich 2009 zum 150. mal jährt, hat die meisten Märchen intensiv sprachlich und oft auch inhaltlich überarbeitet, aber offenbar auch bewusst gewisse stilistische Eigenheiten der Vorlagen bewahrt.

Im Märchen KHM 179 “Die Gänsehirtin am Brunnen (» Text)” wechselt mehrmals die Erzählperspektive, fast wie in einem Film: Wir folgen zuerst den Erlebnissen des Grafen mit der alten Frau; dann erfahren wir aus dem Munde der Königin in der Rückschau (auch das stilistisch selten in einem Volksmärchen) die Geschichte ihrer jüngsten Tochter; jetzt “schwenkt die Kamera life” zu eben dieser Tochter bei der alten Frau; am Ende begleiten wir erneut den Grafen bis zur glücklichen Vereinigung und Erlösung. Und auch der Märchenerzähler mischt sich noch in der “ich”-Form ein, wie das sonst eher in mediterranen oder orientalischen Märchen verbreitet ist.

Zur Märchenbetrachtung »».

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Wie würdest Du damit umgehen ?

Wie würdest Du damit umgehen ?

Du bist israelische Jüdin, verheiratet mit einem Araber, wohnst in einem friedlichen Dorf, weitgehend in Sicherheit. Deine Kinder gehen ins Gymnasium, in der von der Hamas mit Raketen beschossenen Zone.

 

Dein Bruder ist aktiv in der Hilfsorganisation „Physicians for Human Rights“, welche arabischen Bewohner(inne)n Palästinas im bürokratischen und diskriminierend eingestellten Israel zu ihren verfassungsmässigen Rechten verhilft und auch regelmässig die palästinensische Bevölkerung medizinisch versorgt.

 

Sein Sohn, dein Neffe, den Du gern hast, kämpft zurzeit in der israelischen Armee an der Front im Gazakrieg gegen die Palästinenser.

 

Und jetzt ?

Märchenzeit 2009

Vollmond

Vollmond

zitiert von der Website der Mutabor Märchenstiftung:

Die Mutabor Märchenstiftung lädt ein zur Märchenzeit. Zwischen Vollmond, Freitag, 4. September 2009 und Vollmond, Sonntag, 4. Oktober 2009 finden in der ganzen Schweiz und im angrenzenden Ausland Veranstaltungen statt zum Thema „Vom Mond und anderen Himmelsgestirnen”. Tauchen Sie ein in die Welt der Märchen und lauschen Sie den Geschichten von Sonne, Mond und Sternen und was sie zu erzählen haben. Das Programm mit den Märchen-Veranstaltungen wird im Frühling 2009 veröffentlicht.

Ein Projekt der Mutabor Märchenstiftung unter dem Patronat der Schweizerischen UNESCO-Kommission.

Balafon

Balafon-SpielerDas Balafon ist seit dem 12. Jhdt. bezeugt (es existierte sicher schon früher) und gilt als Urahne anderer Stabschlag-Instrumente wie Marimba, Xylofon, Glockenspiel usw.

Das Balafon war/ist ein Instrument des Königshofs.

Die Tradition des Balafon-Spiels ist in Afrika ungebrochen und findet zunehmend Fans in Europa.

Das Balafon besteht aus Klangstäben aus Holz und Kalebassen, die als Resonanzkörper wirken. In die Seiten der Kalebassen sind zwei oder drei fingerdicke Löcher gebohrt, über die z.B. Fledermausflügel geklebt werden (heute auch immer häufiger Zigarettenpapier). Diese Membrane werden durch die Resonanz in Schwingung versetzt, sie beginnen zu surren, was dem Balafon seine typische Klangfarbe gibt. 

Balafon

Ein Balafon kann pentatonisch oder auch mit für europäische Ohren ungewohnten Tonintervallen gestimmt sein.

Ich spiele selber nicht Balafon. Ich höre umso lieber dieser faszinierenden Mischung von Rhythmus, Ostinato und Melodie zu.

Basstrommeln aus Westafrika

Westafrikanische Basstrommeln kommen oft in drei Grössen zum Einsatz:

Kenkeni, Sangba und Dundun (Djun-djun)

Basstromel mit Glocke

Zumeist weisen sie zusätzlich ein Klangholz oder eine Glocke auf.

Basstrommeln werden mit einem Schlagholz / Stöcklein gespielt.

Ihre manchmal einfachen, manchmal komplexen Rhythmus-Muster bilden einen stützenden Klangteppich für Soloinstrumente.

Eine der Basstrommel-Stimmen (z.B. das Kenkeni) übernimmt meistens die Funktion des “Metronoms”.

Basstrommeln sind nicht Solo-Instrumente, verfügen aber über verschiedene Rhythmus-Muster: Grundrhythmus, Echauffement, Frage-Antwort usw.Basstrommeln 

Wenn ich neben dem Djembé auch alle Basstrommel-Stimmen kenne und selber spiele, kann ich mir viel besser die ganze Komposition, die Einsätze der Djembé usw. merken. Im Kopf (oder im Bauch oder wo auch immer spiele ich Basstrommel-Muster mit), auch wenn ich allein im Kämmerlein die Djembé bearbeite.

Neve Shalom – Wahat al-Salam (Besuch)

Logo des Friedensdorfes Neve Shalom – Wahat al-Salam (NSWAS) an der Grenze von Israel zum Westjordanland und am Weg von Tel Aviv nach Jerusalem.

Logo

Ich hatte im Winter 2007/08 von diesem Friedensdorf gelesen, in dem jüdische und arabische Israeli versuchen in Frieden, das heisst in gegenseitiger liebender Akzeptanz, zu leben. Eine Wirklichkeit gewordene Utopie, entgegen den Mainstream-Trends in Israel und den von Arabern bewohnten Gebieten Palästinas. Für die Vorbereitung unserer Ferien in Israel hatte ich mir dann die Koordinaten aus der Website heruntergeladen.Oase des Friedens

Einen guten Einblick in die Vorgeschichte und Entwicklung des Friedensdorfes gibt das spannende Buch von Evi Guggenheim und Eyas Shbeta: “Oase des Friedens. Wie eine Jüdin und ein Palästinenser in Israel in Liebe leben”.

Kurze Beschreibung von Neve Shalom – Wahat al-Salam 

Wie wir dann tatsächlich nach Neve Shalom gekommen sind und was wir dort erleben durften, war schon fast ein Märchen:

Jerusalem, April 2008, ein Dutzend Versuche telefonisch für die nächste Woche in Ashdod ein Auto zu mieten: Musik hören in Endloswarteschlaufen am Telefon, raffiniert verschachtelte „Für …. drücken sie die Taste …“. Endlich, dreimal klappt dann die Verbindung, aber im Computer sind meine Angaben nicht mehr zu finden und die Verbindung kollabiert dann jedesmal mitten in der Aufnahme. 

Chagall-Fenster im Hadassa-Spital Jerusalem/En KeremPlötzlich denken wir beide gleichzeitig (es war auf der Rückfahrt vom Besuch der Synagoge des Hadassah-Spitals, wo uns die wunderschönen grossen Fenster von Chagall fesselten, Bild links): He, warum mieten wir nicht in Jerusalem bereits ein Auto, statt mit dem Bus in den Westen zurückzufahren ? Stadtplan zücken, den richtigen Stadtbus erwischen, die Strasse finden, Nähe King David (siehe nächstes Bild). Freundliche Beratung am Schalter: Warum mieten sie nicht per Internet, gibt 20% Rabatt ! Also letzte Aktion: ab ins Internet-Café – und tatsächlich, alles klappt bestens. Auto haben wir. 

Jerusalem - Blick von der Altstadt zum King David-HotelBild rechts: Neustadt Jerusalem, King David-Hotel.
Aber ohne diese an sich uninteressante Vorgeschichte wären wir nie auf die Idee gekommen, auf dem Vorbeiweg einen Abstecher nach NSWAS zu machen. Mit dem öV ist das sonst ziemlich hoffnungslos. Jetzt dank einer guten Karte kein Problem, auch wenn der israelische Staat sich nicht sonderlich bemüht, den Weg zu einem Friedensdorf gut auszuschildern.

Neve Shalom - Wahat al-Salam von Südwesten her gesehenBild links: Blick auf Neve Shalom von der Zufahrt von Südwesten her.
Natürlich sollte man sich für einen Besuch in NSWAS anmelden, möglichst frühzeitig; unsere Hoffnung ist, dass sich schon irgendwie eine Begegnung ergeben würde, in welcher wir etwas in Erfahrung bringen könnten. Der Wirt des kleinen Cafés mit verlockendem Garten ist ein Araber und ruft nach unseren Fragen laut etwas in arabischer Sprache über den ganzen Platz, wo auf der gegenüberliegenden Seite ein Mann aus einem Gebäude tritt, das wohl das Gemeindehaus ist. Wir begrüssen uns und nachdem die israelische Standard-Gesprächseröffnung „Woher kommst du ?“ die wichtigste Information geliefert hat, stellt sich heraus, dass seine Frau auch Schweizerin ist. Ein Anruf mit dem Mobiletelefon: Ja, sie hat etwas Zeit, nur eine halbe Stunde, weil sie dann eine andere Verpflichtung hat. Wir sind Eyas Shbeta in die Arme gelaufen, arabischer Israeli und seit kurzer Zeit Bürgermeister von NSWAS. Und seine Frau ist Evi Guggenheim aus der Initianten- und  Gründergeneration von NSWAS. Und die zwei haben das Buch „Oase des Friedens“ geschrieben (siehe oben).

So kommen wir auf der Terrasse von Evis und Eyas’ Haus zu Informationen aus allererster Hand und zu einer auch menschlich feinen und bereichernden Begegnung, lernen ihre Töchter (im Schulalter) im kennen. Ausserdem stellt sich heraus, dass ich neben Evis Bruder einige Jahre in Zürich die Schulbank gedrückt habe …

Nachdem aus der geplanten halben Stunde fast zwei intensiven Gesprächs geworden sind, beschliessen wir den Besuch mit einem Rundgang und nehmen die Vision und die Manifestation von Neve Shalom – Wahat al-Salam nach Hause mit. Nicht ahnend, dass ihre nächste Bewährungsprobe mit dem Gazakrieg schon bald folgen wird.