Die drei Muhmen – eine Betrachtung

Die Spinnerin (Vincent van Gogh, 1889)Dieses Märchen hat uns die Märchenerzählerin S. in einer Märchenrunde mit sechs Märchenkolleginnen erzählt in der Version von Rudolf Geiger “Die drei Schwestern der Mutter” . Viele Elemente dieser Betrachtung kristallisierten anschliessend am lauen Maiabend im unserem Garten.

Das Märchen erinnert stark an „Die drei Spinnerinnen“ bei den Brüdern Grimm, KHM 14 und entspricht dem Märchentypus ATU 501.

Die Spinnerin (Vincent van Gogh, 1889)Vincent van Gogh: Die Spinnerin (1889)

Einige Ankerthemen:

  

Es war einmal ein armer Mann, der wohnte in einer Hütte, weit weit weg in einem Walde, und ernährte sich mit der Jägerei. Er hatte eine einzige Tochter, die war ausserordentlich schön. Da aber die Mutter schon früh gestorben, und das Mädchen nun schon halb erwachsen war, sagte sie eines Tages zu ihrem Vater, sie wolle sich bei andern Leuten in Dienst geben, damit sie lernen könne, sich hiernach selbst ihr Brod zu verdienen. »Ja, meine Tochter«, sagte der Vater: »Du hast bei mir freilich nichts Anders gelernt, als Vögel rupfen, aber Du magst es immerhin versuchen, Dir Dein Brod selbst zu verdienen.«

Ausgangssituation: Tochter ist allein beim Vater (Jäger).
Die Mutter fehlt. Sie ist nicht einmal in Gestalt einer Stiefmutter vorhanden.
Das Mädchen erlebt in ihrer Pubertät keine leibliche Mutter. Sie wird sich später dann von der Ersatzmutter (Königin) ablösen müssen.

Entwicklung bis zur Adoleszenz („halb erwachsen“): Sie hat beim Vater nichts anderes gelernt als Vögel zu rupfen. Die Figur des Jägers symbolisiert einerseits ein Leben ohne seelischen Tiefgang (umherstreifen) und anderseits ein sehr „Blut- und Boden-verbundenes“ Leben (Begierden, Triebe) im Wald (Unbewussten). Das Vögel-Rupfen verstärkt diese fehlende Entwicklung noch: Der Vogel als Symbol von seelischen und geistigen Dimensionen, Phantasie usw. wird gerupft (nachdem er vermutlich getötet wurde). Die Einsamkeit der Berghütte verhindert eine Entwicklung und Bewährung der Märchenheldin in der Auseinandersetzung mit anderen Menschen und mit neuen Aufgaben. Gleichzeitig bewahrt diese Abgeschiedenheit die Unschuld (und Reinheit = Schönheit) des Mädchens.

Das Mädchen muss also unbedingt weg vom Vater, um ihr Brot selber zu verdienen, um sich weiter zu entwickeln.

Das Brot steht oft für physische Bedürfnisse (elementaren Hunger stillen), aber auch für Wünsche nach eigenen Lebenserfahrungen und Beziehungen. Brot ist nicht ein rohes Nahrungsmittel, sondern ein verarbeitetes (Teigfermentation, Backen), das neben dem Erdelement „Korn“ auch Wasser, Luft („Aufgehen“) und Feuer („Backen“) enthät. Im Christlichen symbolisiert es (je nach Konfession) den Leib Christi.   Zurück zum Anfang ↑

Das Mädchen ging nun fort, um sich einen Dienst zu suchen, und als sie eine Weile gegangen war, kam sie zu einem Königsschloss; da blieb sie, und die Königinn mochte sie so wohl leiden, dass die andern Dirnen ganz neidisch auf sie wurden. Darum sagten sie eines Tages zu der Königinn, das Mädchen hätte sich gerühmt, ein Pfund Flachs in vier und zwanzig Stunden spinnen zu können; denn sie wussten, die Königinn hielt so viel auf Handarbeiten. »Ja, hast Du das gesagt, so sollst Du es auch«, sagte die Königinn zu ihr: »indessen macht es nichts, wenn Du auch etwas mehr Zeit dazu gebrauchst.«

Das Mädchen begibt sich auf ihre Lebensreise. Nicht wie bei Märchenhelden typisch auf eine lange Reise in ferne Länder, sondern an einen Königshof, der nur „eine Weile“ Weges entfernt liegt. Allerdings dürfte der betriebige, menschenreiche Königshof für das Mächen aus der einsamen Jägerhütte weit oben in den Bergen schon ein Kulturschock gewesen sein.

Am Königshof (Königinnenhof) wird sie von den neidischen übrigen Dienstleuten gemobbt. Sie wollen bewusst die Vernichtung der Märchenheldin. Und das Mobbing zielt auf ihre Schwachstelle: eingeschränkte Kenntnisse weiblicher Hausarbeit. Dies ist eine originelle Variante des Märchentypus: Üblicherweise wird das Mädchen von jemandem, der/die einfach blufft, ihr aber nicht übel gesinnt ist, in die schwierige Situation gebracht. Ein weiterer Unterschied zu vielen anderen Varianten: Das Mädchen ist nicht etwa zu faul oder zu stolz für die „Textilarbeit“, sondern hat dies einfach nie lernen können (beim Vater). Zur Bedeutung derTextilarbeit als „Lebenswerk“ siehe unten.  Zurück zum Anfang ↑

Spinnerin in Balkantracht (Postkarte um 1916)Das arme Mädchen wagte nicht, zu sagen, dass sie niemals gesponnen hätte, sondern bat nur um eine Kammer für sich allein; die bekam sie denn auch, und man brachte ihr einen Spinnrocken und Flachs. Da sass sie nun und war betrübt und weinte und konnte sich gar nicht rathen. Sie stellte den Rocken vor sich hin und kehrte und drehte ihn, aber sie wusste ganz und gar nicht, wie sie’s anfangen sollte; denn sie hatte nie zuvor in ihrem Leben nur einmal einen Spinnrocken gesehen.

Als sie nun so betrübt da sass, trat eine alte Frau zu ihr ein. »Was fehlt Dir, mein Kind?« fragte sie. »Ach«, antwortete das Mädchen: »was kann es nützen, dass ich es Dir sage, denn Du kannst mir ja doch nicht helfen.« — »Man kann nicht wissen«, sagte die Frau: »es wäre doch möglich, dass ich Rath für Dich wüsste.« Ja, ich kann es ihr ja wohl sagen, dachte das Mädchen und erzählte ihr nun, wie ihre Mitdienerinnen ausgesagt hätten, sie habe sich gerühmt, ein Pfund Flachs in vier und zwanzig Stunden spinnen zu können; »aber ich Arme!« sagte sie: »ich habe nie in meinem Leben einen Spinnrocken gesehen, geschweige denn, dass ich so Viel sollte in vier und zwanzig Stunden spinnen können.« — »Es mag nun drum sein, mein Kind!« sagte die Frau: »willst Du mich an Deinem Ehrentag Muhme nennen, so will ich den Flachs für Dich spinnen, und Du kannst Dich hinlegen und schlafen.« Ja, das wollte das Mädchen gern und ging hin und legte sich schlafen.

Am andern Morgen, als sie erwachte, lag aller Flachs gesponnen auf dem Tisch, und das so sauber und fein, dass man nie so schönes ebnes Garn noch gesehen hatte. Die Königinn freute sich sehr über das schöne Garn und hielt nun noch mehr von dem Mädchen, als vorher. Darüber wurden die andern noch neidischer auf sie und sagten nun zu der Königinn, jetzt hätte sie sich auch gerühmt, das Garn, das sie gesponnen, in vier und zwanzig Stunden weben zu können. Die Königinn sagte wieder, wenn sie das gesagt hätte, so solle sie es auch, aber es machte nichts, wenn sie auch nicht eben in vier und zwanzig Stunden damit fertig würde. Das Mädchen wagte auch diesmal nicht, ihre Ungeschicklichkeit zu bekennen, sondern bat nur um eine Kammer für sich allein, dann wollte sie es versuchen. Da sass sie nun wieder und war betrübt und weinte und wusste nicht, Was sie anfangen sollte. Es dauerte aber nicht lange, so trat wieder eine alte Frau herein und fragte: »Was fehlt Dir, mein Kind?« Das Mädchen wollte es ihr erst nicht sagen, aber zuletzt erzählte sie ihr denn, Was die Königinn von ihr verlangte. »Ei nun«, sagte die Frau: »es mag drum sein! willst Du mich an Deinem Ehrentag Muhme nennen, so will ich das Garn für Dich weben, und Du kannst Dich hinlegen und schlafen.« Ja, das wollte das Mädchen gern, und damit ging sie hin und legte sich schlafen. Als sie aufwachte, lag alles Garn so sauber und dicht gewebt auf dem Tisch, wie nur möglich. Sie brachte es nun der Königinn, und diese freute sich ausserordentlich über die schöne Leinwand und hielt jetzt noch weit mehr von dem Mädchen, als zuvor. Aber darüber wurden die andern noch neidischer und erbitterter auf sie und dachten an nichts Anders, als Was sie jetzt angeben sollten, um ihr zu schaden.

Endlich verfielen sie darauf, zu der Königinn zu sagen, jetzt hätte sie sich auch gerühmt, all die Leinwand, die sie gesponnen, in vier und zwanzig Stunden zu Hemden aufnähen zu können. Es ging nun eben so, wie früher: das Mädchen wagte nicht, zu sagen, dass sie nicht nähen könne; sie erhielt wieder ihre Kammer für sich allein und sass da und war betrübt und weinte. Nun trat aber wieder eine alte Frau zu ihr ein und versprach ihr, die Leinwand für sie zu nähen, wenn sie sie an ihrem Ehrentag Muhme nennen wolle. Ja, das wollte das Mädchen gern und that wieder, wie die Frau ihr sagte, ging hin und legte sich schlafen. Am andern Morgen, als sie erwachte, war alle Leinwand zu Hemden aufgenäht, die auf dem Tisch lagen; eine so schöne Naht hatte man aber noch nie gesehen, und die Hemden waren alle hübsch gezeichnet und völlig fertig.

Spinnen – Weben – Nähen: Dimensionen der Entwicklung

Der Schicksals-Faden ist die erste Dimension des Lebens.

Mit dem zweidimensionalen Lebens-Teppich macht die Märchenheldin etwas aus ihrem Geschick.

Die dreidimensionalen Hemden schliesslich symbolisieren ihre spirituelle Entwicklung,

denn das Hemd steht für das Höhere Selbst und nicht wie andere Kleidungsstücke einfach für die „persona“. Gleichzeitig sind die Hemden mit Namen bestickt. Das Mädchen ist bereit, anderen Menschen auf der individuellen Ebene und nicht nur rollenhaft zu begegnen, also bereit für den Prinzen.

(C. G. Jung bezeichnet mit „persona“ denjenigen Teil des Ichs, der für ein normengerechtes, sozialverträgliches Verhalten des Individuums gegenüber seiner Umwelt sorgt. Die Eigenschaften der persona werden daher hauptsächlich durch Anpassung erworben. Ich würde anstelle des Begriffs „persona“ von „Rolle“ sprechen.)

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Als die Königinn die Arbeit sah, freute und verwunderte sie sich so sehr über die schöne Naht, dass sie die Hände über dem Kopf zusammenschlug. »Nein, eine so schöne Naht habe ich noch nie gesehen«, sagte sie, und von nun an hatte sie das Mädchen so lieb, wie ihr eignes Kind. »Wenn Du jetzt den Prinzen haben willst, so sollst Du ihn bekommen«, sagte sie zu dem Mädchen: »denn Du hast niemals nöthig, Etwas aus dem Hause zu geben, da Du Alles selbst spinnen und weben und auch nähen kannst.« Weil das Mädchen nun so schön war, und der Prinz sie gern leiden mochte, wurde auch sogleich die Hochzeit gehalten.

Als sich aber der Prinz mit ihr zur Tafel gesetzt hatte, trat plötzlich ein altes hässliches Weib herein mit einer langen langen Nase — die war gewiss drei Ellen lang.

Da stand die Braut auf, ging auf die Alte zu und sagte: »Guten Tag, Muhme!« »Ist das die Muhme meiner Braut?« fragte der Prinz. Ja, das wäre sie. »Ja, so müssen wir sie denn wohl mit bei Tafel sitzen lassen«, sagte der Prinz; aber er sowohl, als die Andern meinten doch, sie wäre gar zu garstig, um mit ihnen bei Tafel zu sitzen.

Nicht lange darnach trat wieder ein altes hässliches Weib ein, die hatte einen Allerwerthesten, so dick und so breit, dass sie nur mit genauer Noth zur Thür herein konnte. Sogleich stand die Braut auf und grüsste sie und sagte: »Guten Tag, Muhme!« und der Prinz fragte wieder, ob das auch eine Muhme seiner Braut wäre. »Ja«, antworteten beide, und sie musste sich nun ebenfalls an die Tafel setzen.

Die drei Muhmen (Zum Begriff „Muhme“)

Die drei alten Frauen erinnern an die Nornen der germanischen oder die Moiren der griechischen Mythologie, die Schicksalsgöttinnen sind. C.G. Jung sah in ihnen Ausprägungen des Mutter-Archetyps. Aus den Schicksalsgötinnen sind im europäischen Märchen jetzt hässliche alte Weiber geworden (es gibt gemäss amalia-Märchenlexikon unzählige Varianten in allen europäischen Ländern).

Die Muhmen sind Helferinnen, von der (toten) Mutter als ihre Schwestern gesandt. sie tauchen plötzlich in der Nacht auf, aus der Tiefe der weiblichen Kraft und des Unbewussten. Für ihre Hilfe verlangen sie, auch am Tag akzeptiert zu werden, am Ehrentag des Mädchens. In der Nacht ist vielleicht ihre Hässlichkeit nicht zu erkennen. Nicht nur das Mädchen, sondern die ganze noble Gesellschaft muss die drei akzeptieren !

Subjektstufig sind es die eigenen Hässlichkeiten und Behinderungen, die Schattenseiten, die es zu integrieren (freundlich begrüssen) gilt. Die Märchenheldin kann zu ihren eigenen Schattenseiten stehen (Versöhnung, Integration).

Objektstufig könnten wir eine ethische Dimension setzen: auch Sachen und Personen mögen akzeptiert werden, die in der näheren Umgebung (Familie) „unangenehm“ sind, wie z.B. Behinderte, oder ganz anders: Süchtige.  Zurück zum Anfang ↑

Kaum aber hatte sie sich niedergesetzt, so trat wiederum ein altes hässliches Weib ein, mit Augen, so gross, wie ein Paar Teller, und so roth und fliessend, dass es ganz abscheulich aussah. Die Braut stand wieder auf und grüsste sie und sagte: »Guten Tag, Muhme!« und der Prinz bat auch sie, sich an die Tafel zu setzen, aber er dachte bei sich selbst: »Gott steh mir bei wegen all der Muhmen, die meine Braut hat!« Als sie ein wenig gesessen hatten, konnte der Prinz sich nicht enthalten, zu sagen: »Wie in aller Welt kann doch meine Braut, die so schön ist, so hässliche und missgestaltne Muhmen haben!« — »Das will ich Dir sagen«, versetzte die eine: »ich war eben so schön, wie Deine Braut, da ich in ihrem Alter war; aber dass ich eine so lange Nase habe, kommt daher, weil ich so viel gesessen und gesponnen und dabei den Kopf beständig gerüttelt und geschüttelt habe; davon hat sich die Nase ausgedehnt und ist so lang geworden, wie Du sie jetzt siehst!« — »Und ich«, sagte die zweite: »ich habe von meiner Jugend an auf dem Webstuhl gesessen und immer hin und her gehuppelt; davon ist mein Allerwerthester so gross geworden und so angeschwollen, wie Du ihn jetzt siehst.« Darauf sagte die dritte: »Ich habe, seit ich ganz klein war, immer da gesessen und auf das Nähzeug gestiert; davon sind meine Augen so hässlich und roth geworden.«

»Na, so!« sagte der Prinz: »das war gut, dass ich das zu wissen bekam, wie die Leute von Dergleichen so hässlich werden können; so soll denn nun meine Braut auch in ihrem Leben nicht wieder spinnen, noch nähen, noch weben!«

Die Rolle der Königin

Die Königin übernimmt eine Mutterrolle, allerdings nicht eine ideale. Das Mädchen erlebt eine Bevorzugung. Die Liebe der Königin ist auch an Erwartungen geknüpft. Um Karriere zu machen, ist Leistung gefordert.

Die Märchenheldin wird von der Königin festgenagelt auf materielles Dasein, auf Begrenzung der Weiterentwicklung. Die Königin bringt sie damit in ein grosses Dilemma. Was, wenn es doch auskommt, dass sie keine Ahnung von „textilem Werken“ hat ? Das Glück hat im Leben manchmal nur eine sehr schmale Basis. Nur die „Überlegung“ des Prinzen sichert das Glück des Mädchens, obwohl die Königin damit vielleicht nicht zufrieden ist.  Zurück zum Anfang ↑

Die persönlichen Qualitäten des Mädchens, unserer Märchenheldin

Entscheiden und Handeln: Die Märchenheldin trifft einige wichtige und richtige Entscheide, die sie auch umsetzt:

  • Weggehen von Zuhause, um das eigene Brot zu verdienen.
  • Für ihre Aufgaben eine eigene Kammer verlangen.
  • Wie selbstverständlich die alten Frauen am Hochzeitsfest begrüssen.

Die Märchenheldin kann sich einlassen auf etwas, das sie nicht kennt:

  • Sie hätte wohl durchaus vor den Aufgaben fliehen können.
  • Sie verspricht die Gegenleistung für die Hilfe der Alten und hält das Versprechen ohne die Folgen zu scheuen.

Vertrauen:

  • Urvertrauen, dass es schon gut kommt.
  • Sich ganz der Ausweglosigkeit der Situation hingeben.
  • Über eine ausweglos erscheinende Sache schlafen.

Begrüssen der hässlichen Alten: Durch das Bestehen dieser Prüfung, Beweis für hohe ethische Kompetenz, wird die Märchenheldin von der Hausarbeit (Arbeit an den basalen menschlichen Problemen) erlöst: Sie gelangt auf die Ebene der spirituellen Tätigkeit.


Quellen und Anmerkungen

Asbjørnsen, P.C. und Moe, J. (1841): Norske Folkeeventyr;
in der Originalübersetzung von Bresemann, F. (1847): Norwegische Märchen; neu erschienen im Eichborn Verlag, 1996.

Geiger, R. (1992): Märchen der Völker in Ost, West, Nord und Süd, Verlag Urachhaus.

Zum Begriff „Muhme“:

Muhme ist eine ältere deutsche Verwandtschaftsbezeichnung, bedeutet zumeist Tante oder Base, kann aber auch allgemein soziale Nähe bezeichnen, so etwa, wie heute Kinder angewiesen werden, das Wort „Tante“ zu gebrauchen. Die Bezeichnung gilt heute als veraltet, wird zeitweise höchstens noch scherzhaft als vertrauliche Anrede oder literarisch verwendet.
Früher gab es im deutschsprachigen Raum ein Verwandtschaftssystem, bei dem die Verwandten der weiblichen/mütterlichen Linie anders bezeichnet wurden als die der männlichen Linie. Eine Schwester der Mutter wurde als „Muhme“ bezeichnet, die Schwester des Vaters hingegen war die „Tante“ (analog zu „Oheim“ gegenüber „Onkel“). Ebenso wurde eine angeheiratete Mutterschwester, also die Ehefrau eines Mutterbruders bezeichnet.
Ferner kann eine Muhme auch eine Kinderwärterin oder Amme bezeichnen. Dann spricht man von einer Kindermuhme.
(Quelle: Wikipedia)

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