Betrachtung zum Märchen „Rapunzel“

Brüder Grimm, KHM 12, ATU 310 

Briefmarkenserie DDRQuellenangaben für meine Betrachtung

Hoffnungslos, so hoffnungslos wie die Quellenangaben  für die Märchen der Brüder Grimm. Meine Betrachtung erhebt auch keine wissenschaftlichen Ansprüche, sie ist mehr assoziierend denn systematisch und stellt zur Diskussion, was sich eben so in meinem Erfahrungsschatz angesammelt hat. Manches in dieser Betrachtung ist entstanden in langen, angeregten Gesprächen, in welchen vier Märchenerzählende und -begeisterte aus ihrem unterschiedlichen Erfahrungsschatz heraus assoziierten und diskutierten.

Zur Botanik des Rapunzel-Märchens habe ich übrigens einen separaten >> Artikel geschrieben.

Herkunft des Märchens

Die Brüder Grimm nahmen „Rapunzel“ als Nacherzählung einer Vorlage des Dichters Friedrich Schulz (1762-1798) ab 1810 in die Kinder- und Hausmärchen auf. Schulz hatte das Märchen aus französischen und italienischen Sammlungen adaptiert (Charlotte-Rose de Caumont La Force: „Persinette“; Giambattista Basile im Pentamerone 2,1: „Petrosinella“).

Die Märchenforschung rückt „Rapunzel“ in die Nähe des Danaë-Mythos, zu welchem auf meiner Homepage eine >>Zusammenfassung und eine >>Betrachtung vorliegen. Es gibt aber auch die Ansicht, dass Rapunzel in den Zusammenhang des Demeter-Persephone-Mythos gehöre.

Ich betrachte das Märchen in der Version der Brüder Grimm aus der „Fassung letzter Hand“ von 1856/57. Die Ausdrucksweise „letzter Hand“ für die stilistisch zu einem grossen Kunstwerk ausgearbeiteten Sammlung der Kinder- und Hausmärchen ist natürlich zutreffend. Ich würde allerdings vermuten, dass Wilhelm Grimm, dessen Todestag sich heuer zum 150. Mal jährt, sicherlich noch weiter daran gearbeitet und uns mit einer Fassung „noch letzterer Hand“ überrascht hätte. So ist jede schriftliche Fixierung eines Märchens eine Fassung „letzter Hand“. Und meine Darbietung eines Märchens an einem Erzählanlass ist zumindest für diesen Tag die Fassung „letzter Mund“.

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Betrachtung der auftretenden Figuren

Eine schwangere Frau sieht im Nachbarsgarten Rapunzeln (>> Rapunzel-Botanik). Der Garten gehört einer Zauberin, in der ursprünglichen Fassung des Märchens der Brüder Grimm von 1810 war es eine Fee. Wer so einen Garten besitzt, ist eine weise, unter anderem auch kräuterkundige Frau. Die negative Färbung, welche die weisen Frauen oft erhalten haben, kulminiert ja in der Person der Hexe (so erscheint sie bei Basile in „Petrosinella“), die als Werkzeug des Teufels zu verabscheuen und letztlich zu vernichten ist.

Nüsslisalat (Feldsalat)
Die Haltung des Mannes ist durchaus anrührend. Für seine schwangere Gattin tut er alles, auch das Verbotene, nur um im Moment das egozentrische Glücklichsein zu maximieren. Er ist sogar bereit, eine schwere Hypothek zu Lasten des ungeborenen Kindes aufzunehmen, die er selber nie wird abzahlen müssen. Irgendwie erinnert mich das an unsere Umwelt- und Finanzpolitik.

Rapunzel wird ihren Eltern kurz nach der Geburt weggenomen. Die Psychologie würde dem Rapunzel sofort ein grosses frühkindliches Trauma zuordnen. Das Märchen nimmt diesen Faden aber gar nicht auf.

Nach der Trennung von ihren Eltern wird Rapunzel in den Turm eingeschlossen. In der individuellen Entwicklung des Mädchens markiert dieser Akt den Beginn der Pubertät. Jugendliche in der Pubertät schliessen sich gerne ein, um so geschützt ihre Entwicklung weiter zu machen; viele Ängste, auch Beziehungsängste und -konflikte können so vermieden werden.

Die Zauberin erscheint auch als die Bewahrerin, welche nicht zulassen will, dass ihr Kind in der gefährlichen Welt Erfahrungen machen darf oder gar erwachsen wird. Man könnte geradezu eine symbiotische Beziehung vermuten. Das ist aber auch eher aus der Psychologie heutiger überbehütender Eltern heraus gedacht als aus dem Märchen. Die Zauberin ist durchaus ambivalent in ihrer Rolle. Es liegt nahe, eine Dämonisierung einer ursprünglich positiven Macht zu vermuten: Ein Aspekt der grossen Göttin der matrifokalen Epochen. 

Im sizilianischen Märchen Acciulilla wird die Bewahrerin durch einen Drachen dargestellt, also durch das Symboltier (ursprünglich: Schlange) der grossen Göttin. Besonders spannend: am Ende, nach der Initiation Rapunzels‘, steht der Drache ihr zu Diensten und ist keineswegs mehr ein böser Verfolger wie bei Grimm oder Basile.

Illustration von J. GruelleDer Liebhaber und die Folgen
Bisher haben die Frauen die Geschichte dominiert. Es wird Zeit, dass das männliche Prinzip auf den Plan tritt. Im europäischen Märchen ist das „der Prinz“. Er wird zum Auslöser der nächsten Reifungsphase (Initiation) Rapunzels‘.

Danaë in der Sage des Altertums erhielt von Zeus nur symbolischen Besuch: Er begattete sie in Form eines goldenen Regens.

Bei Rapunzel geht es etwas konkreter zu und her: Der Prinz verbringt einige Zeit mit Rapunzel im Turmstübchen. In der ursprünglichen Fassung des Märchens, stellt Rapunzel bald fest, dass ihr die Kleider zu eng werden. Das Kleidchen wird ihr um die Mitte zu eng: Zweifelsohne hat Rapunzel in ihrer Entwicklung ihre Mitte noch nicht gefunden, weshalb sie dort auch symbolisch etwas zulegen muss. Dieser Hinweis auf ihre Schwangerschaft ist dann allerdings in den überarbeiteten Fassungen des Märchens („letzter Hand“ 1856/57) der Selbstzensur der Brüder Grimm zum Opfer gefallen. Die erwachsenen Zuhörenden können sich der erotischen Spannung dieser Prinzenbesuche gleichwohl nicht ganz entziehen.

Die Verbindung zu ihrer Vergangenheit und ihre Fluchttendenz ist für Rapunzel und den Prinzen noch ein Hindernis auf ihrem Weg. Ihre erste Liebesphase im Turm hat neue Abhängigkeiten geschaffen, aber keine unabhängigen Persönlichkeiten. Das Eheversprechen der beiden ist (noch) nicht für die Ewigkeit, es ist noch keine gelebte Realität. Es erfolgt zu früh, beide sind nicht „reif“. Die Trennung von Rapunzel und Prinz ist notwendig für ihre Entwicklung. Dank ihrer Liebe finden sie sogar wieder zusammen, wenn auch erst nach langer Zeit.

Beziehungen und Liebe sind oft nicht die Begegnung zweier unabhängiger Menschen, sondern, die Abhängigkeiten von den Eltern oder aus anderen Erfahrungsräumen werden in neue Abhängigkeiten mitgenommen. Genesis 2,24 spricht von „Vater und Mutter verlassen“ und einer neuen Person „anzuhangen“, also anhänglich, aber nicht abhängig zu sein. Viele Heiraten sind auch bei uns in Europa „Zwangsheiraten“, geschehen aus unbewussten Zwängen heraus, mit unfreien Menschen. Wenn’s bewusst wird, kommt folgerichtig die Scheidung.

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Subjektbezogene Betrachtung

BackenstreifenhörnchenDie Schwangere lüstert nach den Rapunzeln. Lüsternheit steht hier für Egoismus und die Fixierung auf die materielle Welt. Kein Wunder will die Zauberin, das Kind aus dieser Umwelt nehmen. Wenn die vom Ende des Märchens her gedachte Personifizierung von Rapunzel als die reine Liebe stimmt, zahlt die Mutter als der Teil der Frauengestalt „Rapunzel“ so den Preis für ihre Egohaftigkeit: die reine Liebe wird weggegeben.

Die Zauberin personifiziert das Über-Ich: Bewahrung und Beschränkung, aber auch Lenkung durch die Pubertätszeit.

Rapunzel, in der Obhut der Zauberin, wurde das schönste Kind unter der Sonne. Das „schönste Kind unter der Sonne“ muss etwas überaus Hochstehendes sein, ein göttliches Wesen. Diese Charakterisierung bleibt den Zuhörenden für den Rest der Geschichte – zumal sie ja auch für alle gilt.

Rapunzel-Turm in EftelingEingeschlossen im Turm
In der individuellen Entwicklung des Mädchens markiert dieser Akt den Beginn der Pubertät. Jugendliche in der Pubertät schliessen sich gerne ein, um so geschützt ihre Entwicklung weiter zu machen; viele Ängste, auch Beziehungsängste und -konflikte können so vermieden werden. Das Herz und seelische Prozesse werden weggeschlossen.

Der Turm symbolisiert das Gefängnis unserer eigenen Ängste, Zwänge, Vorurteile und Glaubenssätzen. Eine seelische Ausdehnung stösst an die Grenzen der Turmmauern. Der Turm hat Mauern, die unser Herz, unsere Liebe einschliessen als Schutz, aus Angst wegen unserer Verletzlichkeit. Anstelle der Öffnung zum Leben hin steht die Abgeschlossenheit. (vgl. >>Gedicht von Purkey)

Die Flucht
Nachdem Rapunzel bisher sich eher naiv und passiv verhalten hat, wird sie plötzlich aktiv und nimmt ihr Schicksal in die Hand. Ihr Wille hat sich entwickelt. Mir ist nicht klar, ob das bereits das Resultat der geglückten Initiation ist, oder ob Rapunzel zu schnell den Turm verlässt, sich von der Abhängigkeit von der Zauberin in die Abhängigkeit vom Prinzen stürzt, um nachher noch harten Prüfungen ausgesetzt zu werden. Auch für den Prinzen beginnt nach dem missglückten Fluchtversuch ja noch eine schwere Prüfungszeit.

Interessant im Vergleich ist, dass Basiles Petrosinella die Flucht mit dem Prinzen auf Anhieb glückt, und sie sich mit Hilfe magischer Gegenstände der Verfolgung durch die Alte entziehen können.

Die weiteren Prüfungen
Die Zauberin beklagt, dass sie Rapunzel von der Welt geschieden hätte, um sie zu behüten. Ist das die „böse“ Welt, die Welt des „christlichen“ Sündenfalls? Ich muss aber immer auch daran denken, dass Sünde eigentlich „geschieden sein, abgetrennt sein“ bedeutet, gemeint ist getrennt vom Göttlichen.

Auch der Prinz ist in der Entwicklung nicht dort, wo er für die hohe Zeit mit Rapunzel sein sollte. Er ist mit der Gefühlsebene bisher durchgekommen. Aber er ist noch blind für die gesamte Tragweite seiner Beziehung zu Rapunzel. Er muss lernen gut hinzuhören, um die Stimme des Weiblichen zu vernehmen, die er im Grunde seiner Seele ja schon kennt. Aus der Optik Rapunzels: Ihre männlichen Anteile sind noch unterentwickelt, naiv romantisch, blind. Sie kann das Männliche nicht sinnvoll integrieren.

Am Ende des Märchens ist Rapunzel dann „ganz“ geworden: Weibliche und männliche Anteile, Fühlen, Denken, Wille und Liebesfähigkeit sind entwickelt.

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Betrachtung einzelner Symbole (exemplarisch)

Der Turm (Rider-Waite Tarot)Der Turm
Das Symbol des Turms kommt schon im Altertum vor. Auch Danaë wird, zumindest in einigen Varianten der Sage, in einem Turm eingeschlossen. Im Tarot steht der Turm für gewaltige Umwälzungen und Veränderungen, hier sehr passend für die Zeit der Pubertät. Der Turm bei Danaë  ist oben offen bzw. bei Rapunzel mit einem Fenster oben versehen (vielleicht braucht ein mitteleuropäischer Turm eben aus klimatischen Gründen ein Dach). So oder so: Die Veränderungen werden „oben“ eingeleitet, also durch geistig-seelische Prozesse.

Der Turm ist auf jeden Fall kein phallisches Symbol, wie die Vulgärsymbologie behauptet, sondern wenn schon, wie ich bei Danaë assoziierte, ein Vagina-Symbol.

Der Turm symbolisiert das Gefängnis unserer eigenen Ängste, Zwänge, Vorurteile und Glaubenssätzen. Eine seelische Ausdehnung stösst an die Grenzen der Turmmauern. Der Turm hat Mauern, die unser Herz, unsere Liebe einschliessen als Schutz, aus Angst wegen unserer Verletzlichkeit (vgl. >>Gedicht von Purkey).

Hinauf und hinunter
Fast im ganzen Märchen geht es dauernd hinauf und hinunter. Diese vertikalen Prozesse sollen Himmel und Erde, geistige und physische Welten, Yin und Yang verbinden. Im Aufenthalt im Turm klingt vielleicht sogar die schamanistische Unterweltreise als Bestandteil der Initiation und der Integration an.

Alte Illustration zu RapunzelHaare und Gesang
Diese beiden Attribute Rapunzels werden im Märchen besonders gewürdigt:

Die Haare als Symbol der Kraft und des Wachstums, auch spiritueller und magischer Kräfte. Lange Haare gelten oft auch als Zeichen der Unschuld und Unberührtheit. Goldene Haare sind ein Zeichen eines besonders hochstehenden Individuums.
Das Abschneiden der Haare ist auch ein mehrdeutiger Akt: Vordergründig nimmt die Zauberin dem Rapunzel die Lebenskraft, aber auch das Symbol der Jungfräulichkeit. Symbolisch gesehen wird Rapunzel ihrer goldenen Haare als göttlichen Anteil beraubt, ganz inkarniert, vergleichbar mit dem Rausschmiss aus dem Paradies. Vielleicht ist das Loslassen der Haare aber auch ein wichtiger Akt des Erwachsenwerdens (Initiation).
Im Film aus den Walt Disney-Studios sind die Haare fast unendlich lang und dicht!

Die schöne, süsse Singstimme. Das Schöne lässt sich vernehmen, auch wenn es im Turm eingeschlossen ist. Wer Ohren hat, der höre!

Der Prinz verkörpert das männliche Prinzip (Yang), den Logos, der hell zur Öffnung des Turmes hereinkommt und zur Erfüllung und Ganzwerdung führt.

Die Wüste, in welche Rapunzel gebracht wird, ist in vielen Kulturen ein Ort der Initiation. Im Leben des Jesus Christus findet ja eine wichtige Initiationsstufe in der Wüste statt (Lukas 4). Die Etymologie des Wortes Elend: „elend“ bedeutet verbannt, fremd, erst später auch unglücklich, jammervoll (Die Brüder Grimm als Philologen und Herausgeber des ersten deutschen Wörterbuchs setzten solche Wörter immer mit Bedacht).

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Mythologische Aspekte

Meiner Ansicht nach kommen in diesem Märchen viele Motive aus der matrifokalen Kultur zum Zuge. Frauen sind die Hauptgestalten, wie in den meisten Märchen. Männliche Rollen sind entweder Statisten (wie Rapunzels Vater) oder wirken wie nachträglich dazugedichtet, um die Story in der Neuzeit etwas „vollständiger“ zu gestalten (der Prinz). Die Märchenforschung führt das Rapunzel-Motiv auf den Danaë-Mythos zurück.

Ein Motiv ist die „Dreifaltigkeit“ der grossen Göttin als Jungfrau/Mädchen, reife Frau/Mutter und alte Weise. Besonders herausgearbeitet sind das Mädchen und die alte Weise, welche für die Initiation des Mädchens als Frau sorgt. Am Anfang der Geschichte steht allerdings die reife Frau und (zukünftige) Mutter.

Ein weiteres Motiv ist die „überirdische Empfängnis“, die viele Göttinnen und Heroinen als Aspekte der grossen Göttin haben und die auch einer der Vorlagen zum Rapunzel aufweist: die Sage von Danaë. Die jungfräuliche Empfängnis oder das Wiedererlangen der Jungfräulichkeit ist ein Motiv, das ja auch die Göttinnen des griechischen Altertums noch charakterisiert. Bei Rapunzel muss der geneigte Zuhörer, die geneigte Zuhörerin annehmen, dass es beim Besuch des Prinzen etwas „biologischer“ zu und her geht.

EMODas Einschliessen markiert die Zeit der Initiation zur jungen Frau. Da sehe ich auch die positive Seite der Zauberin als Begleiterin des Mädchens durch die Pubertätsinitiation, in deren Verlauf das Mädchen als Prüfung selbständig werden muss. Die Turm-Zeit erscheint mir so als die milde Variante der Reisen duerch die Unterwelt, das Totenreich (Schamanismus) usw. in anderen Mythen (z.B. Demeter-Persephone).

Es stellt sich beim Vergleich mit der Danaë-Sage die Frage, ob die Figur des Prinzen vor allem deshalb eingeführt wurde, um der mythischen Empfängnis eine „realistische“ Erklärung zu geben und gleichzeitig dieses ganz zentrale Element alter matrifokaler Religionen endlich Patriarchalitäts-konform zu übertünchen. Die heilige Hochzeit eines männlichen Himmelswesens mit der ewig jungfräulichen Muttergöttin ist ja ubiquitär. Uns stehen neben den altgriechischen und altägyptischen Mythen kulturell auch die keltischen Riten nahe: z.B. die heilige Hochzeit am Beltaine-Fest.

Frau Gotel (Gothel)
An dieser Stelle wird die Fee/Zauberin beim Namen genannt. Gotel ist eine indoeuropäische Mutter- und Naturgottheit, also ein Aspekt der grossen Göttin. Unser Wort „Gotte“ für Taufpatin (wäre in diesem Märchen auch nicht unpassend) leitet sich vom altenglischen „godsip“ ab, was gottesverwandt bedeutet. Obwohl ich eigentlich dagegen bin, Märcheninterpretationen auf einzelne Wörter abzustützen, die Frau Gotel passt zur Zuordnung der Zauberin zur „alten Weisen“. Wenn Wilhelm Grimm die Märchen intensiv immer und immer wieder überarbeitete und veränderte, führte er sicher nicht nach dem Zufallsprinzip hier die Frau Gotel ein.

Soll Rapunzel Priesterin in einem matrifokalen Mysterienkult werden? In der sizilianischen Variante tritt wie oben erwähnt der Drache (ursprünglich die Schlange) anstelle der Frau/Hexe auf. Die Nähe zur „alten Weisen“ wird hier noch deutlicher. Wir müssen die Wesensverwandten der Frau Gotel in Griechenland bei Demeter-Persephone-Hekate suchen.

In der Schlussszene wird deutlich: Rapunzel ist die Liebe, sie heilt und nährt, das Irdische und das Geistige. Rapunzel bekommt marienhafte Züge – wie ihr Vorbild Danaë in der Malerei des Mittelalters und der Renaissence.

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Ein Gedanke zu „Betrachtung zum Märchen „Rapunzel“

  1. Tino Schatz

    Auch ich habe mich mit dem Märchen Rapunzel intensiver beschäftigt, nachzulesen in meinem Buch „Grimm ganz nah – Sechs Märchen unter der Lupe“, erschienen 2015 bei Shaker Media. Mein Ansatz war aber ein völlig anderer. Ich würde ihn mal als „ingenieurmäßig“ bezeichnen…
    Ist wirklich interessant, wenn man den Märchentext einfach mal wörtlich nimmt und mitberücksichtigt, wie sich im Laufe der Jahre der Text verändert hat, bis er zu der teilweise etwas kryptischen Version der letzten Ausgabe geworden ist. Schönen Gruß
    Tino Schatz

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