Kategorie-Archiv: Märchen und mehr …

Verantwortung – grundsätzlich

Dies ist ein Beitrag zur Blog-Parade von Frank Obels zum Thema Verantwortung.

Verantwortung ???

Seit der Aufklärung sind Freiheit und Verantwortung miteinander gekoppelt. Die Philologen sagen übrigens, dass das Wort Verantwortung bis in späte Mittelalter gar nicht existierte.

Freiheit heisst, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Jeder Entscheid für eine Handlungsmöglichkeit hat mit Verantwortung zu tun. Verantwortung gibt es nur, wenn Ungewissheit vorliegt. Umgekehrt: Ist alles klar, gibt es keine Verantwortung zu tragen.

Wer kann also verantwortlich sein ? Nur ein im geistigen Sinne erwachsener Mensch, der einen freien Willen hat. Weiterlesen

Märchenfest Münchenstein

Plakat Märchenfest 2008

Plakat Märchenfest 2008

Jedes Jahr organisieren Märchenfreunde in der Rudolf Steiner-Schule Münchenstein ein Märchenfest (»»Programm). Ursprünglich gedacht als Plattform für Märchen-Künstler (Erzählkunst, Theater, Puppenspiel usw.) hat sich das Märchenfest zu einem grossen Event entwickelt, wo mehr oder weniger alle auftreten, die in der Nordwestschweiz und darüber hinaus bekannt sind. Im Vordergrund stehen natürlich Künstlerinnen und Künstler, die mit Figurentheater, Tisch- und Stabpuppen, Schauspiel und Installationen den Zauber der Märchen visuell erfahrbar machen. Und dies zieht auch das Publikum an. Dazu sind auch Verpflegung, Bücherstände, Wolle und anderes gekommen.

Als Märchenerzähler, der primär über den Hörsinn anspricht und die visuelle Erfahrung den inneren Bildern der Zuhörenden überlässt, ist man da eher eine Ergänzung. Ensprechend hält sich der Zuhörerandrang in Grenzen. Durchaus verständlich in unser durch visuelle Reize dominierten Welt. Ehrlich, wenn ich als Vater mit einem Kind zwischen einem Puppentheater und einer Erzählrunde entscheiden müsste, würde ich vielleicht auch eher das Puppentheater wählen.

So oder so, das Erzählen in der Jurte, mit wenigen und mit vielen Zuhörenden war für mich ein schönes Erlebnis. Und die Zuhörenden hat’s erfreut. Es ist zu hoffen, dass die Veranstaltenden dieses “Nischenangebot” weiter pflegen werden.

Tokkelbühne (Märchentheater)

Tokkelbühne (Märchentheater)

Das Märchenfest läuft Samstag/Sonntag 18./19. Oktober 2008. Noch viel Vergnügen !!

Plakat und Bild Tokkelbühne: von der Website der R. Steiner-Schule Münchenstein.

Siehe meinen Bericht hier>.

Der weisse Hirsch

Der Hirsch ist in vielen Religionen das Symbol für den sterbenden und wiederauferstehenden Gott. Im Christentum ist der Hirsch ein Symbol für Jesus Christus. Den Heiligen Eustachius und Hubertus begegnete Gott bzw. Christus in der Gestalt eines Hirsches mit dem Kreuz zwischen den Hörnern.

Der Hirschgott Cernunnos auf dem Kessel von Gundestrup

Der Hirschgott Cernunnos auf dem Kessel von Gundestrup

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Anni Swan

Anni Swan (1875-1958) ist eine Märchen-Dichterin aus Finnland. Wie viele finnischen Künstlerinnen und Intellektuelle ihrer Zeit war ihr kultureller Hintergund eher vom Skandinavischen (Schwedischen) geprägt. Dennoch gingen gerade von diesen Menschen wichtige Impulse für die Erstarkung des finnischen Kulturguts aus.

Anni Swan befasste sich intensiv mit finnischen Sagen, Märchen und Epen. Sie verstand ihre Märchendichtungen immer als Beitrag zur finnischen Nationalkultur. Beim Lesen ihrer Märchen, leider kann ich das nur in einer deutschen Übersetzung (erschienen im Verlag Urachhaus), spürt man in der Sprache oft den Geist ihres Vorbilds Hans Christian Andersen. Während Andersen aber eindeutig für die städtische Kultur Dänemarks schrieb, kommt in Swans Märchen die Natur ausführlich zum Zug. So öffnen sich ihre Märchen auch der Märchenkultur Finnlands, in welchen die Landschaft und Tierwelt, die Naturwesen, schamanistische Rituale usw. präsent sind.

Anni Swans Märchen pendeln zwischen Andersen Kinder-Zauberwelt und dem Zauber skandinavischer Volksmärchen. So berühren mich manche Märchen sehr, wie zum Beispiel “Kranich und Hirtenmädchen”, während andere ihrer Geschichten mir eher als nette Novellen erscheinen. Bemerkenswert ist, dass bei Anni Swan ein typisches Märchenmotiv, der Kampf zwischen Gut und Böse, Hell und Dunkel nicht dominiert. Ihre Märchenheldinnen erreichen ihre Erfüllung einfach durch “Gutsein” und immer in der Verbindung mit der Natur.

Anni Swan schrieb im Prinzip für Kinder und Jugendliche. Trotzdem empfinde ich ihre Märchen keineswegs als “Kindergeschichten”. Es wäre sicher spannend, Swans Märchen in der Originalfassung lesen zu können. Bei der deutschen Übersetzung kribbelt es mich manchmal, wenn offensichtliche “Teutonismen” Einzug gehalten haben.

Kranich und Hirtenmädchen, Finnische Zaubermärchen von Anni Swan

Kranich und Hirtenmädchen, Finnische Zaubermärchen von Anni Swan

Aber wem die vermutlich vergriffene, bei Urachhaus erschienene Auswahl finnischer Zaubermärchen von Anni Swan in die Finger gerät, dem möchte ich die Lektüre wärmstens empfehlen !

Verbindlichkeit von Anmeldungen

Ich schreibe eine Veranstaltung aus, die aus organisatorischen Gründen eine Anmeldung verlangt. Dann bekomme ich zwar viele Echos. Aber die meisten lauten sinngemäss: “Ich habe es mir notiert, wenn dann nichts anderes ist, komme ich vielleicht.”

In der Regel ist diese Antwort durchaus wohlmeindend. Aber es hilft nicht wirklich beim Organisieren eines Anlasses. Und es hat mit Prioritäten setzen und somit mit Wertschätzung zu tun.

Ich weiss, ich weiss, ich darf das nicht persönlich nehmen, weil es nicht persönlich gemeint ist. Und ich sollte nicht die Wertschätzung meiner Arbeit als Märchenerzähler mit meinem Ego verbinden.

Vielleicht ist das wirklich als Lehrstück für mich gedacht. Aber nervig ist es trotzdem…..

Märchen oder Autor interpretieren ?

Bei den meisten Märchenbetrachtungen, die ich antreffe, fällt mir auf, dass die Autorinnen und Autoren dazu neigen, einzelne Sätze oder sogar Wörter herauszugreifen und daran ganze Hypothesenkonstrukte aufzuhängen.

Dabei geht oft vergessen, dass die uns vorliegenden schriftlichen Fassungen der Märchen eine Version des Märchenmotivs darstellen. Wenn wie zum Beispiel bei den KHM der Brüder Grimm eine ganze Reihe von aufeinanderfolgenden Ausgaben vorliegen (von der nicht zur Veröffentlichung gedachten Urfassung von 1807/10 bis zur berühmten Ausgabe „letzter Hand” von 1857), sehen wir, wie intensiv die Märchentexte bearbeitet und verändert wurden. Oft wird in den Interpretationen schliesslich nicht das Märchen interpretiert, sondern vielmehr die Intention des letzten Autors. Im Fall der Brüder Grimm sagen die meisten psychologisch orientierten Interpretationen viel über Wilhelm Grimm und seine Zeit und oft wenig über das ursprüngliche Märchenmotiv aus.

Die Märchen werden also durch manche Interpretationen aus ihrem kulturellen und literaturhistorischen Zusammenhang herausgerissen und in einer gewählten Text-Fassung zum für Jahrtausende gültigen Monument gemacht.

Um Mitternacht (Moerike)

Gedicht von Eduard Mörike (1804-1875)
(1867)

(Mörike> )

Um Mitternacht
 
Gelassen stieg die Nacht ans Land,
Lehnt träumend an der Berge Wand,
Ihr Auge sieht die goldne Waage nun
Der Zeit in gleichen Schalen stille ruhn;
Und kecker rauschen die Quellen hervor,
Sie singen der Mutter, der Nacht, ins Ohr
Vom Tage,
Vom heute gewesenen Tage.
 
Das uralt alte Schlummerlied,
Sie achtets nicht, sie ist es müd;
Ihr klingt des Himmels Bläue süßer noch,
Der flüchtgen Stunden gleichgeschwungnes Joch.
Doch immer behalten die Quellen das Wort,
Es singen die Wasser im Schlafe noch fort
Vom Tage,
Vom Heute gewesenen Tage.

Der Lohn des Märchenerzählers

Wovon lebt der Märchenerzähler ?

Die Volks- und Publikumsmeinung ist eindeutig: Von der Freude am Erzählen!

Und die Motivation jedes/r Märchenerzählenden entspringt sicher der Freude am Erzählen.

Aber von der Freude am Erzählen allein kann man nicht leben. Es bräuchte dann schon ein sehr tiefes Vertrauen in den eigenen schicksalshaften Märchen-Lebensweg, dass einem im richtigen Moment Hilfe, auch finanzielle, zukommt. Weiterlesen

Gesang der Geister über den Wassern (Goethe)

Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
(1779)

(Goethe> )

Gesang der Geister über den Wassern

Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.

Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.

Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen,
Schäumt er unmutig
Stufenweise
Zum Abgrund.

Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin,
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.

Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
Schäumende Wogen.

Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!