Kategorie-Archiv: Märchen und mehr …

Märchenzeit 2009

Vollmond

Vollmond

zitiert von der Website der Mutabor Märchenstiftung:

Die Mutabor Märchenstiftung lädt ein zur Märchenzeit. Zwischen Vollmond, Freitag, 4. September 2009 und Vollmond, Sonntag, 4. Oktober 2009 finden in der ganzen Schweiz und im angrenzenden Ausland Veranstaltungen statt zum Thema „Vom Mond und anderen Himmelsgestirnen”. Tauchen Sie ein in die Welt der Märchen und lauschen Sie den Geschichten von Sonne, Mond und Sternen und was sie zu erzählen haben. Das Programm mit den Märchen-Veranstaltungen wird im Frühling 2009 veröffentlicht.

Ein Projekt der Mutabor Märchenstiftung unter dem Patronat der Schweizerischen UNESCO-Kommission.

Bibeltexte und Märchen interpretieren

Der Reichtum der mittelalterlichen Theologie kommt aus der Betrachtung des sogenannten vierfachen Schriftsinns:

  • der buchstäbliche, wortgetreue Sinn,
  • der allegorische, metaphorische Sinn, aus dem sich auch Dogmen ableiten,
  • der moralische („tropologische”) Sinn und
  • der eschatologische (oder „anagogische”) Sinn, der auf die Vollendung des Einzelnen oder der ganzen Schöpfung hinweist.

Die Parallelität zur Betrachtung von Märchen auf allen Sinn-Ebenen ist unübersehbar und auch nicht zufällig. Beim Betrachten von Märchen bewegen wir uns auf analogen Ebenen. Damit soll in keiner Weise eine Anwendung der alten Bibeltext-Interpretationsmethode “Vierfacher Schriftsinn” auf Märchen angesagt werden. Auf die Märchenbetrachtung “übersetzt” könnte das etwa so heissen: Weiterlesen

Unterschiedliche Erzählsituationen

In den letzten Tagen kam ich in den Genuss von zwei sehr unterschiedlichen Erzählsituationen. Zuerst aber die Gemeinsamkeit: Beide Male war es ein Frauen-Publikum. Nicht weil in Märchenkreisen die Frauen stärker vertreten sind, sondern diese Frauen waren durch ihre berufliche Position zusammengekommen.

Die eine Erzählsituation: im Freien, in Regen, Kälte und Wind, die Zuhörenden stehend, notdürftig geschützt durch Sonnenschirm oder Hausvordach, im kleinen Dorf Nuglar (ein solothurnischer Vorposten direkt über der basellandschaftlichen Kantonshauptstadt Liestal).

Die andere Erzählsituation: im gediegenen Merian-Saal des Hotels Merian Basel, in der Wärme, schön gepolsterte Lehnstühle, ein funkelnder Christbaum im Rücken des Märchenerzählers.

Und beide Male: beglückte und fröhliche Gesichter.

Es gibt also nicht grundsätzlich ungeeignete Umstände für’s Märchenerzählen…..

Mir gefällt auf jeden Fall beides!

Kurzberichte zu diesen zwei Veranstaltungen: hier und hier.

Komisches Gefühl – freudiges Gefühl

Heute habe ich mir auf dem Arbeitsweg im Zug überlegt, was dieses Jahr in Sachen Märchen denn so alles gelaufen ist. Dabei hatte ich eine überraschende Erfahrung gemacht: Das Gefühl “keine Termine, was jetzt”.

Und dabei waren 2008 doch:
Viele schöne Erzählveranstaltungen, selber organisierte, mit anderen gemeinsam organisierte und solche, wo ich “nur” engagiert war, also unbelastet von Organisatorischem zum Erzählen hingehen durfte. Besonders gefreut hat mich, dass die zwei Wiederbelebungen alter Traditionen, der Märchen-Abendspaziergang und die Erzählnacht in der Bibliothek auf gute Resonanz gestossen sind. Und immer wieder die Interaktion mit anderen Erzählerinnen bei gemeinsamen Auftritten.

Und jetzt ist das “Auftragsbuch” praktisch leer. Noch zwei Engagements in geschlossenen Gesellschaften im Dezember stehen an. Noch keine konkreten Pläne für Erzählveranstaltungen für nächstes Jahr.

Dafür kommt hoffentlich ein Bereich wieder vermehrt zum Zuge, der dieses Jahr eher brach lag: Das Betrachten von Märchen.

Und sicher wird die neu gegründete Arbeitsgemeinschaft “Märchen und Management” zu spannenden Aktivitäten im 2009 führen.

Ich freue mich auf eine märchenhafte Zukunft.

Die schweizerische Erzählnacht

ist ein tolle Gemeinschaftsinitiative des Schweizerischen Instituts für Kinder- und Jugendmedien (SIKJM) mit Bibliotheken, der Unicef und anderen Organisationen:
Es sollen immer am zweiten Freitag im November möglichst viele Veranstaltungen um und mit Erzählungen stattfinden: freies Erzählen, Lesungen, dramatische Umsetzungen, Visualisierungen usw. haben alle Platz.

Wasserstrahl eines Springbrunnens (Aufnahme: http://velina.info/gallery/view/water/h2o_08)

Im Jahr 2008 ist es der 14. November mit dem Thema Wasser (“L’aua raquinta” – “Storie d’acqua” – “Au fil de l’eau” – “Geschichten vom Wasser”). Weiterlesen

Chuck und sein Pferd

Referenz: “Projektgeschichten”-Blog von Sigrid Hauer, 30.Oktober 2008 “Chuck und sein Gaul”

Der junge Chuck will mit einer eigenen Ranch reich werden. Als Anfang kauft er einem Farmer ein Pferd ab. Er übergibt dem Farmer seine ganzen 100 Dollar und dieser verspricht, ihm das Pferd am nächsten Tag zu liefern.

Am nächsten Tag kommt der Farmer vorbei und teilt Chuck eine schlechte Nachricht mit: “Es tut mir leid, Kleiner, aber das Tier ist in der Nacht tot umgefallen.” Meint Chuck: “Kein Problem. Gib mir einfach mein Geld zurück. “Geht nicht”, eröffnet ihm der Farmer. “Ich habe das Geld gestern bereits für Dünger ausgegeben.”

Chuck überlegt kurz. “Na dann”, fängt er an, “nehme ich das tote Biest trotzdem.” “Wozu denn?” fragt der Farmer. “Ich will es verlosen”, erklärt ihm Chuck. “Du kannst doch kein totes Pferd verlosen!”, staunt der Farmer. Doch Chuck antwortet: “Kein Problem! Ich erzähl’ einfach keinem, dass es schon tot ist…”

Monate später laufen sich Chuck – fein in Anzug und schicken Schuhen – und der Farmer in der Stadt über den Weg. Fragt der Farmer: “Chuck! Wie lief’s denn mit der Verlosung des Pferde-Kadavers?”

“Spitze”, erzählt ihm Chuck. “Ich habe über 500 Lose zu je 2 Dollar verkauft und meine ersten 1’000 Dollar Profit gemacht.”

“Ja… gab’s denn keine Reklamationen?”

“Doch – vom Gewinner”, sagt Chuck. “Dem habe ich dann einfach seine 2 Dollar zurückgegeben.”

Nachtrag:

Heute verkauft Chuck strukturierte Finanzprodukte in New York…

Nathan der Weise – ein Märchen ?

Gestern abend haben wir im Goetheanum in Dornach das Schauspiel “Nathan der Weise” genossen. Lessing nannte es ein “dramatisches Gedicht”. In der Tat ist es nicht nur eine Lehrgeschichte, sondern ein spannender Krimi ! (Fotos: Charlotte Fischer www.lottefischer.de)

Nathan der Weise: Recha und Nathan

Nathan der Weise: Recha und Nathan

Der Plot des Stücks ist zumindest im 2.Teil etwas “gesucht”, aber er soll ja auf die wichtige Aussage hinführen, dass alle Menschen Brüder und Schwestern und in erster Linie Menschen, nicht Angehörige eines Volkes, einer Religion, eines Ordens oder sonst einer Ego-Identifikation sind.

Neben dem bekanntesten Teil, der Ringparabel, die Lessing übrigens von Boccaccio übernommen hatte, sind mir eine ganz Reihe noch fast wichtigerer Vers-Passagen aufgefallen. Die vordergründige Ausage des “Geschichtchens”, welches Nathan dem Sultan Saladin erzählt, ist die, dass alle drei abrahamitischen Religionen legitime Nachkommen eines ursprünglichen Gottesverständnisses sind. Weiterlesen

Verantwortung

Dies ist ein Beitrag zur Blog-Parade von Frank Obels zum Thema Verantwortung.

Wie halten es die Märchenheldinnen und -helden mit der Verantwortung ?
Welche Vorbilder geben sie ?

Diese Frage habe ich mir noch nie gestellt. Und ich bin in kurzer Zeit auch nicht wirklich weit gekommen. Was nicht heisst, dass etwas mehr Nachforschungen auch mehr bringen könnte.

Verantwortung auf dem Lebensweg übernehmen – Verantwortung ist ein Attribut des Erwachsenseins.

Verantwortung übernehmen bedeutet, Entscheidungen selbst fällen zu können, wählen unter mehreren Handlungsmöglichkeiten, eben frei sein. In einer Welt, in der es nur Bestimmung gibt, kann man im besten Fall noch die Verantwortung dafür übernehmen, seine Bestimmung anzunehmen. Man wird dann natürlich auch verantwortlich für die Folgen seines Handelns, unabhängig davon, ob die Handlung moralisch gut, zumindest legal oder gar verbrecherisch war. Siehe auch mein eher grundsätzlicher Artikel zum Thema.

In den Märchen tragen die Märchenheldinnen und -helden oft die Verantwortung für ihr Handeln zur Lösung der Probleme, aber …

… viele Märchenheldinnen und -helden befinden sich auf ihrem Weg noch im Stadium der Unmündigkeit, können also keine Verantwortung tragen. Weiterlesen