Merkabah – Die Vision des Hesekiel (Ezechiel)

Matthäus Merian, 17.Jhdt.Im ersten Kapitel des Buchs „Hesekiel“ (>>Text) beschreibt der Prophet Hesekiel (oder Ezechiel) eine überwältigende Vision, die in der jüdischen Mystik grosse Resonanz fand und findet. Die jüdische Sekundärliteratur entwickelte das zum Teil etwas schwer verständliche Bild Hesekiels weiter und führte insbesondere das Wort „Merkabah ein“, was „Wagen“ bedeutet, obwohl der Prophet selber diesen Begriff nie verwendet hat.

(Bild rechts: Bibel-Illustration nach Matthäus Merian, 17. Jhdt.)

Eine oder zwei Merkabah ?

Merkaba Doppeltetraeder und Chakren

 

In für mich als philologischen Laien etymologisch nicht nachvollziehbarer Weise korrespondiert das Wort Merkabah mit der bei Drunvalo beschriebenen Mer-ka-ba, die etymologisch aus dem Altägyptischen hergeleitet ist, den Lichtkörper des Menschen und, in der Bedeutung der Vision Hesekiels nahestehend, einen Wagen für Seelenreisen bezeichnet. Beispiel einer Merkaba-Informations-Website.

Ich habe mich als Märchenerzähler vom Bild des Propheten sehr angesprochen gefühlt, weil es eine wunderbare Metapher darstellt.

 

 

Jüdische Mystik

Die jüdische Mystik hat für Hesekiels Vision in etwa folgendermassen tradiert:

Bibelillustration eines unbekannten Zeichners um 1700(Bild rechts: Bibel-Illustration eines unbekannten Zeichners um 1700) Die tragende Struktur des von Hesekiel beschriebenen „Gefährts“ bilden vier hohe Wesen, die am ehesten als Engel zu bezeichnen sind. Diese Wesen haben je vier Flügel. Sie verhüllen sich mit zwei der Flügel und und berühren sich mit den Spitzen der beiden ausgestreckten anderen, um ein verbundenes Ganzes zu bilden. Jedes dieser vier Engelwesen hat vier Gesichter: Mensch, Löwe, Stier und Adler. Ihre Gesichter schauen in die vier Himmelsrichtungen. Die Engelwesen leuchten wie Feuer, und Feuer blitzt zwischen ihnen. Blitzeschnell sind auch ihre Bewegungen. Unterhalb oder seitlich am Wagen befinden sich vier weitere Wesen, die Rädern gleichen, oder mit den Worten Hesekiels „wie ein Rad innerhalb eines Rades“. Das hebräische Wort „Ophanim“ könnte aber auch einfach „Kreise, Ringe“ bedeuten. Diese Räder oder Ringe sind aus Türkis und rundum voller Augen. Die Bewegungen der Engelwesen und Ringwesen sind begleitet von „Rauschen wie grosse Wasser“, „Heereslärm“ und „Donner“. Darüber sitzt „EINER von der Gestalt eines Menschen“, der die Bewegungen der Engelwesen lenkt. Er ist feuerglänzend und sitzt in hellem Licht auf einem Thron aus Sapphir. Überall ist alles voller Glanz, gleich einem Regenbogen. Gustave Doré, 19. Jhdt.In der Erweiterung von Hesekiels Visionsbild kommen noch feurige Seraphim dazu, die sich auf und ab bewegen. Es wird dann eine Lenker-Hierarchie vom EINEN über die Seraphim zu den Engeln mit den 4 Gesichtern bis zu den „Ringwesen“ beschrieben.

Hesekiel ist überzeugt, die Herrlichkeit des HERRN gesehen zu haben und wirft sich auf die Erde. Es sollte auch nicht seine einzige Vision von der Herrlichkeit des HERRN bleiben (>> Kapitel 10). Bild rechts: Bibel-Illustration, angeblich (?) von Gustave Doré, 19. Jhdt.

 

Was wurde Hesekiel von der geistigen Welt gezeigt?

Die offizielle Theologie und der Volksglaube nehmen das Bild sehr wörtlich und deuten es als die Erscheinung GOTTES.

Eigentlich eine Ungeheuerlichkeit angesichts der Tatsache, dass es im Judentum nicht einmal erlaubt ist, den Namen GOTTES auch nur auszuschreiben. Nicht verwunderlich, dass es dem gewöhnlichen Volk sogar verboten wurde, diese Bibelstelle oder ihre Kommentare zu lesen, geschweige denn darüber nachzudenken. Dieses Tabu wird übrigens auch in der nicht-jüdischen Mer-ka-ba-Lehre noch reproduziert, indem z.T. darauf hingewiesen wird, dass man in die Mer-ka-ba nur von einem „Meister“ eingeweiht und unterrichtet werden dürfe. Diese Haltung ist aus der Sicht der traditionellen hierarchisch-organisierten Religionen sicher richtig, dürfte sich aber im neuen Zeitalter, wo religiöses Wissen allen Menschen zugänglich wird, in nichts auflösen.

Es gibt anderseits gerade im alten Testament zahlreiche Szenen, in denen sich Gott den Menschen direkt offenbart. Es beginnt schon im Paradies, später bei Noah, bei Abraham, Isaak oder Joseph und mehrmals bei Moses. Gerade bei Moses erscheint Gott als Symbol (Feuer, Donner), nicht in menschlicher Gestalt. Wir wissen allerdings nicht, wie weit die mehrfache Neufassung und Veränderung der jüdischen AT-Texte auch Bilder verändert oder neu geschaffen hat. Zu eigentlichen Visionen kommt es erst bei den Propheten.

 

Symbolische Betrachtung

Für mich besteht kein Zweifel, dass die geistige Welt dem Propheten Hesekiel, die wahre Natur des Menschen als Ebenbild Gottes zeigte. Insofern steht mir die chassidische Betrachtung der Vision als symbolisches Bild nicht nur als Märchenerzähler näher:

Erst wenn der Mensch in seiner Entwicklung „Herr“ geworden ist über alle wichtigen Prinzipien des Lebens (diese in der Sprache der Psychologie „integriert“ hat), wird er zum Lenker des göttlichen Lebenswagens.

Die vier Gesichter der Engelwesen, die das Gefährt bilden, repräsentieren die 4 Elemente:

  • Mensch – Wasser
  • Löwe – Feuer
  • Stier – Erde
  • Adler – Luft.

In der immer wiederkehrenden Vierzahl werden auch die 4 Himmelsrichtungen und die 4 Jahreszeiten symbolisch gewürdigt.

Das Bild der der Verschlungenheit z.B. der Räder (oder Ringe) ineinander erinnert uns daran, dass die unterschiedlichen oder sogar gegensätzlichen Dinge nicht immer fein säuberlich getrennt daherkommen. So wie heuer mitte März 2010 ein massiver Wintereinbruch mit tiefen Minustemperaturen und Schnee nicht an den Frühling denken lässt.

Die Kreisform der Räder oder Ringe ist zusätzlich ein Symbol der Vollkommenheit.

Aber nur das Ganze ergibt eine tragende Plattform für den Menschen in seiner göttlichen Vollkommenheit, die er als Vision zu verwirklichen hat.

 

Jüngere jüdische und christliche Betrachtungen

Himmelfahrt mit Tetramorph (mittelalterliche Bibel: Rabula-Evangelium, Kloster Zagba, Syrien)In der jüdischen spirituellen Bewegung Ma-asei Merkavah und später Hekhalot wird die Merkabah (oder Merkavah je nach latinisierter Schreibweise) als Gefährt betrachtet, welches uns zu Gott führt. Es wird so der schamanistische Gedanke der Jenseitsreise weitergeführt, wie er in allen Religionen in irgend einer Form vorkommt und eines der Hauptmotive der Märchen darstellt.

Die tierähnlichen Engelwesen erscheinen auch in der christlichen Tradition, z.B. als Attribute der vier Evangelisten oder in Darstellungen in Kirchen, z.B. bei Christi Himmelfahrt. Feuererscheinungen sind häufige Attribute von Engeln. Ein Wagen als „Seelengefährt“ ist mir hingegen aus dem Christentum nicht bekannt.

Bild links: Himmelfahrt mit Tetramorph (mittelalterliche Bibel: Rabula-Evangelium, Kloster Zagba, Syrien)

2 Gedanken zu „Merkabah – Die Vision des Hesekiel (Ezechiel)

  1. Jochen

    „Die vier Gesichter der Engelwesen, die das Gefährt bilden, repräsentieren die 4 Elemente:

    Mensch – Wasser
    Löwe – Feuer
    Stier – Erde
    Adler – Luft.“

    Eine leichte Veränderung der Anordnung der vier Tiere und eine kleine Berichtigung bedeuten den Schlüssel zum Verständnis. Ich muß dafür im weiteren noch etwas ausholen.

    „Allein der Vater kennt den Zeitpunkt.»“ (Siehe dazu: Matthäusevangelium, Kapitel 24, Vers 36).

    Das Wort „Zeitpunkt“ erscheint in keiner Bibelausgabe, dennoch ist es interessant. Nehmen wir einmal an, es handele sich bei der besagten Zeit wann es geschieht, um die Stunde Null (als Ziffer ist das eine 0 (wäre 24 Uhr, Mitternacht), als Buchstabe ein O wie Omega, lat. Ende).

    Zum Wort „Zeitpunkt“ siehe einmal hier: http://www.wissen.de/wortherkunft/mal

    Anstelle von „Zeitpunkt 0“ könnte man also auch schreiben „Mal-O“ (MALO). Das Wort/der Name MALO ist insofern interessant, da es/er rückwärts geschrieben OLAM ergibt, was im Judentum als El Olam ein Name für den Höchsten (= Gott) ist. Außerdem gibt es im Judentum den Ausspruch TIKUN OLAM (hebr. תיקון עולם „Reparatur der Welt“). Na, wenn das nicht paßt, wie die Faust aufs Auge.

    Drei Bibelstellen in Bezug auf Mitternacht, die lauten:
    Psalm 119:62 Um Mitternacht stehe ich auf, um dich zu preisen wegen der Rechte deiner Gerechtigkeit.
    Matthäus 25:6 Um Mitternacht aber entstand ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam! gehet aus, ihm entgegen!
    Markus 13:35 So wachet nun, denn ihr wisset nicht, wann der Herr des Hauses kommt, des Abends, oder um Mitternacht, oder um den Hahnenschrei, oder frühmorgens;

    Wo stammt eigentlich das Wort/der Name OLAM (rückwärts MALO) her bzw. was hat es im weiteren damit auf sich?
    Fündig wird man im Buch des Propheten Hesekiel, seine Vision betreffend:

    Hesekiel 1:10 Ihre Angesichte zur rechten Seite der viere waren gleich einem Menschen und Löwen; aber zur linken Seite der viere waren Ihre Angesichte gleich einem Ochsen und Adler. (Luther 1545)

    Die vier Tiere beziehen sich auf die vier Elemente der Vier-Elemente-Lehre:

    M ensch (Wasser“Mann“)
    A dler (Luft, als Tierkreiszeichen der Skorpion, aber auch als Schlange, stehend für „gut und böse“)
    L öwe (Feuer)
    O chse (Erde „Stier“)

    Nimmt man nur die Anfangsbuchstaben, ergeben diese das Wort MALO, woraus rückwärts geschrieben im Hebräischen OLAM wird.

    Woanders heißt es dann noch: „In der hebräischen Tradition ist das Paradebeispiel für den magischen Menschen (Crown of the Magi) im positiven Sinne der Baal Schem (= Meister des Namens – JHVH, oft nur als Schem bezeichnet). Da Gott selbst in die Schöpfung mitgeht (Schechina) steht jeder Buchstabe des unaussprechlichen Namens Gottes für ein Element“. Zitat Ende, die Quelle habe ich mir leider nicht notiert.

    Ist JHVH vielleicht nur eine Hälfte des Namens?
    Denn richtig ausgesprochen ist JHVH bzw. JHWH = URUS, woraus im Hebräischen Jerus wurde und der Anhang lautet ALEM = OLAM, ergibt zusammen URUSOLAM = JERUSALEM. Und zum Namen (Gottes) steht auch hier noch etwas Interessantes:

    Offenbarung 3:12 Wer überwindet, den werde ich zu einer Säule machen in dem Tempel meines Gottes, und er wird nie mehr hinausgehen; und ich werde auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, das aus dem Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen neuen Namen.

    Forscht mal nach im Zusammenhang dieser vier Tiere mit der „Crown of the Magi“; außerdem sehe man sich mal die Tarotkarte mit der Nummer 21 an „DIE WELT“ (Welt, hebr.-arabisch Olam).

    Auch im Zusammenhang noch interessant, folgendes Video „Die Pyramiden-Lüge“, speziell ab der Minute 1:26:00 bitte einmal ansehen:

    Ich hoffe, ich konnte damit noch ein paar interessante Hinweise hinzufügen.

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