Typisch Märchen

Was sind typische Eigenschaften von Märchen ?

Zuerst fällt mir ganz allgemein auf … 

  • Märchen gibt es in allen menschlichen Kulturen und Märchen gab es schon “immer“.
  • Jedes Märchen ist zugleich phantastisch und realistisch. Genau diese Mischung macht einen Teil der Faszination und Spannung aus, welche Märchen erzeugen können.
  • Was in einem Märchen erzählt wird, ist gleichzeitig überall und nirgends, jederzeit und nie geschehen.

    Das wird oft durch einen typischen Anfang unterstrichen, der manchmal auf paradoxe Art jeglichen Bezug zum Orten und Terminen zu vertuschen sucht:
    “Es war einmal ….”
    “Es war, es war nicht, es war …”
    “Einst gab es, als es nicht gab, gab es”
    “Once, upon a time”
    usw.

    Märchen aus gewissen Kulturkreisen datieren hingegen ihre Geschichte oft paradox genau, obwohl sie genauso zeitlos und ubiquitär aufzunehmen sind. Ein typisches indisches Märchen beginnt so: „Zu Zeiten, als der grosse X König von Y war und Z sein oberster Wesir, …..“ Meistens holt der Märchenerzähler dann auch am Schluss die „gebannten“ Zuhörenden mit einem verfremdenden Schlusssatz in die physische Realität zurück: „Ich wäre auch gerne dabei gewesen (am Hochzeitsfest), aber sie haben mir nur einen Schuh nachgeworfen.“ Oder: „Wer’s nicht glaubt, kann ja selber nachsehen.“

    Einen vergleichbaren Effekt erzielen die Rahmenhandlungen von Märchensammlungen wie z.B. In Gian Battista Basile’s Pentamerone.

  • Märchenheldinnen und -helden werden nicht als Personen charakterisiert oder im psychlogischen Sinn fein gezeichnet. Sie bieten aber (emotional neutral) Identifikationsmöglichkeiten.


Zur Etymologie des Worts “Märchen”:

Das Wort Märchen leitet sich vom mittelhochdeutschen „maere“ ab, was „Bericht, Kunde“ bedeutet.

 

Wann ist ein Märchen ein Märchen ?
Und was ist die richtige Erzählweise ?

Der Streit um den Bart des Märchenerzählers. Mehr dazu …. (hier)

Man unterscheidet verschiedene Arten von Märchen und den Märchen verwandte Geschichten.
Für mich als Märchenerzähler ist diese Unterscheidung von untergeordneter Bedeutung. Der Märchenerzähler möchte erzählen und damit seine Zuhörerinnen und Zuhörer erquicken.

Wenn ich hingegen für Märchenbetrachtungen auch die Geschichte und das kulturelle Umfeld, die symbolische (archetypische) Ebene und die geistigen Dimensionen miteinbeziehe, wird es ausserordentlich spannend, die unterschiedlichen Ausprägungen desselben Themas in den verschiedensten Geschichten zu verfolgen.

Ich habe in einem Beitrag die folgenden Geschichtenformen beschrieben:

  1. Volksmärchen
    ♦ Zaubermärchen
    ♦ Schwankmärchen
  2. Kunstmärchen
  3. Fabeln
  4. Sagen
  5. Mythen 
  6. Legenden
  7. Sinngeschichten
  8. Novellen mit Märchenmotiven und -symbolik

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