Der Heilige Justus

Rubens, Heiliger Justus

Rubens, Heiliger Justus

Es gibt Dutzende von Heiligen mit diesem Namen. Der berühmteste ist ein Märtyrer aus dem nördlichen Teil von Burgund aus dem 3. Jhdt. pCn., der Regierungszeit des römischen Kaisers Diokletian. Dieser Sankt Justus von Beauvais gehört zum Typ der Kephalophoren, also der Märtyrer, die nach ihrer Enthauptung mit dem Kopf unter dem Arm davonspazierten.

Justus von Beauvais oder Auxerre (je nach Überlieferung) war ein Sohn christlicher Eltern und hatte die Gabe der Weissagung. Sein Onkel mit dem Namen Justinian war als Kind verschleppt und als Sklave verkauft worden. Justus hatte die Eingebung, wo sich sein Onkel Justinian befände und führte seinen Vater nach Amiens, wo sie Justinian gegen Lösegeld befreien konnten.

Auf dem Heimweg wurden sie von den Soldaten des römischen Präfekten verfolgt, weil sie bekennende Christen waren. Als Justus „sah“, dass die Verfolger immer näher kamen, hiess er seinen Vater und dessen Bruder sich in einer Höhle verstecken. Der junge Justus wurde selber gefangen genommen. Als er sich weigerte, das Versteck seiner Verwandten zu verraten und dazu sich noch standhft als Christ bekannte, wurde er enthauptet. Seine Henker flüchteten allerdings in Panik, als der Enthauptete seinen Kopf unter den Arm nahm und davonging.

Es ist mir nicht bekannt, ob es sich beim Patron des Justistales wirklich um eben diesen Heiligen Justus handelt. Hat jemand Lust darüber zu recherchieren ?

In der obigen Heiligenlegende wird von einem Aufenthalt in der Schweiz nichts berichtet. Der Heilige, der mit dem Justistal in Verbindung steht, soll zusammen mit dem Heiligen Beatus in die Thunerseeregion gekommen sein.

Auch zu Beatus gibt es eine Sage von einer verschwundenen Stadt, die Roll hiess und beim heutigen Merligen am Thunersee lag. Roll wurde aus ähnlichen Gründen wie die Stadt auf der Alp Seefeld durch einen Felssturz vernichtet, obwohl die Bewohner von den Zwergen gewarnt waren: „Stadt Roll, zieh us mit dinem Volch! Die spitzi Fluh ist g’spalte; Schlegel u Wegge si g’halte. Zieh us, dem Stampach zue!“

„Wegge“ ist das heute verlorene (?) mittelhochdeutsche Wort „Weck“, das Keil bedeutet und im Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm immerhin noch einen ausführlichen Eintrag erhielt. „Schlegel u Wegge si g’halte“ bedeutet demnach, dass die Zwerge, welche durch Spaltung eines Berges oberhalb von Roll, in ihrer Arbeit mit Schlaghammer und Keil vorübergehend einhielten. Ich habe allerdings auch irgendwo(?) eine Version gelesen, in welcher „g’halte“ mit „erhalten“ übersetzt wurde, was aber keinen Sinn ergibt.

Immerhin soll ein Exemplar des Kopfes des Heiligen Justus von Beauvais in die Schweiz gelangt sein, welches in Flums im St. Galler Seeztal (Danke für den geographischen Hinweis, Justus Bartholet) als Reliquie aufbewahrt sein soll. Der dazugehörige (leere) Reliquien-Behälter befindet sich im Schweizerischen Landesmuseum Zürich. Andere Exemplare seines Kopfes sollenin Corvey an der Grenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sowie in Auxerre, seiner Heimatstadt verehrt werden. Weitere Körperteile des Heiligen Justus sind als Reliquien über halb Mitteleuropa und Frankreich verteilt.

Notre Dame de Paris, Portal, Heiliger Dionysius

Notre Dame de Paris, Portal, Heiliger Dionysius

Ein makabrer Bezug besteht zum französischen Revolutionär Antoine de Saint-Just (Louis Antoine Léon de Saint-Just, 1767-1794), der nicht nur nach Sankt Justus benannt war, sondern von dem auch die folgende Anekdote überliefert ist:

Bekannt war Saint-Just’s nahezu religiöser Fanatismus, was einen Anhänger Dantons zu der Bemerkung veranlasste: „Er trägt seinen Kopf wie ein Heiliges Sakrament“, worauf Saint-Just erwiderte: „Und ich werde dafür sorgen, dass er seinen wie der heilige Dionysius (Saint Denis) trägt“. (Saint Denis de Paris  war auch ein Kephalophor).

2 Gedanken zu „Der Heilige Justus

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